Die Corona-Pandemie stellt viele Wirtschaftszweige vor enorme Herausforderungen. Besonders hart trifft die Krise dabei vor allem die Sharing Economy, eine Branche, die von sozialen Kontakten lebt. Ein Kommentar.

„Teilen statt Haben“ – nichts beschreibt den Grundgedanken der Sharing Economy besser, als diese drei Worte. Es geht darum, die immer knapper werdenden Ressourcen auf unserem Planeten effizienter zu nutzen. Zum Vorteil von uns allen – und den Generationen, die nach uns folgen. Aus individuellem Konsum wird „Collaborative Consumption“, also gemeinsamer Konsum.

Das wohl prominenteste Geschäftsmodell, das die Sharing Economy in den vergangenen Jahrzehnten hervorgebracht hat, ist das Car Sharing. Anstatt sich ein Auto zu kaufen, das ohnehin die meiste Zeit vom Tag ungenutzt auf einem Parkplatz steht, teilt man sich ein Fahrzeug mit anderen. Das kann in Form von Anbietern wie Stadtmobil passieren, aber auch mittels Ride Sharing, wie es beispielsweise Uber anbietet. Durch Car Sharing werden Autos effizienter genutzt und ihre Gesamtzahl im Straßenverkehr reduziert. Das wiederum schafft mehr Platz in unseren Innenstädten für Radfahrer und Fußgänger. Zumindest in der Theorie.

Das Prinzip lässt sich auf viele Bereiche übertragen: Bei Airbnb werden Wohnungen geteilt, bei WeWork Büros, andere Anbieter haben sich auf Werkzeuge, Lagerräume oder gar Luxusuhren spezialisiert.

Allen gemein ist, dass die Corona-Krise ihnen nicht nur die Geschäftsgrundlage entzogen hat, sondern auch die mit der Sharing Economy einhergehenden Probleme offenbart.

Krise offenbart die Probleme der Sharing Economy

Das in der Sharing Economy nicht alles Gold ist, was glänzt, ist bekannt. Allerdings hat erst die Corona-Krise dazu geführt, uns allen das tatsächliche Ausmaß vor Augen zu führen.

Eindrücklich ist etwa die Geschichte eines Airbnb-Hosts in Kalifornien, der in prominenter Lage gleich mehrere Objekte dauerhaft über die Plattform vermietet hatte. Dass er damit – wie viele andere bei Airbnb – gegen geltendes Recht verstößt, sei mal dahingestellt. Wesentlich interessanter ist, dass ihm keines der Objekte im Wert von mehreren Millionen US-Dollar tatsächlich gehörte, sondern er selbst nur Mieter war. Erst als die Airbnb-Reisenden ausblieben und er deshalb selbst die Mieten für mehrere Wohnungen nicht mehr aufbringen konnte, flog die Sache auf.

Auch beim Ride Sharing sorgt die Corona-Pandemie nicht nur für massive Umsatzeinbußen, sondern macht der Gesellschaft auch die sozialen Folgekosten dieser Dienste deutlich. Denn für einen Uber- oder Lyft-Fahrer gibt es keine Kurzarbeit – und auch keine Kündigungsfristen oder gar eine Arbeitslosenversicherung. Mit Einsetzen der Krise standen vielen von ihnen von einem Tag auf den anderen vor den Scherben ihrer Existenz.

Ein Umdenken wird aber auch auf Ebene der großen Kapitalgeber stattfinden. So hat beispielsweise erst im vergangenen Jahr der japanische Großinvestor Softbank das auf Co-Working spezialisierte Start-up WeWork mit Milliardenkrediten gerettet. Das Problem an der Sache: Durch die Corona-Pandemie haben sich die meisten Unternehmen und Selbstständigen schlagartig ins Home Office zurückgezogen – und ihre Kurzzeit-Mietverträge, die oft von Monat zu Monat laufen, gekündigt. Die Mietverträge von Anbietern wie WeWork für Büroflächen in bester Lage laufen zum Teil jedoch 15 Jahre und mehr. So kommt bereits nach wenigen Wochen das Geschäftsmodell einer ganzen Branche ins Wanken.

Sharing Economy: Was, wenn niemand mehr teilen will?

Die Corona-Krise birgt für die Sharing Economy aber noch ein weitaus elementareres Risiko: Sie stellt das Geschäftsmodell generell infrage.

Schon jetzt gehen Beobachter davon aus, dass viele Firmen durch die mit der Pandemie verbundenen Auflagen erkannt haben, dass das Home Office für sie und ihre Mitarbeiter durchaus Chancen bietet. Wozu also noch teure Co-Working-Büroflächen mieten, wenn die Hälfte der Mitarbeiter von zu Hause aus ebenso produktiv arbeitet? Wozu mit dem Uber zum Termin im benachbarten Stadtteil fahren oder ein Airbnb zum Übernachten vor dem nächsten Meeting anmieten, wenn sich alles in einer Videokonferenz klären lässt?

Seit Beginn der Krise ist der Umsatz von Car Sharing-Anbietern zum Teil um 50 Prozent und mehr zurückgegangen – unter anderem auch deshalb, weil geteilte Mobilität mit einem höheren Infektionsrisiko in Verbindung gebracht wird. Das „eigene Auto“ und das „eigene Fahrrad“ sind plötzlich wieder so gefragt wie nie.  Der Trend geht weg vom Sharing hin zum Social Distancing.

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Frank Feil
Frank Feil, Jahrgang 1986, berät und schult regionale sowie überregionale Unternehmen in den Bereichen Social Media und Corporate Publishing. Zudem ist er als freier Autor tätig. Schon von Kindesbeinen an fasziniert ihn alles, was mit Technik und dem Internet zu tun hat. Seit 2006 ist er als Blogger und Community Manager im Netz unterwegs.