Dean Johnson, ehemaliger Vizepräsident der „Chartered Society of Designers“, ist Head of Innovation der Londoner Agentur „Brandwidth“ und arbeitet mit Unternehmen wie Toyota, Disney und Porsche zusammen. Seit 8 Jahren führt er seinen Blog activrightbrain, auf dem sich alles rund um die Themen Design, Technologie und Innovation dreht.

Dieses Jahr eröffnet Dean Johnson mit seiner Keynote „We are the Human Machine Interface“ den UX-DAY 2017 in Mannheim – eines der größten User Experience Events in Deutschland. Vom 09. bis 11. Oktober halten dort Referenten namhafter, internationaler Unternehmen Vorträge und Workshops zum Thema UX in E-Commerce, Marketing und Industrie 4.0. In einem Interview sprachen wir mit dem selbsternannten Futurologisten über Erlebnisse in der virtuellen Welt, grenzenlose Interaktion und Innovationen der Zukunft.

Wie kamst du dazu, bei Brandwidth zu arbeiten?

Ich kam vor über zehn Jahren als Creative Director zu Brandwidth, als sich die Firma kreativ und technologisch weiterentwickeln wollte, um das Business zu stärken. Brandwidth war zuvor ein Kunde meiner konzeptionellen Kreativagentur Fijit. Ich habe also eine sehr lange Beziehung zu Brandwidth und meine Rolle hat sich für mich positiv verändert.

Deine Tätigkeit in einem Tweet

Ich verbinde neue Trends und Unternehmen mit globalen Marken und etablierten Plattformen, um die Zukunft zu gestalten. Dann erzähle ich der Welt darüber.

Womit beschäftigst du dich aktuell am meisten? Woran arbeitest oder forschst du momentan?

Ich teile meine Zeit zwischen Design- und Technologieforschung auf, vernetze mich mit den Menschen hinter diesen Ideen und bringe meine Erkenntnisse und Meinungen darüber auf die Bühnen dieser Welt – dabei spielt es keine Rolle, ob das eine reale oder virtuelle Bühne ist! In den letzten zehn Jahren hatte ich das Glück, Brandwidths kreatives und technologisches Portfolio um Wearables, Hearables, Künstliche Intelligenz (KI), Gestural Technology, Internet of Things (IoT) und Virtual and Augmented Reality zu erweitern.

Wir arbeiten aktuell an einigen faszinierenden VR und AR Projekten, über die ich leider noch nicht sprechen darf, bis sie veröffentlicht werden (manche davon werden wahrscheinlich nie den Namen Brandwidth tragen). Außerdem arbeiten wir auch noch an unglaublich spannenden Projekten in Sachen Smart Home und Connected Car.

Die öffentlichste Initiative ist mein XR Immersion Suit, der VR, AR, Haptik, ein Exoskeleton, bionische Schuhe, einen Düsenantrieb und einen Flammenwerfer kombiniert. Das sind alles großartige Technologien, die die Vorteile einer Tech-Startup Kollaboration und das Auflösen der Grenzen zwischen UX und Development zeigen.

Was bedeutet der Name deines Blogs, „activrightbrain“, und wie kamst du darauf?

Da die rechte Gehirnhälfte das Nervenzentrum für Kreativität beinhaltet und bei mir primär aktiv ist (mehr als die linke Gehirnhälfte!), wollte ich einen Namen, der dies reflektiert, als ich meinen Blog vor mehr als acht Jahren gestartet habe. Wie so oft bestimmen entweder die Verfügbarkeit von URLs oder soziale Namenkonventionen das finale Ergebnis – bei mir war es in diesem Fall Letzteres. Active Right Brain hatte für Twitter einen Buchstaben zu viel, daher wurde meine neue ID @activrightbrain und das habe ich so für den Blog, Instagram, Facebook, Periscope und YouTube beibehalten.

Du bezeichnest dich selbst als Futurologist – was bedeutet das?

Für mich bedeutet das nicht, dass ich den Finger in die Luft strecke und dann weiß, was um die nächste Ecke kommt. Es bedeutet auch nicht, dass ich mich einer bestimmten wissenschaftlichen Methode der Zukunftsvorhersage verschrieben habe. Ich baue Beziehungen zu denjenigen Akteuren auf, die ziemlich sicher etwas bewegen werden: Startups und große Player wie Apple, Microsoft, Google und darüber hinaus. Diese Beziehungen, gemeinsam mit unseren Klienten und Markenpartnern, ermöglichen es uns bei Brandwidth, die Zukunft zu gestalten.

