Mal wieder dicke Luft am Arbeitsplatz? Kein Wunder – in Innenräumen ist die Luft häufig bis zu fünffach so stark belastet wie außerhalb. Was hilft: Fahrverbote und Fenster aufreißen. Beides ist nur bedingt machbar. Was immer geht, sind Luftreiniger aus Moos. Die nachhaltigen Mozz Luftreiniger filtern Schadstoffe aus der Luft, befeuchten diese und verbessern das Raumklima spürbar. Das Karlsruher Schüler-Startup erhielt für diese Idee jetzt den CyberChampion Award 2022.

Ariane Lindemann spricht mit Abiturient Liam Kastner über die Wunderwaffe Moos.

Herrscht in Büros wirklich so dicke Luft?

In der Regel schon. Feinstaubbelastung in Innenräumen generell wird oft unterschätzt. Sie ist in vielen Fällen fünfmal so hoch wie draußen. Wenn man sich überlegt, dass man rund acht Stunden in einem Büro verbringt, geht das in einen gesundheitlich sehr bedenklichen Bereich.

Deine Idee: Moos als Luftfilter.
Wie funktioniert das?

Der Luftfilter Mozz filtert 40 Prozent des Feinstaubes aus der Luft und macht die Luft damit frischer. Verschiedene Sensoren messen kontinuierlich das Umgebungslicht, die Luftqualität sowie den Wasserstand des Moosfilters. Sinkt der Wasserstand, veranlasst ein Mikroprozessor automatisch die Bewässerung des Filters. Es ist eine Verbindung von Technik mit der Pflanzenwelt.

Warum gerade Moos?

 Das Besondere an Moos ist: Es hat keine Wurzeln, sondern Zellfäden. Durch diese nimmt es Feinstaub aus der Luft auf, von dem es sich ernährt. Es gibt rund 2.000 Moosarten. Wir verwenden ein ganz bestimmtes Moos, das Feinstaub besonders gut filtert, wie Messungen bei Jugend forscht ergeben haben.

Welche Schadstoffe filtert Mozz aus der Luft?

Mozz filtert Feinstaub, Pollen und Schimmelsporen aus der Luft.

Was muss ich selbst tun?

Regelmäßig wässern und alle acht Monate den Filter austauschen.

Wo kommt das Moos her?

Ein Mooszüchter stellt das Moos eigens für Mozz her.

Ist Moos die einzige Pflanze mit luftreinigender Wirkung?

Efeu hat zum Beispiel auch eine luftreinigende Wirkung. Aber Messungen haben ergeben, dass Moos dreifach so effizient ist.

Was ist der Vorteil gegenüber Mooswänden, die an vielen Stellen bereits eingesetzt werden?

Die Mooswände können Feinstaub nicht aktiv filtern, da sie aus konserviertem Moos bestehen. Häufig wird auch sogenanntes Island Moos verwendet, was eigentlich gar kein Moos ist, sondern eine Flechte. Es gibt auch eigentlich auf dem Markt keine Wände mit lebendigem Moos. Dadurch, dass die Luft gezielt über die Moosspitzen geleitet wird, ist die Filterung bei Mozz nochmal deutlich effizienter, wie Messungen zeigen.

Was ist der Unterschied zu herkömmlichen Luftfiltern?

Mozz kommt ohne Kunststoffe und ohne Chemie aus. Die Filter von herkömmlichen Luftreinigern sind meist aus Kunststoff und werden über den Hausmüll entsorgt. Mozz kommt dagegen in den Biomüll.

Für welche Raumgröße reicht ein Mozz?

 Mozz ist, auch von der Größe her, ideal für einzelne Arbeitsplätze oder auf Konferenztischen, zum Beispiel auf dem Schreibtisch, weil man dort in der Regel die meiste Zeit verbringt und dort sollte das Raumklima gut sein.

Zielgruppe sind in erster Linie Unternehmen?

