Betrachten wir es doch einmal realistisch: Sollten Sie sich beispielsweise bei einem Geschäftsessen nicht angemessen verhalten haben, ist es dennoch sehr unwahrscheinlich, dass ein Geschäftspartner Sie darauf ansprechen wird.  Stillschweigend wird er jedoch seine Konsequenzen ziehen – und so können vorlautes Auftreten, schlechte Manieren oder  fehlendes Taktgefühl im wahrsten Sinne des Wortes zu Dealbreakern werden.

1. Gute Umgangsformen: Für den ersten Eindruck gibt es keine zweite Chance

Schon Adolph Freiherr von Knigge hat in seinem Ratgeber „Über den Umgang mit Menschen“  wichtige Benimmregeln für ein zivilisiertes und konfliktfreies Miteinander zusammengefasst. Das war im Jahr 1788, doch auch rund 230 Jahre später sind Höflichkeit und Respekt nicht aus der Mode gekommen.

Sie müssen nicht gleich ein Gentleman der alten Schule sein, aber gewisse Umgangsformen sind ein Muss und können die Karriere beflügeln. Vor allem bei der ersten Begegnung kann vieles schief gehen. Mit diesen einfachen Tricks entgehen Sie vermeidbaren Fettnäpfchen.

  • Der ideale Händedruck erfolgt kurz, fest, mit einem freundlichen Blick in die Augen des Gegenübers und begleitet mit einem Lächeln.
  • Hände werden gereicht und nicht geschüttelt. Der „Tote Fisch“ (lascher Händedruck),  der „Schraubstock“ (bohrender Griff) oder der „Dauerschüttler“ (zu euphorisches Händeschütteln) sollten vermieden werden.
  • Verschränkt der Gegenüber seine Arme oder hat er die rechte Hand in der Hosentasche, sollte man besser nicht auf einen Händedruck beharren.
  • Während des Händedrucks den gehörten Namen zu wiederholen, schafft nicht nur eine persönliche Atmosphäre, sondern hilft beim Verinnerlichen des Namens.
  • Vor allem in der IT- und StartUp-Szene duzt man sich häufig. Dennoch ist man auf der sicheren Seite, wenn man zunächst beim „Sie“ bleibt, bis einem das „Du“ angeboten wird.
  • Derjenige, der als Erster den Raum betritt, grüßt auch zuerst, wobei die Rangordnung zu beachten ist. Der Chef wird zuerst gegrüßt.

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Kesslers Knigge zeigt, wie man es nicht machen sollte. (Quelle: youtube)

2. Kleidung: Kleider machen Leute, und Leute machen Geschäfte

Gerade die IT- Welt ist bekannt dafür, dass die Bandbreite des Dress-Codes von „casual“ bis „business casual“ reicht. Anzug und Krawatte werden hier gerne mal durch Jeans und Turnschuhe ersetzt. Man denke hier nur an die schwarzen Rollkragenpullis, mit denen Steve Jobs stets in Erscheinung trat, oder die grauen T-Shirts, die man von Mark Zuckerberg kennt.

Allerdings sollte man sich den „kalifornischen Dresscode“ nicht in jeder Situation zu Eigen machen. Beim Kundengespräch oder Investorenpitch in Jogginghose aufzutauchen, hinterlässt keinen professionellen Eindruck. Denn jeder Anlass hat einen bestimmten Kleidungsstil.  So wäre es auch verkehrt,  in Anzug und Krawatte zu einem Social Event zu gehen. „Das richtige Outfit am richtigen Ort sagt schon viel über die sozialen Kompetenzen, aber auch den eigenen Selbstwert aus“, erklärt Florian Jödicke, Stylist bei Zalon.

  • Passen Sie Ihre Kleidung der Situation an, aber verstellen Sie sich nicht.
  • Sowohl für Frauen als auch für Männer gilt: Klassische Schnitte wählen, denn die wirken nie langweilig.
  • In Sachen Farben ist zu beachten: Weniger ist mehr. Männer sollten zu Grau, Blau-und Dunkelblautönen greifen und maximal 3 Farben bzw. 2 Muster mixen. Frauen sollten wissen, dass Blusen in hellen Farben den Blick auf das Gesicht lenken.
  • Man sollte auffällige Gürtelschnallen, abgelaufene Schuhsolen und zu viel Schmuck vermeiden. Frauen sollten nie mehr als 9 sichtbare Teile tragen.
  • Die Interpretation von Dresscode kann sich als „false friend“ entpuppen. „Come as you are“ oder „Casual” sollte man nicht allzu wörtlich interpretieren.

