Nachdem das frühere CyberLab-Team hinter der Spieleschmiede Kolibri Games sich aus dem Unternehmen zurückgezogen hat, sind drei der Gründer als Business Angels aktiv – und haben jüngst in den CyberLab-Alumnus Kamedi investiert. Wie es dazu kam, verrät uns Janosch von Kolibri Games im Interview.

Hi Janosch! Für diejenigen, die dich noch nicht kennen: Kannst du dich kurz vorstellen und uns ein paar Worte zu deinem bisherigen Stationen erzählen?

Ich bin Janosch und habe am KIT in Karlsruhe Wirtschaftsingenieurwesen studiert. Wir hatten während unserer Studienzeit eigentlich schon immer Ideen für Projekte, die mehr oder wenig gut geklappt haben – bis wir schließlich eine App entwickelt haben. Schon damals waren wir im Cyberlab, zwar nicht als offizielles Team, aber wir hatten die Chance, andere Leute kennenzulernen und Kontakte zu knüpfen. Der Durchbruch gelang uns schließlich im Bereich Mobile Gaming. Ab diesem Zeitpunkt saßen wir dann auch ganz offiziell im CyberLab und haben unsere Firma Kolibri Games aufgebaut – bis es uns schließlich nach Berlin verschlagen hat. Inzwischen arbeiten 140 Leute für das Unternehmen.

Lass uns auf deine Zeit in Karlsruhe zurückblicken. In eurem Eintrag beim CyberForum e.V. heißt es: „Im Herzen Karlsruhes gelegen, sind wir ein junges und lebendiges Mobile-Gaming-Studio, das anstrebt, den Spieler so stark in den Mittelpunkt zu stellen wie niemand bisher.“ – wie hast du persönlich die Zeit in Karlsruhe sowie die hiesige Gründerszene in Erinnerung?

Ich bin in Süddeutschland aufgewachsen und mir war früh klar, dass ich etwas Technisches studieren will. Im Bereich Wirtschaftsingenieurwesen gab es nur wenige sehr gute Hochschulen – und so viel meine Wahl auf das Karlsruher Institut für Technologie. Ich habe acht Jahre lang in der Fächerstadt gelebt und es war durchweg eine tolle Zeit. 

Besonders positiv ist mir dabei die ganze Unterstützung in Erinnerung geblieben, die mir als Gründer zuteil wurde. Egal, ob CyberForum, CyberLab oder PionierGarage – es gibt in Karlsruhe einfach unglaubliche viele Initiativen und Einrichtungen, die Start-ups supporten. Die Community in Karlsruhe ist familiär. Man kennt sich einfach. Wenn man Fragen hat, findet man immer jemanden, der helfen kann. Während unserer Zeit dort, hat uns jeder eine Chance auf ein Treffen und einen persönlichen Austausch gegeben.

Es war letztendlich dieses gründerfreundliche Umfeld, das uns immer wieder dazu motiviert hat, neue Dinge auszuprobieren. Und so sind wir letztendlich auch ins CyberLab gekommen – und das obwohl Mobile Gaming zum damaligen Zeitpunkt noch exotisch war und wir im ersten Anlauf gescheitert waren. 

Was macht aus deiner Sicht Karlsruhe als Digitalstandort – gerade mit Blick auf Gründungen – so besonders? Gibt es Dinge, die du nach eurem Umzug nach Berlin vermisst hast?

Im Endeffekt ist Karlsruhe die kleinere Stadt – mit allen Vor- und Nachteilen. Wenn man in Karlsruhe was Tolles macht, gibt es eventuell zwei bis drei ernstzunehmende Konkurrenten dem Bereich. Anders ausgedrückt: Egal, um was es geht, sei es nun Recruiting oder Marketing, man gehört immer zu den Top 3. In einer Stadt wie Berlin gibt es dagegen sehr viele Player, die häufig auch größer oder besser sind. Der Abwerbedruck ist dadurch deutlich höher. Das merkt man schon beim Blick auf die Mitarbeiterfluktuation.

