Die Sharing Economy erfasst nach und nach alle Bereiche. Wir haben mit dem Team von V-Industry über das Teilen von Maschinen in der Industrie gesprochen.

Lieber Olaf, lieber Oliver, lieber Thorsten, ihr habt euch mit V-INDUSTRY einen Platz unter den Siegern des diesjährigen ShareBW-Wettbewerbs gesichert. Erzählt uns doch etwas mehr über V-INDUSTRY und die Idee dahinter.

Die Idee hinter V-INDUSTRY ist die Industrie mit der Sharing Economy zu verknüpfen. Wir wollen Unternehmen dabei unterstützen, ungenutzte Maschinenressourcen in Form von Maschinen und anderen Produktionsressourcen entlang der gesamten Wertschöpfungskette kollaborativ zu nutzen. Das erhöht die Maschinenauslastung und generiert einen zusätzlichen Mehrwert für alle Beteiligten, da die Produktion insgesamt wesentlich effizienter wird. Nebenbei senken die Unternehmen ihren ökologische Fußabdruck in der Industrieproduktion und schonen die Umwelt.

„Maschinen teilen“ – das hört sich zunächst etwas abstrakt an. Wie muss man sich das in der Praxis vorstellen?

Im Kern besteht V-INDUSTRY aus einer kombinierten Hard- und Software-Lösung, die Maschinen- und Auslastungsdaten von der physischen Ebene digitalisiert, auf einer Web-Plattform live visualisiert und sehr flexibel zugänglich macht – dadurch wird das Teilen von Maschinen ermöglicht. In der Praxis stehen sich dann zwei grundlegende Nutzergruppen gegenüber: Auf der einen Seite die Anbieter, die ihre Maschinenressourcen zur Verfügung stellen, die sie besitzen, aber in bestimmten Zeiträumen nicht vollständig nutzen. Auf der anderen Seite die Abnehmer, die Maschinennutzung nachfragen, um diese ohne hohe Fixkosten in ihre eigene Supply Chain einzubinden.

Müssen die Maschinen und Unternehmen bestimmte Voraussetzungen erfüllen, oder kann theoretisch jeder in V-INDUSTRY eingebunden werden?

Wir wollen bewusst Mittelständer ansprechen, die noch keine 360-Grad-Industrie-4.0-Lösungen besitzen. Es gibt sicherlich eine große Vielfalt von unterschiedlichsten Maschinen und Produktionsschritten. Wir werden die verbreitetsten Schnittstellen und Maschinen zuerst integrieren. Eben dort, wo für unsere Kunden der größte Nutzen liegt.

Natürlich ist es wichtig, dass die Unternehmen bereit für den digitalen Wandel sind – und einen hohen digitalen Reifegrad haben. Dazu gehört aber nicht nur Technologie sondern die Erkenntnis, dass Mitarbeiter, Organisations- und Führungsstrukturen ebenfalls auf die Reise mitgenommen werden müssen. Mit der Implementierung von Sharing-Konzepten gehen oft viel tiefer liegende Veränderungen einher, die ein Unternehmen wettbewerbsfähig machen: Agiles Management, flache Hierarchien, Kreativität.

Wie ist bisher das Feedback der Industrie? Gibt es Unternehmen, für die das Sharing-Prinzip besser geeignet ist, als für andere?

Die Akzeptanz bei den Unternehmen, die unsere Plattform nutzen sollen, ist natürlich extrem wichtig. Dort gibt es noch einige Vorbehalte, aber auch die unruhige Erwartung, dass Geschäftsmodelle sich in Zukunft erweitern werden. Einzelne Unternehmen warten geradezu darauf, dass ihnen ein durchgängiges Konzept zur Digitalisierung ermöglicht wird.

Gute Partner sind für uns die Unternehmen, die ein valides Interesse an einer regen Teilnahme haben und die das Sharing leben und davon profitieren wollen.

Unternehmen, die versuchen ihre alten Prozesse von Angebot und Verhandlung per Telefon und Fax, auf der Basis von höchst individuellen Verträgen auf unsere Plattform zu übertragen, werden vermutlich erkennen, dass flexiblere und strukturierter arbeitenden Plattform-Teilnehmer ihnen voraus sind. Wir glauben auch, dass das nichts mit der Größe eines Unternehmens zu tun hat. Ziel der Plattform ist ja gerade, dass jeder seine Überträge ausspielen und seine Defizite eliminieren kann.

