Mir wurde noch im Dezember 2016 ein interessantes Dossier zugespielt. Es behandelt ausführlich die Trends 2017 für die Segmente E-Commerce und Payment. Analysten von iBusiness zeigen auf, wie man beispielsweise in Zukunft online Geld verdienen wird. Und genau diese Analyse und damit die Trends des E-Commerce habe ich mir genauer angeschaut. Panikmache ist für online wie auch für offline zwar nicht angebracht; einen Grund für absolute Entspannung gibt es allerdings auch nicht. Eine Zusammenfassung.

Ich mag diese Art Dossiers ja. Auf knapp 14 Seiten darf der Leser in die Welt des E-Commerce eintauchen, ohne sich darin zu verlieren. Kurze und gut recherchierte Analysen zeigen auf, wie im Jahr 2017 digital verkauft wird. So schreibt etwa die Analystin Verena Gründel-Sauer, wie sich derzeit das größte Warensegment verändert. Warum gerade der Online-Fashionhandel weniger Wachstum generiert, gleichzeitig aber der stationäre Handel Marktanteile zurückerobert. Ihr Blick in die Glaskugel des Onlinehandels kratzt förmlich an der Realität. „Die kleinen Händler im stationären Handel sterben mehr und mehr aus. Sie geraten unter Preis- und Differenzierungsdruck, dem sie nicht standhalten können. Genauso haben es kleine Fashion-Onlineshops – Händler wie Labels – zunehmend schwer. Die kleinen Händler werden als Kistenschieber von der Bildfläche verschwinden, während sich kleine Markenhersteller Onlinemarktplätzen anschließen.“ Ihre Einschätzungen teile ich zu 100 Prozent, auch weil ich Befürworter der Händlerintegration bin. Kleine Händler werden es in Zukunft sogar noch schwerer haben. „Online wird der Modehandel vor allem aus den Marktplätzen, Generalisten, einigen Category-Killern wie Zalando und großen Shops von Markenartiklern oder vertikalen Händlern wie Zara oder H&M bestehen“, so die Analystin Gründel-Sauer weiter.

Umsatz des Fashionhandels: 60 Prozent noch immer offline

Wer jetzt allerdings glaubt, dass sich die Dame ausschließlich auf die digitale Wirtschaft gestürzt hat, irrt. Bereits auf Seite drei und vier setzt sie emotionslos Fakten gegenüber, die meines Erachtens eine Erwähnung wert sind. Zeigen sie doch, dass die Innenstädte noch nicht komplett ausgestorben sind. Und ja, es gibt noch Hoffnung.

Auch wenn derzeit 17 Prozent des Umsatzes in Fashion online generiert wird; satte 60 Prozent sollen auch weiterhin offline umgesetzt werden. Ausgeruht werden darf sich allerdings nicht: „Die Handelslandschaft im Modebereich dünnt sich offline sehr schnell aus. Aktuell können viele traditionelle Händler den Umsatzrückgang noch gerade so tragen. Aber ab einem kritischen Punkt lohnt sich ihr Geschäft nicht mehr. Und dieser kommt bei vielen immer näher.“ Liest sich weniger erfreulich, ist allerdings auch mit anderen Kennzahlen in Vergleich zu setzen. So sollen zehn Prozent der lokalen Händler sich gegen die Onlinewelt auch in Zukunft behaupten. Und der Trend wird weniger digital. „Schon jetzt informieren sich immer mehr Menschen online und kaufen dann im Geschäft vor Ort. Dieser Trend wird größer und stärkt den stationären Modehandel. Außerdem kommt es zu einer Gegenbewegung zum Onlinehandel. Vor allem junge Leute entdecken wieder mehr den Spaß am Einkaufen – auch weil die Einzelhändler innovative Konzepte entwickeln, die Shoppen zum Erlebnis machen. Das Mobiltelefon wird die wichtigste Verknüpfung zwischen beiden Kanälen“, sagt Gründel-Sauer weiter. Und sie hat Recht. Das Einkaufserlebnis rückt tatsächlich immer mehr in den Fokus. Stationäre Händler, die diesen Trend nicht verschlafen, werden sich auch in Zukunft über Kundschaft freuen. Speziell der mobile Aspekt wird in Zukunft ein Alleinstellungsmerkmal der Händler werden – „dadurch können die Kunden unter anderem Preise vergleichen. Die minimalen Preisvorteile online werden durch das Mehr an Service stationär und die sofortige Verfügbarkeit ausgeglichen.“

Zalando ist und bleibt der König

Im zweiten Teil geht die Autorin auf die Dominanz einzelner Händler ein. Geht es nach ihr, dominieren Umsatz-technisch tatsächlich noch immer die klassischen Händler – was mich persönlich natürlich freut. Bis auf einen: Die Otto Group ist als traditioneller Versandhändler auch der größte Textileinzelhändler Deutschlands. Im Onlinebereich wird es allerdings auch 2017 keine großen Überraschungen geben. „Zalando ist eindeutig der größte Treiber im Modehandel. Der Händler ist auch das einzige Unternehmen mit Online-DNA, das es in die Top 20 der größten Unternehmen im gesamten deutschen Textileinzelhandel geschafft hat“, so die Analystin. Neben Zalando wachsen adidas (26,6 Prozent), S.Oliver (22,7 Prozent), Peter Hahn (20,2 Prozent), Esprit (19 Prozent), Witt Weiden (18,3 Prozent), EMP (15,1 Prozent) und Asos (14,7 Prozent) überdurchschnittlich (Quelle: iBusiness). Aber speziell in Sachen Zalando und anderen großen Marktplätzen sind derzeit Händler dazu aufgerufen, sich gegebenenfalls mit den Pureplayern doch eine digitale Zukunft gemeinsam vorzustellen. Wer sich noch scheut, kann zumindest überlegen, ob er vielleicht auf einen Chief Digital Officer setzt. Er kann helfen, auch die letzten digitalen Hürden zu nehmen.

Anmerkung des Autors: Verteufeln bringt ja auch nichts.

Die aufgeführten Einschätzungen der Dame sind nur ein kleiner Teil der wirklich gut zusammengefassten Dokumentation. Viele Kennzahlen, viele Beispiele – das Dossier ist absolut lesenswert und sollte von E-Commerce-Interessierten gelesen werden. Viele Aussagen sind nicht überraschend; doch fördern sie meines Erachtens die richtige Einschätzung dem Markt gegenüber. Hier geht es zum E-Commerce-Teil des Dossiers (Anmeldung nötig) E-Commerce- und Payment-Trends 2017.

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