Bargeld spielt in einigen Altersgruppen so gut wie keine Rolle mehr. Darauf müssen sich insbesondere Einzelhandel und Gastronomie einstellen, für die Mobile Payment inzwischen zum Must-have geworden ist. Ein Kommentar.

Deutschland gilt in der ganzen Welt als fortschrittliche Industrie- und Hightech-Nation. Nur beim Thema Bargeld verharrte das Land lange Zeit im finsteren Mittelalter. Schon vor über 15 Jahren machten sich internationale Gäste bei Veranstaltungen in Deutschland darüber lustig, dass sie vor der Abreise von ihren Unternehmen sogar per E-Mail darauf hingewiesen wurden, doch bitte Bargeld auf ihre Reise mitzunehmen, um Probleme zu vermeiden.

Und tatsächlich: Während man außerhalb Deutschlands sogar Cent-Beträge bei Imbissbuden problemlos bargeldlos bezahlen konnte, taten sich hierzulande selbst teure Restaurants und große Kaufhäuser lange Zeit schwer damit, bargeldlose Bezahlmöglichkeiten anzubieten.

Doch damit ist nun Schluss. Nicht unbedingt, weil ein Einsehen seitens des Handels stattgefunden hätte, sondern vielmehr, weil die Verbraucher*innen es zunehmend erwarten und einfordern.

9 von 10 Deutschen bezahlen inzwischen kontaktlos

Für die große Mehrheit der Menschen in Deutschland gehört das kontaktlose Bezahlen inzwischen zum Alltag: Von Juli bis September 2022 haben 9 von 10 (90 Prozent) mindestens einmal auf diese Weise im Laden an der Kasse bezahlt, die Hälfte (50 Prozent) nutzt diese Möglichkeit sogar mehrmals die Woche, wie eine repräsentative Umfrage im Auftrag des Digitalverbands Bitkom belegt. 9 Prozent bezahlen mehrmals täglich kontaktlos, 19 Prozent täglich und 22 Prozent mehrmals die Woche.

„Kontaktlos“ bedeutet in diesem Zusammenhang entweder per Smartphone, per Smartwatch oder mit NFC-fähiger Kreditkarte. Und dabei ist es keineswegs so, dass ausschließlich jüngere Menschen auf diese Bezahlarten zurückgreifen: Selbst unter den Senior*innen ab 65 bezahlt eine deutliche Mehrheit von 79 Prozent zumindest hin und wieder kontaktlos.

Kontaktloses Bezahlen
Kontaktloses Bezahlen ist in Deutschland inzwischen weit verbreitet. (Grafik: Bitkom Research)

Handel: Wer nicht mit der Zeit geht, geht mit der Zeit

Für Einzelhandel, Gastronomie sowie alle anderen Branchen mit direktem Kundenkontakt bedeuten die Ergebnisse der Umfrage vor allem eines: Wer noch auf Cash-only setzt, muss sich dringend den neuen Gegebenheiten anpassen. Ausdrücklich nicht damit gemeint ist die klassisch deutsche „Bargeldlose Bezahlung nur mit EC-Karte ab 10 Euro“-Lösung.

Wer in den kommenden Jahren am Markt bestehen will, muss elektronisches Bezahlen ermöglichen – egal, ob mit Visa, Mastercard, Apple Pay oder Google Pay. In den kommenden Jahren wird das Bargeld zunehmend aus unserem Alltag verschwinden und wer dann keine bargeldlosen Alternativen parat hat, wird auch keinen Umsatz mehr machen. Schon heute hat fast die Hälfte der Deutschen nur noch deshalb Bargeld dabei, weil sie Angst haben, irgendwo nicht bargeldlos bezahlen zu können. Zwei Drittel empfinden es demgegenüber als störend, wenn sie nicht elektronisch bezahlen können.

Die alten Argumente, dass bargeldloses Bezahlen sich nur umständlich mit teuren Geräten der großen Banken realisieren lässt, zieht längst nicht mehr. Inzwischen gibt es unzählige Anbieter, die mit günstigen und vor allem einfach zu bedienenden Terminals das kontaktlose Bezahlen zum Kinderspiel machen. Oft reicht schon ein Smartphone in Kombination mit einem fünf mal fünf Zentimeter großen Lesegerät.

Diese Möglichkeiten sollten Geschäfte nutzen. Denn, was früher schon galt, gilt auch heute noch: Wer nicht mit der Zeit geht, geht mit der Zeit.

Frank Feil, Jahrgang 1986, berät und schult regionale sowie überregionale Unternehmen in den Bereichen Social Media und Corporate Publishing. Zudem ist er als freier Autor tätig. Schon von Kindesbeinen an fasziniert ihn alles, was mit Technik und dem Internet zu tun hat. Seit 2006 ist er als Blogger und Community Manager im Netz unterwegs.