3. Der Sprachstil: Du bist, was du sagst

Die Kommunikation bei der Arbeit unterscheidet sich von der Sprache, die wir unter unseren Freunden benutzen. Genau wie beim Kleidungsstil, sollte man auch in Sachen Sprache auf einen guten Stil achten – immerhin gehen Sie ja auch nicht mit Jogginghose zur Arbeit.

  • Keine flapsigen Redewendungen. In bestimmten Situationen ist Einfühlungsvermögen gefragt, auch wenn unter den Kollegen ansonsten eine lockere Stimmung herrscht.
  • In förmlichen Situationen (zum Beispiel bei Präsentationen oder beim Kundengespräch) Füllwörter wie „vielleicht“ oder „eventuell“ vermeiden. Das vermittelt Unsicherheit.
  • In der Kürze liegt die Würze – das gilt bei Vorträgen, Emails, genauso wie bei Erklärungen komplizierter Zusammenhänge.
  • Vermeiden Sie Business-Gewäsch: Keiner will mit „Bullshit -Bingo“ überflutet werden.

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Bernd Stromberg legt keinen großen Wert auf Taktgefühl zwischen den Kollegen. (Quelle: youtube)

4. Netiquette: Wer E-Mails sät, wird E-Mails ernten

Im Zeitalter der Digitalisierung ist eine E-Mail ein wichtiges Schriftstück und gleichzusetzen mit einem Geschäftsbrief. Auch im digitalen Kommunikationsvorgang sollten gängige Höflichkeitsformeln eingehalten werden.

  • Anrede, Grußformel und Absenderangaben dürfen nicht fehlen.
  • Wer Emails empfängerfreundlich und kompakt gestaltet, bekommt eine freundliche Email zurück. Wer andere mit Emails überhäuft, wird selbst mit Nachrichten überflutet.
  • Mit der Funktion „Allen Antworten“ sollte man sparsam umgehen: Nicht jede Mail ist für die gesamte Abteilung oder gar das ganze Büro interessant.
  • Eine E-Mail am besten so zügig wie möglich beantworten. Das vermittelt Zuverlässigkeit und Wertschätzung.
  • Verschickt man eine Email von unterwegs aus, so können sich in der Eile Tippfehler einschleichen. Deshalb empfiehlt es sich, in der Signatur darauf zu verweisen, dass die Email von unterwegs aus gesendet wurde. Das schützt einen zwar nicht vor Rechtschreibfehlern, doch der Empfänger wird Ihnen bestimmt den ein oder anderen Fehler verzeihen.

5. Networking: Beziehungen schaden nur dem, der keine hat

Nicht jeder ist ein Meister des Small Talks. Doch grundsätzlich geht es im lockeren und unverfänglichen Gespräch erstmal nur darum, einander kennenzulernen, Gemeinsamkeiten zu entdecken und die Basis für eine gute Beziehung zu legen:

  • Fragen wie „Wie haben Sie von dieser Veranstaltung gehört?“ oder „Über welchen Kontakt sind Sie heute hier?“ können der Beginn eines netten Small Talks sein.
  • Positive Themen schaffen Gemeinsamkeiten. Vermeiden Sie jedoch persönliche und emotionale Themen.
  • Versuchen Sie, aufmerksam zuzuhören und greifen Sie Informationen erinnernd auf, die Ihr Gesprächspartner erwähnt hat: „Sie sagten vorhin, dass Sie…“
  • Stellen Sie außerdem sicher, dass Sie ausreichend aktuelle Visitenkarten eingesteckt haben. Bevor die Karte des Gegenübers in der Tasche landet, wird sie so lange angeschaut, wie es tatsächlich dauern würde, diese zu lesen.
  • Small Talk ist zum Netzwerken da. Möchten Sie zum nächsten Gesprächspartner aufbrechen, so können Sie das Gespräch höflich dem Ende neigen lassen. „Unser Gespräch hat mir viel Spaß gemacht, ich hoffe, wir können es später fortsetzen“ – könnte ein schöner Abschluss sein.

Business-Knigge: Ein letzter Tipp von unserer Redaktion

Auch ein ehrlich gemeintes Dankeschön kann oft das Eis brechen. Es ist wichtig, sich bei den Kollegen und Geschäftspartnern für einen kleinen Gefallen zu bedanken. Das kann via E-Mail, in Form einer kleinen, handgeschriebenen Notiz oder persönlich geschehen.

Der Aufwand dafür ist ziemlich gering, die Wirkung aber dafür umso größer. Dankbarkeit zahlt sich doppelt aus. Probieren Sie es Mal!

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