Ich stelle die Zukunft außerdem gerne in Frage und verändere Wahrnehmungen. Ich halte ein Publikum oft dazu an, innezuhalten und einen ernsten Blick auf seine Ziele und Glaubenssätze zu werfen. Warum sollte ein bestimmtes Stück Technologie erfolgreich sein und ein anderes wiederum scheitern? Warum sollten wir auf einem bestimmten Level der Interaktion oder des Designs aufhören, wenn wir doch etwas Besseres verdient hätten?

Du hast vor einiger Zeit ein Experiment gemacht, bei dem du zwei Tage in der virtuellen Realität verbracht hast. Wie hat sich das angefühlt?

Orientierungslos, schmerzhaft, ermüdend, aber absolut erfüllend! Wir haben uns bemüht, die Wahrnehmung von VR als Spielplattform zu ändern. Wir wollten außerdem die physikalischen Grenzen verändern, sodass Sarah Jones und ich zwei ganze Tage in VR „gelebt“ haben – inklusive schlafen, essen und sozialer Kontakte. Als wir diese Grenzen ausgetestet haben, haben wir Wing-Walking betrieben, sind Go-Kart gefahren und ich bekam mein erstes Tattoo, um zu testen, ob VR das Schmerzempfinden verringert. Und das hat es tatsächlich, ein bisschen zumindest!

Welche aktuelle Neuerung möchtest du unbedingt ausprobieren und testen?

Zeitreisen! Okay, etwas wahrscheinlicher wäre wohl Schwerelosigkeit kombiniert mit einer VR Erfahrung und haptischem Feedback.

Was denkst du, was erwartet uns in den kommenden Jahren bezüglich technischer Innovationen?

Es wird noch mehr Stimm- und Gestensteuerung sowie neue Formen der Unterhaltung geben, weil die verstärkte Automatisierung eine längere Bildschirmzeit beim Menschen mit sich bringen wird.

Lass uns über den UX-DAY 2017 in Mannheim reden. Du wirst die Keynote bei diesem Event am 10. Oktober halten – worüber wirst du sprechen?

Meine Keynote heißt „We are the Human Machine Interface“ und handelt davon, sich über den Bildschirm hinaus zu bewegen und die User-Interaktion in eine neue Welt zu bringen.
Wir haben uns von einer Welt der 72dpi, zu Verarbeitungsgeschwindigkeiten, Plug-Ins und Konnektivität zu hosentaschengroßen mobil optimierten Inhalten auf Retina Displays bewegt. Was passiert, wenn wir den Bildschirm entfernen und unser neues Publikum in eine Virtual- oder Augmented Reality Welt eintaucht? Wir betreten ein neues Zeitalter der Interaktion ohne Grenzen und der Wiedereinführung von physikalischem Input in digitale Domänen.

Ich schlage nicht nur kreative Lösungen für zukünftige Interaktionen vor – ich lebe sie! Angefangen mit meinem ersten Softwareunternehmen vor 30 Jahren, über das erste iPad und Apps für die Apple Watch, der Gestenkontrolle, holografische Projektionen in 3D, das Umwandeln eines ganzen TEDx Publikums in einen menschlichen Bildschirm bis hin zum Verbringen von 48 Stunden in der virtuellen Realität in meinem XR Immersion Suit: Es ging immer darum, die Grenzen herauszufordern, sowohl physisch, technologisch als auch kreativ.

Was kommt als nächstes in Sachen Design und Technologie auf uns zu? Auf was sollte sich diese Generation der Kreativen konzentrieren und warum? Wie unterhalten und informieren wir ein Publikum hinsichtlich dieser neuen digitalen Grenzen? Ich hoffe, dass ich darauf einige Antworten liefern kann.

Inwiefern wird das neue Zeitalter eines der grenzenlosen Interaktion werden? Wird es nicht immer Grenzen geben?

Wir werden immer vor sozialen und politischen Einschränkungen sowie vor Begrenzungen bezüglich des freien Auslebens der eigenen Sexualität stehen – aber neue Plattformen und das damit verbundene Design Thinking ermöglichen uns, physikalische Grenzen und digitale Domänen zu überschreiten. Da draußen wartet eine riesige virtuelle Welt auf uns und wir sind auf dem Weg, neue Welten zu erobern!

Wer Dean Johnson einmal live in Deutschland erleben möchte, erhält am 10. Oktober bei der UX-DAY KONFERENZ die Möglichkeit dazu.

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