Der Einsatz von Cloud Computing steigt bei Unternehmen immer weiter an. Treiber sind vor allem kleine und mittlere Unternehmen, die ihre Zurückhaltung nach der Geheimdienstaffäre offenbar aufgegeben haben.

Zum Jahresauftakt hat Mario Ohoven, Präsident des Bundesverbandes mittelständische Wirtschaft (BVMW) bereits die Marschrichtung vorgegeben: „2016 muss für den Mittelstand das Jahr des digitalen Durchbruchs werden.“ Zwar hatten die Snowden-Enthüllungen vor zwei Jahren vor allem mittlere Unternehmen in ihrer Zurückhaltung bestätigt, ein weiteres Verharren ist aber mit Blick auf den internationalen Wettbewerb keine Option. Um so erfreulicher klingt daher eine aktuelle Umfrage des Digitalverbands Bitkom, die erstmals bei einer Mehrheit der Unternehmen in Deutschland (54 Prozent) eine Nutzung von Cloud-Angeboten feststellt. Ein Jahr zuvor waren es noch 44 Prozent.

Der starke Anstieg der Nutzung ist laut Umfrage fast ausschließlich auf kleinere und mittlere Unternehmen zurückzuführen. So stieg die Cloud-Nutzung in Unternehmen mit 100 bis 1.999 Mitarbeitern um 7 Prozentpunkte auf 62 Prozent im Jahr 2015 und in Unternehmen mit 20 bis 99 Mitarbeitern sogar um 11 Punkte auf 52 Prozent. Bei Unternehmen ab 2.000 Mitarbeitern legte die Nutzung auf vergleichsweise hohem Niveau nur um einen Punkt auf 69 Prozent zu. „Der Mittelstand hat seine Zurückhaltung beim Cloud Computing endgültig abgelegt“, erklärt Axel Pols, Geschäftsführer von Bitkom Research. „Das vergangene Jahr markiert den Durchbruch für Public Cloud Computing in der deutschen Wirtschaft.“

Cloud Computing
Umfrage von Bitkom Research im Auftrag der KPMG AG unter 457 Unternehmen (Quelle: Bitkom)

Konsequenzen aus der Geheimdienstaffäre

Vor allem die großen US-Cloud-Anbieter hätten nach der Geheimdienstaffäre auf die Sicherheitsbedenken der Anwender reagiert. „Viele Cloud-Provider haben massiv in die Sicherheit investiert und Rechenzentren in Europa und speziell in Deutschland aufgebaut“, sagte Peter Heidkamp, Partner und Head of Technology bei KPMG. Damit sei gewährleistet, dass Daten im Rechtsgebiet der Europäischen Union bleiben.

Die am weitesten verbreitete Public-Cloud-Anwendung ist laut Umfrage Büro-Software:

  • 43 Prozent der befragten Unternehmen nutzen über das Internet zum Beispiel Textsysteme, Tabellenkalkulation oder Programme zur Erstellung von Präsentationen.
  • 35 Prozent setzen so genannte Groupware mit Funktionen wie E-Mail, Messenger oder Kalender ein,
  • 34 Prozent branchenspezifische Anwendungen und
  • 30 Prozent Software für die Organisation von Arbeitsgruppen (Collaboration Tools).
  • Immerhin 29 Prozent nutzen spezielle Sicherheitsanwendungen unter dem Stichwort Security as a Service über das Internet.

Sicherheitsbedenken größtes Hindernis

„Wir sind in Deutschland vielleicht zurückhaltender als in anderen Ländern. Dennoch zeigt sich schon jetzt, dass Cloud-Lösungen mehr und mehr genutzt werden“, sagt auch Béla Waldhauser, Leiter der Eco Kompetenzgruppe Datacenter Infrastruktur. Aktuell liege der Fokus der Nutzung auf verschiedenen Anwendungen im Bereich SaaS oder um Spitzenlasten abzudecken im Bereich IaaS. Der Siegeszug der Cloud sei aber auch in Deutschland nicht mehr aufzuhalten, so Waldhauser.

Trotz des kräftigen Anstiegs bei der Public-Cloud-Nutzung sind Sicherheitsbedenken weiter das größte Hindernis für einen intensiveren Einsatz der Technologie. Mehr als die Hälfte (58 Prozent) der befragten Unternehmen fürchten einen unberechtigten Zugriff auf sensible Unternehmensdaten und 45 Prozent einen Datenverlust. „Das Vertrauen der Anwender in die Sicherheit der Cloud-Services ist die wichtigste Voraussetzung für eine weitere Verbreitung“, sagt Heidkamp und gibt pro Cloud zu Bedenken: Gerade bei kleinen und mittleren Unternehmen könnten Cloud-Dienste ein höheres Sicherheitsniveau gewährleisten als eine Inhouse-Lösung.

Der vollständige Studienbericht ist abrufbar unter: www.kpmg.de/cloud

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