Innovationen sorgen für Wettbewerbsfähigkeit und eine starke Wirtschaft. Deutschland ist seit jeher von Ideenreichtum und Innovationskraft geprägt – muss aber dennoch darauf achten, den Anschluss nicht zu verlieren. Ein Kommentar.

Im jüngst veröffentlichten Innovationsindex 2020 wird Baden-Württemberg zum wiederholten Mal als die Region mit der höchsten Innovationsfähigkeit innerhalb der Europäischen Union (EU) geführt. Als Gründe dafür werden unter anderem beträchtliche Investitionen in Forschung und Entwicklung, der hohe Anteil des in diesem Bereich tätigen Personals, die hohe Bedeutung forschungsintensiver Industriezweige sowie der große Erfindungsreichtum genannt.

Auch Bundesländer wie Bayern, Berlin, Hessen und Hamburg reihen sich in der Spitzengruppe des EU-Rankings ein. Doch spätestens seit Beginn der Corona-Pandemie wissen wir, dass es in Deutschland trotz aller Innovationskraft eine Reihe organisatorischer und technologischer Defizite gibt. Das betrifft insbesondere den Bereich Digitalisierung.

Während in anderen Ländern quasi über Nacht auf Home Schooling umgestellt werden konnte, weil digitale Lerninhalte schon lange vor der Krise ein fester Bestandteil des Unterrichts waren, müssen sich die Schüler*innen in Deutschland auch ein Jahr später noch mit provisorischen Lösungen begnügen. Nicht anders sieht es bei Themen wie Home Office oder virtuellen Meetings aus. Dabei geht es gar nicht so sehr um die technischen Voraussetzungen, denn die lassen sich schnell schaffen. Vielmehr fehlt der Wille sich auf etwas Neues einzulassen. Bis heute machen einzelne Industrieverbände gegen Home Office und Remote Work mobil und fordern schnellstmöglich die Rückkehr zur Anwesenheitspflicht im Büro.

Innovationskraft: Deutschland muss neue Prioritäten setzen

Diese Antihaltung gegen Trends und Entwicklungen, die die Digitalisierung hervorgebracht hat, lässt sich leider in vielen Bereichen beobachten. Und genau an dieser Stelle muss Deutschland aufpassen. Denn bislang verdanken wir den Spitzenplatz im Innovationsindex vor allem unserer Leistungsfähigkeit in klassischen Bereichen wie dem Maschinenbau und der Automobilindustrie. Wenn man sich jedoch perspektivisch wichtige Faktoren wie den Glasfaserausbau, zeitgemäße Arbeitsformen und die Adaption neuer Technologien im Allgemeinen anschaut, sieht die Sache schon wieder ganz anders aus.

Aus diesem Grund muss in Deutschland ein Umdenken stattfinden. Die Expertenkommission Forschung und Innovation etwa fordert von der Bundesregierung Technologieneutralität – vor allem mit Blick auf das Erreichen von Klimazielen und Nachhaltigkeit. Ferner sieht es die Kommission als dringend erforderlich an, dass technologische Rückstände aufgeholt werden und diese in zukünftigen Schlüsseltechnologien erst gar nicht entstehen. Aber auch Themen wie New Work sowie die Gleichstellung von Mann und Frau im Beruf spricht das Gutachten an, denn nur so kann es dauerhaft gelingen, eine Fachkräftebasis zu sichern. Und dann wäre da noch die Förderung von Bildung, Forschung und vor allem jungen Unternehmen. Insbesondere die sinkende Gründungsaktivität in forschungs- und wissensintensiven Sektoren könnte sonst mittelfristig zum Problem werden.

Auch das Hightech-Forum findet eine klare Antwort auf die Frage, wie Deutschland innovativer werden kann: Es braucht eine bessere und vor allem engere Zusammenarbeit von Wissenschaft, Wirtschaft und Gesellschaft. Ergänzend zu den im vorangegangen Absatz genannten Punkten, wird hier zusätzlich eine gezielte Deregulierung gefordert. Es soll mehr Experimentierräume geben – und was noch viel wichtiger ist: effektive Beteiligungsformate, um die Bevölkerung in ihrer Gesamtheit zu erreichen.

Zukunftsvisionen in den Alltag integrieren

Grundsätzlich hat Deutschland die besten Voraussetzung, um auch im Zeitalter der Wissensökonomie in der obersten Liga mitzuspielen. Aber dafür müssen schon jetzt die Weichen gestellt werden. Obwohl beispielsweise viele New Work-Themen, die insbesondere für junge Fachkräfte von großer Bedeutung sind, schon seit Jahren (!) realisierbar sind, brauchte es eine globale Pandemie, um deutsche Unternehmen zum Umdenken zu bewegen. Auch viele technologische Defizite, die ebenfalls seit geraumer Zeit bekannt sind, wurden erst durch die Krise auf die Agenda von Politik und Wirtschaft gesetzt.

Das muss sich dringend ändern. Zukunftsvisionen sollten nicht länger als Visionen behandelt werden, sondern zeitnah in unseren (Arbeits)alltag integriert werden. Es bringt nichts, wenn jeder über Künstliche Intelligenz, Autonomes Fahren oder digitale Arbeitsplätze spricht, aber die Mehrheit der Unternehmen und Ämter noch Faxgeräte nutzt und E-Mails ausdruckt, um sie in Leitz-Ordnern abzuheften. Hier sind wir alle gefragt.

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Frank Feil, Jahrgang 1986, berät und schult regionale sowie überregionale Unternehmen in den Bereichen Social Media und Corporate Publishing. Zudem ist er als freier Autor tätig. Schon von Kindesbeinen an fasziniert ihn alles, was mit Technik und dem Internet zu tun hat. Seit 2006 ist er als Blogger und Community Manager im Netz unterwegs.