Bei der IT-Trans, der internationalen Konferenz und Fachmesse für intelligente Lösungen im öffentlichen Personenverkehr, ging es in dieser Woche drei Tage lang um die Mobilität der Zukunft. Die Fachwelt diskutierte unter anderem darüber, wie der Stadtverkehr der Zukunft gestaltet werden kann und wie Digitalisierung die Fahrgastinformation vereinfacht. Löst das eTicketing den klassischen Ticketautomaten ab? Und wird uns Künstliche Intelligenz Ratschläge für unsere nächste Reise geben? Rund 250 Aussteller aus mehr als 30 Ländern zeigten auf 15.000 Quadratmetern ihre neuesten Lösungen für den ÖPV. Zudem wurden in Sessions, Workshops und Präsentationen Empfehlungen für die praktische Umsetzung im öffentlichen Personenverkehr gegeben.

Ob zum Arbeitsplatz, zur Schule oder für den Kurzurlaub – jeder von uns nutzt gelegentlich den ÖPV. Für uns Kunden muss die Fahrt dabei bequem, sauber und ohne weitere Beschwerden, wie Verspätungen, sein. Die Verkehrsbetriebe selbst haben das Ziel Kunden zu binden und noch mehr Personen davon zu überzeugen, vom Auto auf den ÖPNV umzusteigen. Das ist auch ganz im Sinne der Umwelt, denn Luftverschmutzung betrifft gerade Großstädte und die EU macht Deutschland Druck wegen der hohen Luftbelastung. Fünf deutsche Modellstädte wollen deshalb bis Mitte März dem Umweltministerium Vorschläge für bessere Luftqualität machen. Auch sollen Strategien entwickelt werden, um Fahrzeughalter zum Umsteigen auf den öffentlichen Nahverkehr zu bewegen. Dazu gehört auch die Attraktivität des ÖPV zu steigern. In Estland beispielsweise ist der Nahverkehr für gemeldete Einwohner kostenlos und verringert in der Hauptstadt Tallinn Staus und Luftverschmutzung.

Lange Fahrtzeiten, Unpünktlichkeit und die mangelnde Flexibilität gelten bisher bei Autofahrern als Hindernisse beim Umstieg auf die „Öffis“. Es geht also darum Prozesse zu vereinfachen, um damit die Attraktivität des ÖPV zu steigern. Die Digitalisierung bietet dazu eine Vielzahl an Möglichkeiten. Drei Beispiele aus der Praxis.

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Wenn der Ticketkauf im Hintergrund abläuft: Der eTarif für Karlsruhe

Bereits heute profitieren wir als Kunden von Onlinetickets oder lassen uns in Echtzeit über die Ankunftszeit unserer Verkehrsmittel informieren. Doch Digitalisierung ist mehr als das. Vielmehr wirkt sie sich auf ganze Geschäftsmodelle der Verkehrsbetriebe aus. So muss sich der ÖPV im Zuge der Digitalisierung die Frage stellen, ob es Kunden gibt, die er mit der Entwicklung und Bereitstellung digitaler Lösungen besser anspricht. Ein Beispielprojekt für eine solche digitale und für den Verbraucher unkomplizierte Lösung ist der eTarif, der im Juni letzten Jahres vom Karlsruher Verkehrsverbund (KVV) für das Stadtgebiet Karlsruhe eingeführt wurde. Die Berechnung des Fahrpreises erfolgt dabei auf Basis der Luftlinie zwischen Einstiegs-und Zielhaltestelle. Der Nutzer muss sich dabei über die Smartphone-App „ticket to go“ anmelden, vor Fahrtbeginn „einchecken“ und nach der Fahrt wieder „auschecken“. Der Fahrtpreis wird dabei per Lastschriftverfahren beglichen und kostet niemals mehr als der reguläre Preis einer Fahrkarte.

