Die Europäische Kommission hat Ende Oktober 2013 eine Expertengruppe eingesetzt, die sichere und faire Bedingungen für Cloud-Computing-Verträge ausarbeiten soll – die EuroCloud.

An den Vorteilen des Cloud Computing gibt es nichts zu rütteln. Auch wenn die aktuelle NSA-Debatte die Vorbehalte in den Fokus rückt, ist das nur eine Momentaufnahme. Auf lange Sicht wird sich die Cloud durchsetzen. Die Technologie ist nicht nur im Interesse der Wettbewerbsfähigkeit von kleinen und mittelständischen Unternehmen, sie hat vor allem eine starke von volkswirtschaftlichen Interessen geprägte Lobby. So hat die Europäische Kommission Ende Oktober eine Expertengruppe eingesetzt, die sichere und faire Bedingungen für Cloud-Computing-Verträge ausarbeiten soll – die EuroCloud. Dabei sollen bewährte Verfahren dazu ermittelt werden, wie den Bedenken von Verbrauchern und kleinen Unternehmen Rechnung getragen werden kann, die aufgrund vager Vertragsbestimmungen oftmals zögern, Cloud-Computing-Dienstleistungen in Anspruch zu nehmen.

Die EU macht aus ihren Bestrebungen keinen Hehl: „Die Einsetzung der Expertengruppe ist Teil der Bemühungen der Kommission, das Vertrauen in Cloud-Computing-Dienste zu stärken und ihr Potenzial zur Dynamisierung der Wirtschaftsproduktivität in Europa freizusetzen“, so der Wortlaut der entsprechenden Pressemitteilung. Man geht in Europa davon aus, dass die vollständige Nutzung der Vorzüge des Cloud-Computing bis 2020 die Schaffung von 2,5 Millionen neuen Arbeitsplätzen in Europa und eine jährliche Steigerung des Bruttoinlandsprodukts der EU von zirka 1 Prozent bewirken könne, so Viviane Reding, die für Justiz zuständige Vizepräsidentin der Europäischen Kommission.

Ausarbeitung neuer Strategien der EuroCloud

Die Cloud-Computing-Strategie der Kommission umfasst vier Schlüsselaktionen:

  • Lichten des Dschungels aus technischen Normen, damit Cloud-Nutzer in den Genuss von Interoperabilität sowie Datenübertragbarkeit und -umkehrbarkeit kommen;
  • Unterstützung EU-weiter Zertifizierungsprogramme für vertrauenswürdige Cloud-Anbieter;
  • Ausarbeitung sicherer und fairer Muster-Vertragsbedingungen für das Cloud-Computing, einschließlich Leistungsvereinbarungen (SLA);
  • Schaffung einer Europäischen Cloud-Partnerschaft mit den Mitgliedstaaten und der Branche, um die Nachfragemacht des öffentlichen Sektors (20 Prozent aller IT-Ausgaben) nutzbar zu machen.

Der Expertengruppe für Cloud-Computing gehören Vertreter von Cloud-Diensteanbietern, Verbrauchern, KMU sowie Wissenschaft und Rechtsberufen an. Der Bericht der Gruppe wird im Frühjahr 2014 erwartet. Der Beitrag der Gruppe wird in ein Grundsatzpapier einfließen, mit dem eine breite öffentliche Konsultation über mögliche Weiterentwicklungen von Cloud-Computing-Verträgen für Verbraucher und KMU gestartet werden soll.

Die Ziele sind klar: Europa will beim Cloud Computing eine wichtige Rolle spielen und Weltmarktführer in Sachen Datenschutz und Sicherheit werden. „Das Cloud-Computing ändert die Spielregeln in unserer Wirtschaft“, sagt Vizepräsidentin Neelie Kroes. „Ohne Eingreifen der EU werden wir in starren nationalen Systemen verharren und wirtschaftliche Vorteile in vielfacher Milliardenhöhe verschenken. Wir müssen eine kritische Masse erreichen und brauchen ein einheitliches Regelwerk für ganz Europa.“ Gemeint ist damit aber auch eine Ausgrenzung von Anbietern aus den USA und anderen Ländern, deren Datenschutz als kritisch eingestuft wird.

Cloud Computing ist schon längst nicht mehr nur eine Frage der Technik – es ist ein Politikum.

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