Wie seid ihr auf den ShareBW-Wettbewerb aufmerksam geworden und wie habt ihr die Teilnahme erlebt?

Wir interessieren uns seit langem für Sharing und Peer-to-peer-Lösungen – in allen Bereichen, sei es wenn es um gemeinsames Arbeiten an Dokumenten oder das Teilen von Ressourcen geht. Und da haben wir den ShareBW-Wettbewerb natürlich auch verfolgt. Die Gewinnerteams haben tolle Ideen, die uns inspirieren. Für uns als Team war es spannend, gemeinsam am Konzept zu arbeiten und wir haben uns riesig gefreut zu den Gewinnern 2017 zu zählen.

Wie beurteilt ihr den aktuellen Stand der Share Economy in Deutschland?

Auch in Deutschland wird bereits viel geteilt, Wohnungen, Autos, Haushaltsgeräte, Gartenhilfen und so weiter. Trotzdem wird in Deutschland häufig mehr auf die Schattenseiten der Sharing Economy geschaut, auf die anstehende Disruption in der Taxibranche, die Umsatzeinbußen der Hotellerie, die Verknappung des Wohnungsmarktes in Städten oder die Selbstausbeutung der kleinen Leute.

Die Sharing Economy von heute hat tatsächlich nicht viel mit Romantik und Nächstenliebe zu tun. Es ist eben ein stückweit Ökonomie geworden. Luise Tremel, Historikerin von der Stiftung Zukunftsfähigkeit hat einmal gesagt, was Airbnb betreibe sei gar kein Teilen, sondern die Tatsache, dass Leute ihre Wohnungen kapitalisieren. Und damit hat sie natürlich Recht – unabhängig davon, welche Motive dahinterstecken.

Was muss passieren, damit noch mehr Menschen das Prinzip „Teilen statt Haben“ verinnerlichen?

Die Akzeptanz von Sharing-Angeboten steigt unserer Meinung nach proportional zu ihrer Verbreitung. Das zeigt sich zum Beispiel daran, dass viele Arbeitgeber mittlerweile eine AirBnB-Rechnung bei einer Dienstreise genauso akzeptieren wie eine herkömmliche Hotelrechnung. Das liegt aber auch daran, dass es Lösungen geben muss, die schnell, sicher und unkompliziert eine Buchung ermöglichen. Niemand nutzt Sharing-Angebote, wenn die Verwendung mit einem hohen Aufwand verbunden ist oder Unsicherheit besteht. Je schneller und einfacher Transaktionen vollzogen werden können, desto mehr Menschen kann man davon überzeugen Ressourcen effizienter einzusetzen. Auf diese Weise wird Sharing langsam zum Alltag, zu einer ganz normalen Alternative.

In welchen anderen Bereichen greift ihr – auch im privaten Bereich – auf Sharing-Angebote zurück?

Wir nutzen selbst ebenfalls Sharing-Angebote, wir übernachten zum Beispiel öfters in AirBnB-Wohnungen oder wenn es möglich ist, nutzen wir Fahrdienste wie Uber oder Lyft. Und wir arbeiten natürlich viel mit Cloud- und Peer-to-peer-Lösungen.

Kommen wir zum Abschluss noch einmal zurück zu V-INDUSTRY: Welche Veränderungen stehen – nach dem Sieg beim ShareBW-Wettbewerb – in den kommenden Monaten bei euch an?

Wir wollen unser Unternehmen gründen und dadurch auf feste Füße stellen. Und wir wollen die Aufmerksamkeit nutzen, um mit vielen Unternehmen sprechen und sie zu Pilotpartnern zu machen. Bei unserer Idee ist es wichtig, möglichst viele Erfahrungen zu sammeln und uns in die Kundenperspektive hineinzuversetzen. Wir wollen verstehen, wie die Unternehmen ticken und welche Vorbehalte sie gegenüber unserer Lösung haben könnten. Nur so können wir sie von den Vorteilen, die V-INDUSTRY bietet überzeugen.

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