Mit dem Smartphone zu mehr Barrierefreiheit

Der ÖPV ist für alle da. Dennoch ist Barrierefreiheit vielerorts noch keine Selbstverständlichkeit. Die Digitalisierung kann gerade für Menschen mit Handicap die Fahrt mit öffentlichen Verkehrsmitteln vereinfachen. So hat das Dortmunder Unternehmen GeoMobile mit ivanto eine Lösung für den flottenweiten Abbau von Barrieren entwickelt. ivanto ist ein Kommunikationsmodul, das in Fahrzeuge eingebaut wird. So können beispielsweise blinde und sehbehinderte Fahrgäste des Regionalverkehrs Ruhr-Lippe die mobile info App nutzen. Mit Vorlesefunktion, mobilem Internet und Bluetooth 4.0. wird das Smartphone zum Mobilitätsassistenten. Der Fahrgast muss dazu nur die gewünschte Fahrt auswählen, danach wird er sicher zur gewünschten Haltestelle geführt. Trifft die gewünschte Linie an der Haltestelle ein, wird sie in der App selbstständig angekündigt. Der Fahrgast kann mit Bluetooth über die App jederzeit mit dem Fahrzeug kommunizieren und so beispielsweise seinen Haltewunsch an das Fahrzeug senden oder Hilfe beim Einstieg anfordern. Blinde Fahrgäste können ein Tür-Auffinde-Signal beim Fahrzeug anfordern, welches den Fahrgast die letzten Meter bis zur Türe navigiert.

Ridesharing bringt das Verkehrsaufkommen von Städten in den Griff

Beim on-demand Ridesharing berechnet ein Algorithmus den schnellsten Weg zu den einzelnen Haltepunkten und zeigt ebenso die Fahrt-und Ankunftszeiten an (Bild: KMK/Behrendt & Rausch)

Ob zu Betriebsbeginn oder zum Feierabend: Die Rush Hour stellt gerade den ÖNPV der dichtbesiedelten Großstädte vor die eine oder andere Herausforderung. Hier spielen Alternativen, welche die öffentlichen Verkehrsmittel ergänzen und entlasten, eine wichtige Rolle. Angebote, wie der Fahrradverleih oder Carsharing sind Möglichkeiten, die heutzutage schon durchaus oft genutzt werden. Eine weitere Alternative könnte beispielsweise das „on –demand Ridesharing“ sein. Ganz passend dazu wurde auf der IT-TRANS ein solches Projekt gleich ausgetestet: Die moovel Group und der Karlsruher Verkehrsverbund (KVV) stellten für die Messetage der IT-TRANS einen kostenlosen Shuttlebus zur Verfügung. Das Besondere daran: Die Fahrgäste konnten ihre Fahrt über die „KVV.mobil“ App buchen und wurden dann mit einem Van an ihrem Standort abgeholt und zu ihrem Zielort gebracht. Einen klassischen Fahrplan mit Haltestellen gab es dabei nicht. Vielmehr wurden über 100 Haltepunkte im Stadtgebiet angefahren. An diesen Haltepunkten konnten dann, wenn Bedarf da war, weitere Fahrgäste einsteigen. Beim on-demand Ridesharing berechnet ein Algorithmus den schnellsten Weg zu den einzelnen Haltepunkten und zeigt ebenso die Fahrt-und Ankunftszeiten an. Der Algorithmus bezieht dabei auch Echtzeitdaten aus dem Straßenverkehr und dem ÖPNV-Netz mit ein.

Fazit: Die Digitalisierung bietet unglaublich viele Möglichkeiten für die Verkehrswirtschaft

Die diesjährige IT-TRANS zeigte eindrucksvoll, welche Vielzahl an Möglichkeiten die Digitalisierung dem ÖPV bietet. Die Verkehrsbranche macht sich in vielen Fällen intelligente Technologien jetzt schon zunutze. Die Ergebnisse für uns Fahrgäste sind dabei mehr Komfort, Flexibilität und Barrierefreiheit. Den ÖPV selbst macht dies für den Kunden attraktiver und wer weiß – vielleicht auch bald auch für denen einen oder anderen überzeugten Autofahrer.

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