Ja, das liegt vor allem daran, dass hier ein hoher Bedarf besteht, weil meistens mehrere Arbeitsplätze ausgestattet werden. Mittlerweile haben sich bereits 230 Unternehmen in unsere Interessentenliste eingetragen. Gerade bekam ich eine Anfrage von einer Firma aus Leipzig, die nachhaltige Container baut und Mozz gerne einsetzen würde.  Außerdem stehe ich mit einem Händler für Luftreiniger in Kontakt, der Mozz über seine Plattform vertreiben möchte.

Wie gehst du auf Unternehmen zu?

Ich möchte kostenfreie Vorher-Nachher-Luftmessungen anbieten um zu zeigen, wie schlecht die Raumluft ist. Den Mozz lassen wir für einen gewissen Zeitraum vor Ort, um ein gutes messbares Ergebnis zu haben. Durch diverse TV-Auftritte sind viele auf Mozz aufmerksam geworden und haben sich in die Interessentenliste eingetragen.

Wie oft muss das Moos gewechselt werden?

Alle acht Monate muss das Moos ausgetauscht werden. Ab dem Zeitpunkt kann nicht mehr garantiert werden, dass Feinstaub in der maximalen Menge aufgenommen wird.

Was kostet Mozz?

Der Preis liegt bei 200 Euro pro Gerät, je nach Abnahmemenge entsprechend weniger.

Worauf wartest du noch?

Mozz ist seit Anfang des Jahres bei diversen Unternehmen im Test. Im Rahmen dieser Tests wollen wir herausfinden, welche zusätzlichen Features in unseren MVP noch integriert sein sollten. Das nächste Ziel ist, das finale Produkt fertigzustellen. Vor allem die Bewässerung wird noch einmal überarbeitet. Danach ist die CE-Zertifizierung geplant und erste Verkäufe zu erzielen.

Wie kommt man als Schüler mitten im Abi auf eine solche Idee?

 Ich habe mich immer schon gerne mit Persönlichkeiten, wie Steve Jobs, oder Elon Musk beschäftigt, die mit ihren technischen Produkten den Alltag der Menschen verbessern und damit die Welt ein bisschen besser machen. Mit Mozz hat es sich dann so ergeben, weil ich gelesen hatte, dass Moos Feinstaub filtern soll. Ich dachte mir, warum das nicht im Innenraum anwenden, wo wir doch die meiste Zeit des Tages verbringen. Ich habe dann in meiner Werkstatt im Keller einfach mal drauflosgebaut und habe das Ganze in den letzten Jahren entwickelt.

Momentan bist du noch eine One-Man-Show. Wie schulterst du das?

 Nicht ganz einfach. Ich bin immer auf der Suche nach einem Co-Founder vor allem für den Bereich Business-Development. Bisher war noch nichts dabei, was harmoniert hat. So lange mache ich es allein oder eben auch mit der Unterstützung von den Campus Founders oder dem CyberLab.  Hier nach Feedback zu fragen, das hilft viel weiter.

Was war dein größtes Learning im CyberLab Accelerator?

Das CyberLab wurde bei Jugend gründet auf mich aufmerksam, wo ich den 3. Platz gemacht habe. Der größte Profit ist der Austausch. Ich hatte keine Erfahrung bei der Entwicklung eines Hardware-Produkts, das man designen muss. Durch das Netzwerk hat man immer Leute, die man fragen kann und die einen unterstützen und wertvolle Tipps geben können.

Wie kriegst du Schule und Mozz unter einen Hut?

Das ist wirklich eine Herausforderung. Ich lege die meisten Termine auf den Nachmittag. Wenn das nicht geht – im November wurde ich zum Beispiel vom Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz nach Berlin eingeladen, weil sie mich im Rahmen der Startup-Woche auszeichnen wollen – werde ich dann auch freigestellt.

Treffen Abi und Markteintritt nächstes Jahr zusammen?

Markteintritt ist erst nach dem Abi geplant. Mein Ziel ist auf jeden Fall, ein gutes Abitur hinzukriegen.

Und danach – Entrepreneur oder Studium?

Erst mal möchte ich bei Mozz weitermachen.