In Retrospektive hätte es für uns zum Starten keine bessere Stadt gegeben, als Karlsruhe. Gerade für Start-ups sind die Nähe zur Wirtschaft, Wissenschaft und Verwaltung sowie das offene und kreative Umfeld einfach perfekt.

Janosch von Kolibri Games
Janosch Sadowski ist einer der Gründer von Kolibri Games und war bei der Investition in Kamedi im Lead.

Nachdem ihr bereits 2020 75 Prozent von Kolibri Games an Ubisoft verkauft habt, seid im im Frühjahr 2021 endgültig aus eurem Unternehmen ausgestiegen. Seither beteiligt ihr euch mit eurer eigenen Investment-Firma an vielversprechenden Tech- und Internet-Startups. Warum habt ihr euch dazu entschlossen, den Wandel vom Gründer zum Investor zu vollziehen?

Im Prinzip hatten wir bei Kolibri Games alles erreicht, was wir uns vorgestellt hatten. Eigentlich  noch viel mehr. Wir hatten tolle Spiele entwickelt, die täglich von Millionen Nutzern gespielt werden. Und wir hatten uns mit Ubisoft einen strategischen Partner ins Boot geholt, bei dem wir wussten, dass unser Unternehmen gut aufgehoben ist. Nachdem wir gesehen haben, dass alles klappt, haben wir uns aus dem operativen Geschäft zurückgezogen, sind jedoch noch engagierter Minderheitsgesellschafter.

Dann kam die Frage: Was machen wir als Nächstes? Zugegeben, es hat uns schon in den Fingern gejuckt, gleich wieder etwas Neues zu gründen. Aber wir haben uns dann dazu entschlossen, vorerst andere Start-ups in ihrer Gründungsphase zu unterstützen. Uns haben auf unserem Weg so viele Leute geholfen – und wir fanden es war an der Zeit, etwas zurückzugeben.

Als Investoren ist unser Team hier in Berlin jetzt natürlich deutlich kleiner und umfasst weniger als zehn Personen.

Einer eurer ersten Invests führte euch sozusagen zurück in die alte Heimat: Im März habt ihr in den CyberLab-Alumnus Kamedi investiert. Wie kam es dazu und warum hat euch gerade dieses Startup so überzeugt?

Wir haben die Karlsruher Start-up-Community ja nie ganz aus den Augen verloren und kannten Kamedi schon länger. Zumal ich die Problematik mit den Stichen aus persönlicher Erfahrung kenne und die Lösung des Start-ups perfekt fand.

Also haben wir uns über mehrere Monate mit den Gründern ausgetauscht und uns angeschaut, wie weit sie schon sind. Von außen ist das immer schwierig zu beurteilen. Nachdem wir dann aber einen tieferen Einblick hatten, war für uns klar, dass wir bei Kamedi investieren.

Kamedi ist ein Start-up, das in der Karlsruher Community als sehr technisches Team optimale Voraussetzungen gefunden hatte. Jetzt arbeiten wir gemeinsam daran, das Unternehmen auf die nächste Stufe zu heben. Für uns ist es super spannend, mit dabei zu sein – und das Team von Kamedi auf ihrem Weg zu begleiten.

Welche Tipps kannst du angehenden Gründer*innen mit auf den Weg geben?

Tatsächlich gibt es eine Sache, die man nicht oft genug betonen kann, weil sie aus meiner Sicht super wichtig ist: Seid schnell am Markt. Es bringt nichts, mehrere Jahre an einer Idee im stillen Kämmerlein zu arbeiten, nur um dann festzustellen, dass sie vom Markt nicht angenommen wird. Man kann nur herausfinden, ob eine Sache funktioniert oder nicht, wenn man sie auf den Markt bringt.

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Frank Feil, Jahrgang 1986, berät und schult regionale sowie überregionale Unternehmen in den Bereichen Social Media und Corporate Publishing. Zudem ist er als freier Autor tätig. Schon von Kindesbeinen an fasziniert ihn alles, was mit Technik und dem Internet zu tun hat. Seit 2006 ist er als Blogger und Community Manager im Netz unterwegs.