Die Zukunft ist plötzlich da – zugegeben, es war ein etwas holpriger Start, mit schlechter Internetverbindung, fehlenden Remote-Work-Tools und Problemen bei der Akustik. Doch durch die aktuelle Situation, die uns plötzlich vor neue Herausforderungen stellt, blieb uns auch irgendwie nichts anderes übrig, als uns so schnell wie möglich anzupassen.

Die Pandemie gepaart mit der Digitalisierung, in die letztere schon einige von uns schon halbherzig ihre Zehen getunkt haben, erfordert in den für uns unbekannten Gewässern zu navigieren. Niemand weiß, wie das Zukunftsmodell genau aussehen wird, obwohl schon in den Jahren vor Corona viele die Fahne des agilen Arbeitens hochgehalten haben, während andere kopfschüttelnd und mit verschränkten Armen danebenstanden. So lässt sich auch erklären, warum die jetzige Situation entweder ein weicher Übergang oder ein harter Aufprall war.
In der Geschichte war der Drang des Menschen schon immer groß, in neuen Lebensrealitäten unbekümmert alte Gepflogenheiten weiter zu kultivieren, ohne sich zu fragen, ob unsere Fähigkeiten und Kompetenzen mit der aktuellen Lebensrealität zusammenpassen. Generell befinden wir uns in einer günstigen Zeit, um die Art unserer Arbeitsweise infrage zu stellen.

Während wir in unserem Kokon sitzen und die veränderte Welt um uns beobachten, ist es eine gute Sache jetzt darüber zu reden, wie wir unsere Post-Corona-Zukunft in Einklang mit der Digitalisierung bringen möchten.

Jeder wird sein eigener CEO

Für jeden Einzelnen von uns bedeutet das, dass unser Expertenwissen in einem einzelnen Bereich aufgesprengt wird und wir uns in vielfältigen Themen, zwar kein spezifisches Wissen aber zumindest intermediäres Wissen aneignen werden. Während die Zahl der Beschäftigten in einem Unternehmen aufgrund der Post-Pandemie-Wirtschaft schrumpfen könnte (die chinesische Wirtschaft hat sich bereits verkleinert), ist es umso wichtiger andere Themenbereiche, für die bis dato nur der/die eine Kolleg*in zuständig war, aufzubrechen und das Wissen weiterzuvermitteln. Dazu zählen auch Fähigkeiten sich in kurzer Zeit Wissen anzueignen, sowie unvoreingenommen und initiativ zu agieren. Eigenschaften, die von den “Agilen“ und der Startup-Fraktion schon lange propagiert wurden.

Home-Office wird New Office

Das Büro gehört seit Jahrzehnten zu den realen Räumen des Gelderwerbs, des Austausches und der Wissenserweiterung und ist symbolisch stark in unserem Bewusstsein als soziales Wesen verankert. Ich glaube also nicht, dass nach Corona eine Abschaffung des Büros ernsthaft zur Debatte steht. Nach meiner persönlichen Einschätzung geht auch hervor, dass sich keiner nach den grauen Büromauern, sondern nach dem sozialen Miteinander im Office sehnt. Die letzten Wochen waren auch für all diejenigen ein Gegenbeweis, die behaupteten, dass das Arbeiten von Zuhause doch gar nicht funktioniert.

Ein Modell könnte doch so aussehen, dass nur bestimmte Termine eine physische Anwesenheit erfordern. Vielleicht wird das Büro vermehrt ein Ort des Miteinanders, wo wir Erfolge feiern und Projektstrategien austüfteln. Langwierige Firmenstrategien könnten in diesem Zuge womöglich auch der Vergangenheit angehören. Es ist unmöglich über drei Monate hinaus zu planen.

Hybride Erfahrungen

Hier reiht sich eine neue Erfahrung an. Genau wie wir zwischen Home-Office und New Office entscheiden dürfen, ohne ein unverständliches Kopfschütteln von den Kollegen zu kassieren, könnten wir auch in anderen Bereichen zwischen analogen und virtuellen Erfahrungen wählen. Das trifft den Nerv unserer jüngsten Zeit, in der es uns oftmals schwerfiel, unter tausenden Erfahrungsmöglichkeiten entscheiden zu müssen.

In der digitalen Gesellschaft, genauer gesagt in der hybriden Welt, könnte es jetzt die Möglichkeit geben unter zukünftigen Erfahrungserlebnissen wählen zu können. So müssen wir vielleicht nicht an der 300 km weiten Konferenz physisch teilnehmen, sondern wählen uns von zu Hause ein. Verbringen dafür aber die Zeit, die wir „gespart“ haben bewusst mit Freunden und Familie bei einem Picknick im Freien. In einer hybriden Welt wählen wir also achtsam zwischen analogen und digitalen Erlebnissen.

Das Navigieren in unbekannten Gewässern

Während die ganze Welt gerade in unbekannten Gewässern navigiert, wäre doch der optimalste Zustand kurz inne zu halten und zu verstehen, was um uns geschieht. Es ist wichtig, dass in solchen „Krisen“ das Nachdenken über verschiedene Szenarien, die mitten aus unserem gewohnten Leben entspringen, nicht zu kurz kommt.

Dies sollten wir zuerst auf persönlicher, danach auf lokaler und später auf globaler Ebene durchdenken. Vielleicht sind wir froh darüber, dass das Land in dem wir leben „so gut“ mit der Krise umgegangen ist. Auf lange Sicht bringt das aber rein gar nichts. Eine Familie, eine Firma und die Welt(-wirtschaft) ist immer nur so stark wie das schwächste Glied in seiner Kette.
Auch wenn alle Räder noch nicht ganz ineinandergreifen: das Home-Office Equipment sitzt, die Technik bei Zoom-Gesprächen funktioniert immer besser und eine von den Kindern weitestgehend ungestörte Ecke für den Videochat ist auch gefunden.

Für diejenigen, die die Meinung vertreten, dass das Corona-Phänomen ein vorübergehendes Momentum ist, welche alle Einstellungen zurückstellen (Reset) wird, sobald wir in Berührung mit dem „alten Alltag“ kommen – aus der Verhaltensforschung wissen wir, dass wir, um eine Verhaltensänderung zur Gewohnheit zu machen, circa 31 Tage brauchen. Zurzeit befinden uns in der Coronaphase bei Tag 47.

 

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Ceren Akbaba
Ceren arbeitet in der Abteilung Innovation & Digital Ecosystems des CyberForums. Sie hat in Karlsruhe, Oslo, Ankara und Berlin Kultur- und Politikwissenschaften studiert. Als 1989 geborene Digital Native ist sie genau so alt wie das World Wide Web.