Im Gründerview stellen wir in regelmäßigen Abständen spannende Startups vor. Das Startup und Cyberlab – Team evoach hat eine 100% digitale chat-bot basierte Selbstcoaching Lösung mit integrierter künstlicher Intelligenz entwickelt . Im Interview sprachen wir mit den Co-Founderinnen Rebecca Rutschmann und Anke Paulick und stellten ihnen die bekannten zehn Gründerview-Fragen.

Euer Startup in einem Tweet?

evoach ist eine 100% digitale chat-bot basierte Selbstcoaching Lösung mit integrierter künstlicher Intelligenz, die bewährte themenbezogene Coaching-Prozesse und -Methoden digitalisiert und den Nutzer selbständig vom Problem zur Lösung führt.

Wie ist eure Geschäftsidee entstanden; was war der initiale Funke?

Rebecca: Ich habe 2017 meine Abschlussarbeit als Business-Coach zum Thema “Online Selbstcoaching” geschrieben. Mich beschäftigt das Thema Coaching und Digitalisierung schon seit dem Beginn meiner Coaching-Ausbildung 2008. Anfang 2018 haben wir uns dann in einem interdisziplinären Team getroffen und im Rahmen eines Design-Sprints einen ersten Prototypen erstellt um auszuprobieren wie man Coaching rein digital umsetzen könnte. Unser Antrieb war es schon immer die Power von Coaching viel Menschen zu ermöglichen und nicht nur ausgewählten Führungskräften. Seit 2019 haben wir unser Coaching auch um agile Coaching Elemente erweitert, vor allem zum Thema Vorbereitung von Retrospektiven.

Wie groß ist euer Team, wer gehört dazu und wie habt ihr euch gefunden?

Anke: Wir sind aktuell 2 Gründerinnen, 1 CTO sowie ein Werkstudentin in der Software-Entwicklung. Aktuell suchen wir weiter nach Verstärkung in den Bereichen Entwicklung, Marketing und Vertrieb. Ich bin erst 2020 ins Gründerteam eingestiegen als Nachfolgerin von Stefanie Wolz, die aus familiären Gründen ausgeschieden ist. Ich habe mir fast ein Jahr lang über mein Netzwerk und Formate wie TeamUp verschiedenste Start-up Ideen und Teams  angeschaut. Meine Ziele: An einem spannenden, zukunftsfähigen Thema mit einem Team arbeiten, das ich fachlich und menschlich gut ergänze. Beides passt jetzt sehr gut, auch wenn wir mit unserem Thema noch sehr früh im Markt sind.

Was unser Team ausmacht ist vor allem die gemeinsame Vision und eine Leidenschaft für das Thema. So haben wir unsere Werkstudentin Anna bei einem Usertesting kennengelernt und sie fragte im Nachgang ob wir nicht eine Werkstudentin suchen.

Wer profitiert von eurer Idee und warum?

Rebecca: Von unserer Idee profitieren sowohl Unternehmen als auch Mitarbeiter und Teams. Coaching ist immer noch teuer, auch wenn privates Einzelcoaching heute auch für unter 100,-€/Stunde erhältlich ist. Im Unternehmenskontext wird Coaching jedoch zum Großteil immer noch nur für Führungskräfte ermöglicht oder erst nach einem langen Prozess genehmigt. Mit evoach können Mitarbeiter und Teams frei auf Coaching zugreifen, ohne Antrags- und Genehmigungsprozesse, ohne zeitliche Restriktionen und ohne lange Suche nach dem richtigen Coach.

Gerade agile oder New Work Arbeitsumfelder verlangen ein hohes Maß an Kommunikationsfähigkeit und Selbstorganisation. Das bringt nicht jeder mit, aber jeder kann es lernen. Allerdings weniger durch klassische Trainings, als durch geführte Reflektion an konkreten Themen.

Was fasziniert euch am meisten an der Coaching-Branche?

Anke: Die Digitalisierung von bisher sehr analogen Branchen ist eine spannende Herausforderung. In Personalwesen ist inzwischen vieles digitalisiert – von der Recruiting-Plattform bis zum Zeugnis-Generator. Dabei geht es trotz Digitalisierung häufig um graduelle Prozessverbesserungen, mit dem Fokus auf Personalbeschaffung und -verwaltung. Wir wollen mit evoach Personalabteilungen Tools an die Hand geben, den HR Beitrag neu zu leben: Als People Innovator, der die Transformator der Geschäftsbereiche unterstützt. Coaching ist ein extrem mächtiges Instrument zur persönlichen Weiterentwicklung und kann so vielen Menschen helfen zu reflektieren und zu eigenen Lösungsansätzen zu kommen.

Die Branche steht noch ganz am Anfang was das Thema Digitalisierung anbelangt. Unter Digitalem Coaching verstehen viele aktuell immer noch Coaching über Videoconferencing.. Das ist aber immer noch die gleiche Ressourcenbindung und löst nicht die Kostenfrage, und die Verfügbarkeit nur teilweise. Wir sehen in der kompletten Digitalisierung von Coaching eine große Chance für mehr Selbstbestimmung, Freiheit, persönliche Weiterentwicklung und nachhaltiges Arbeiten. Digitalisierung liegt uns im Blut und Coaching ist unsere Leidenschaft. Beides zu einem zu vereinen, ist unser Traumberuf!

Wie sieht euer Arbeitsalltag aus – gibt es überhaupt schon so etwas wie einen „Alltag“?

