Die Blockchain ist derzeit vor allem als Technologie bekannt, die hinter der digitalen Währung Bitcoin steckt. Das ist aber nur der Anfang: Startups, etablierte Unternehmen und Regierungen experimentieren und entwickeln Lösungen mit dem dezentralen Register. 

Was ist eigentlich die Blockchain? Technisch versteht man unter der Blockchain-Technik eine Sammlung von Datenblöcke, die durch Aneinanderreihung miteinander verknüpft sind. Durch neue Informationen wird die Chain (deutsch: Kette) ständig verlängert. Jeder Block erhält einen sogenannten Hash des vorhergehenden Blocks, was eine Kette von Blöcken vom Genesis-Block, dem ersten Block, bis zum jeweils aktuellsten Block zur Folge hat. Einzelne Blöcke sind nachträglich nicht mehr veränderbar. Jedoch wird das komplexe Datenregister nicht von einer Person oder einem Unternehmen kontrolliert, sondern jeder Nutzer der Datenbank-Software hat seine eigene Kopie, die durch Kryptografie geschützt ist. Die Erfindung der Blockchain, geht wie die der Bitcoin-Währung auf Satoshi Nakamoto zurück. Ob es sich dabei um eine Person oder eine Gruppe handelt ist bis heute nicht bekannt.

Eine anschauliche Erklärung der Vorgänge in der Blockchain kommt von den Redakteuren des Technologie-Magazins The Memo:

Die Redaktion The Memo versucht Blockchain zu erklären. (Video: The Memo)

Ziel ist es, die Blockchain zu einer Basistechnologie zu entwickeln, die Transaktionen zwischen Unternehmen erleichtern kann. Die zu erwartenden Vorteile:

  • Kostenersparnis und Effizienzgewinne,
  • Verringerung von Risiken,
  • Abbau von Schnittstellen,
  • Automatisierung arbeitsteiliger Prozesse.

Regierungen an Blockchain interessiert

In der Bitcoin-Blockchain zum Beispiel ist gespeichert, wer der Besitzer welches Bitcoins ist, aber in Zukunft lassen sich auch andere Informationen in einer Blockchain speichern. Ein Blockchain-Grundbuch wäre denkbar. Aber auch Informationen zur Steuererhebung, zu Sozialleistungen oder zur Infrastruktur könnten gespeichert werden. Ein Großteil der öffentlichen Verwaltung könnte überflüssig werden. Die polnische, die britische und die Regierungen von Honduras und Dubai haben bereits Interesse an der Blockchain-Technologie gezeigt. Dezentrale Informationen würden zwar einerseits das Einbüssen von Macht und Kontrolle für einen Staat bedeuten, aber andererseits dafür sorgen, dass viel Prozesse sicherer und effizienter geregelt werden.

Noch stehen wir am Anfang der Blockchain-Reise und wo es genau hingeht, kann noch niemand sagen. Sich jetzt damit auseinanderzusetzen und darauf einzustellen, scheint aber der richtige Zeitpunk zu sein, denn der Hype ist real. Auch wenn es lange gedauert hat, dass das öffentliche Augenmerk vom ebenso realen Bitcoin-Hype auf die darunterliegende Blockchain gewandert ist. Durch Bitcoin liegt die Vermutung nahe, dass die Blockchain auch im erweiterten Feld von digitalen Werten und Zahlungsverkehr ihren Einsatz finden kann. Natürlich beschäftigen sich die etablierten Banken bereits mit dem Phänomen.

Bisher läuft es so, dass wir ein Konto bei einer Bank eröffnen – also unsere Daten anvertrauen – und der Bank vertrauen, wie sie mit diesen Informationen umgeht. Die Bank führt ein Hauptbuch, wir erhalten Kontoauszüge. Die Blockchain-Idee, dieses von der Bank zentral geführtes Hauptbuch abzuschaffen und auf dezentrale Weise einen sicheren Informationsfluss zu gewährleisten, baut auf einem kompletten Netzerk auf, dass sich jederzeit über den aktuellen Stand einig ist. „Man findet man kaum noch Anbieter in der Finanz­branche, die sich nicht mit den Möglichkeiten dieser neuen Technologie auseinandersetzen“, sagte Bundesbank-Vorstand Carl-Ludwig Thiele kürzlich in einem Vortrag an der Hochschule der Deutschen Bundesbank. „Die Technologie hat möglicherweise das Potenzial, die Grundlagen des Zahlungsverkehrs und anderer Geschäftsfelder komplett zu verändern. Auch die Bundesbank setzt sich damit auseinander.“ Ein Beispiel ist das laufende R3-Projekt von mehr als drei Dutzend Großbanken, die in diesem Rahmen mögliche Anwendungsgebiete testen.

Auf dem Weg in den Technologie-Mainstream

Auch für große Unternehmen wird die Blockchain spannend: Nach Microsoft und IBM hat nun auch der Prozessorhersteller Intel für seine neue Sawtooth-Lake-Plattform in die Technologie investiert. Mit der Plattform könnten voll funktionsfähige Plattformen zum Austausch digitaler Güter realisiert werden, so das Unternehmen. Zuvor hatte Intel bereits einen Marktplatz für Spiele auf Blockchain-Basis vorgestellt. Nutzer konnten in der fiktiven Währung „Mikkels“ Anteile an digitalen Sportteams handeln. Die Technologie ist auf dem besten Weg in den Mainstream. Die amerikanische Börse Nasdaq hat gerade die erste Handelsplattform basierend auf Blockchain-Technologie gestartet. Allein im vergangen Jahr haben Risikokapitalgeber mehr als 450 Millionen Dollar in Blockchain-Ideen investiert.