Rebecca: “Ich weiss nur, dass ich nichts weiß!” trifft eher auf unseren Alltag zu. Der ist definitiv jede Woche – manchmal sogar jeden Tag  –  anders. Und gerade mit Familie und Kindern zu gründen, hält definitiv genug Abwechslung bereit um sich in Vuca-Welten ganz zu Hause zu fühlen. Unser Alltag ist also eher “kein Alltag”.. Bei aller Agilität und Kundenfokus helfen uns aber feste Routinen und Regeltermine, unsere Ziele zu erreichen. Die planen wir operativ von Woche zu Woche.

Einmal im Quartal gleichen wir ab, wie das was wir tun auf unsere Vision einzahlt. Im Alltag hält jeder von uns mehrere Bälle in der Luft und es gab noch keine Woche ohne Überraschungen. Wir sind ja alle schon etwas länger in der Digitalwirtschaft und ordnen das bunte Geschehen um uns vielleicht mit etwas weniger blinder Begeisterung aber auch mit deutlich weniger Panik ein.

Welches Startup hat euch am meisten begeistert oder inspiriert?

Anke: Mir hilft der Austausch mit anderen Gründern sehr. Durch entsprechende Netzwerke bekommen wir sowohl Antworten auf konkrete Business Fragen, wie auch Zugang zu spannenden Gründerpersönlichkeiten und Investoren. Das eine große Vorbild habe ich nicht, aber ein starkes Faible für Menschen, die komplexe Themen durch Technik einfach und für alle erreichbar zu machen.

Rebecca: Hm, so viele Startups mit weiblichen Gründerinnen gibt es da ja nicht, aber wenn ich mir etwas klassisches aussuchen sollte, wäre es wahrscheinlich MyMüsli, was das Team und Bootstrapping anbelangt sowie dass Sie schon früh mit neuen Methoden wie OKRs experimentiert haben. Hinsichtlich Usability und Storytelling bin ich nach wie vor großer Headspace Fan und hoffe wir werden irgendwann zum Headspace für Coaching ;). Spannende Gründerinnen wie Amorelie-Gründerin Lea-Sophie Cramer oder Aufsteigerinnen wie Franziska Leonhardt von Ave + Edam und Kristin & Kati von Ooshi zeigen, dass es auch mit Familie und Kindern geht, etwas aufzubauen. Leider ist der Weg zur Venture Finanzierung für Frauen immer noch schwierig.

Was ist der nächste große Schritt?

Anke: Nachdem wir die ersten Themen-Module zu den gängigsten Coaching-Themen erstellt und unsere Team-Coaching Module weiter ausgebaut haben, startet die Integration von künstlicher Intelligenz vor allem im Bereich Anliegenklärung und intelligente Fragestellungen. Kaufmännisch haben wir gerade (trotz Corona) unsere Finanzierung für die nächsten 12 – 18 Monate gesichert. Nun wollen wir weitere Konzerne als evoach Kunden gewinnen.

Über welche Stolpersteine musstet ihr während der Gründung steigen?

Rebecca: Wir bauen kein Me-too Produkt, sondern öffnen einen neuen Markt. Das ist erklärungsbedürftig und wir leisten viel Pionierarbeit. Wer unsere Software mit einem konkreten eigenen Thema ausprobiert hat, ist in der Regel positiv überrascht, wie gut digitales Coaching funktioniert. Eine vertriebliche Hürde für uns ist, ob Entscheider sich die Zeit nehmen, es wirklich einmal auszuprobieren. Da hilft uns Corona aktuell sogar, da die meisten im Homeoffice weniger Meetings und mehr Zeit zum Nachdenken haben.

Der größte Stolperstein liegt für uns sicherlich darin, dass weibliche Gründerinnen mit Familie leider immer noch selten sind und wir immer wieder gegen bestehende Stigmen und Vorurteile ankämpfen müssen, auch wenn manche typischen Fragen oft gut gemeint sind. Als weibliches Startup im Tech Bereich mit einem Softskill-Thema passen wir natürlich perfekt in viele der schon vorgefertigten Schubladen. Gründen ist für uns kein Hobby sondern Business.

Habt ihr einen Rat/Tipp an andere Gründer?

Anke: Arbeitet mit Unternehmern, die schon erfolgreich umgesetzt haben, woran ihr gerade arbeitet. Das heißt, die Eure Probleme, Dilemmata und Zweifel aus ihrer eigenen Gründungserfahrung kennen. Und scheut Euch nicht zu fragen. Ich bin immer noch von einigen “Lichtgestalten” überrascht, wie hilfsbereit sie sind und wie sehr sie uns helfen.

Rebecca: Holt euch von Anfang an so viel Feedback aus dem Markt wie möglich. Product Discovery & Design Thinking sind unserer Meinung essentiell um ein Produkt zu entwickeln das Kunden lieben und langfristig am Markt erfolgreich sein kann.

 

Über evoach

evoach ist eine webbasierte Selbstcoaching Anwendung, die ihre Teams und Mitarbeiter dabei unterstützt handlungsfähiger, effektiver und selbstbestimmter zu werden. Wir digitalisieren komplette Business-Coaching Prozesse und bieten Unternehmen einen niedrigschwelligen Einstieg in Coaching für alle Mitarbeiter an – ohne einen involvierten Coach im Hintergrund. Die User werden digital durch einen themenbezogenen und lösungsorientierten Coaching-Prozess geführt, in dem sie für sich selbst Lösungsansätze erarbeiten und Handlungsschritte festlegen. Dank einer breiten Verfügbarkeit von Coaching im Unternehmen können nachhaltig leichter Konflikte gelöst, Entscheidungen getroffen und somit auch indirekt Zufriedenheit und Motivation gesteigert sowie Stress reduziert werden.

Dein StartUp im GründerView? Mail an info(at)techtag.de