Matthias Hornberger hat sich den 14. März schon lange vorgemerkt. An diesem Tag überschneiden sich das ehrenamtliche Engagement und das berufliche Wirken des Wahl-Karlsruhers: beim Venture Day 2019 ist Hornberger Gastgeber, Ausrichter, Juror, Berater und Investor.

Bevor im Sieben-Minuten-Takt in den Räumen des Karlsruher „KunstWerk“ Geschäftsideen aus dem Digital-Business um Risikokaptial buhlen, sprach die techtag Redaktion mit Matthias Hornberger.

Als Managing Director von Kizoo sind Sie Mitveranstalter und gleichzeitig Investor beim Karlsruher Venture Day 2019. In der Funktion des Vorstandsvorsitzenden des Hightech.Unternehmer.Netzwerks CyberForum ebenso Gastgeber. Worauf liegt denn Ihr persönlicher Hauptfokus beim 10. Karlsruher Venture Day?

Es ist tatsächlich so, dass mich immer wieder die vielen engagierten Gründerinnen und Gründer mit ihren Ideen und ihrem Mut faszinieren. Im Hintergrund des Venture Days kümmern sich ja viele Profis um die operativen Abläufe. Insofern bin ich in der privilegierten Situation, mich an diesem Tag voll und ganz auf die spannenden Innovationen der Startup-Szene konzentrieren zu können.

Venture Day
Matthias Hornberger ist Managing Direktor von Kizoo, Vorstandsvorsitzender beim CyberForum e.V. sowie Mitveranstalter und Investor beim Karlsruher Venture Day. Bild: Björn Pados

Eine „Szene“, die Sie bundesweit und international sehr gut kennen. Was zeichnet die Gründerinnen und Gründer in und um Karlsruhe aus?

Für Investoren und Business Angels ist es tatsächlich so, dass Karlsruhe ein sehr attraktives Umfeld zu bieten hat. Klar gibt es sehr viele hochkarätige Startups auch in München, Berlin oder, wenn wir uns auf internationales Terrain begeben, in Tel Aviv. Doch aus meiner Sicht ist nirgendwo auf der Welt die Expertendichte für Geschäftsideen aus dem digitalen Umfeld so hoch wie in der IT Region in und um Karlsruhe. Karlsruhe ist Deeptech, vor allem für den B2B-Bereich. Das zeichnet uns aus, das ist unser Alleinstellungsmerkmal!

Warum ist das so? Warum ist aus Ihrer Sicht Karlsruhe tatsächlich so ein Knotenpunkt für IT-Innovationen?

Mit dem KIT haben wir eine Forschungsuniversität vor Ort, die im internationalen Wettbewerb eine Spitzenposition einnimmt. Und wenn es um IT geht, dann gibt es hier auf kleinstem Raum einige tausend Hightech-Unternehmen, weltweit agierende IT-Konzerne oder Einrichtungen, wie das Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung oder das Forschungszentrum Informatik. Karlsruhe stellt außerdem den de:hub der Bundesregierung für Künstliche Intelligenz und mit dem CyberLab den IT-Accelerator des Landes Baden-Württemberg.

Es gibt also enorm viel Sachverstand, bei extrem kurzen Wegen und ein Umfeld, das auf vielfältige Weise – kulturell, wissenschaftlich, technisch oder in Bezug auf Arbeitsplätze – unzählige Möglichkeiten bietet. Klar, dass ein derartiges Ecosystem einen fruchtbaren Boden für Neugründungen bereitet. Als weiteres Puzzleteil haben wir nun auch ein breites Portfolio an Finanzierungsmöglichkeiten, selbst für frühphasige Startups. So zum Beispiel das Programm „Start-up BW Pre-Seed“, den Fond LEA Partners oder die vielen kompetenten Einzel-Investoren, die übrigens auch am 14. März mit von der Partie sein werden.

Stichwort Investoren – was erwartet die Gründer und die Kapitalgeber beim 10. Venture Day in Karlsruhe?

Wie immer treffen hier Frühphasengründer mit Finanzierungsbedarf auf Business Angels, Privatinvestoren, Venture-Capital-Gesellschaften oder öffentliche Förderer. Bei den Pitches wird reihum gewechselt, so dass etwa ein Dutzend Gespräche geführt werden. Wo das Interesse besonders groß war, wird der Kontakt anschließend in angenehmer Atmosphäre sicher intensiviert werden. Die detaillierten Beteiligungsgespräche werden dann im Nachgang vermittelt und getrennt geführt.

Wie lange dauern die Pitches?

Nach sieben Minuten wird gewechselt. Es sind sieben Minuten, die dein Leben verändern können – natürlich nur im positiven Sinn

In einem Gastbeitrag für techtag haben Sie die sieben Todsünden beim Investoren Pitch genannt. Was wäre vor diesem Hintergrund aus Ihrer Sicht das Schlimmste „Vergehen“, das einem Startup beim Pitch passieren könnte?

Da im CyberForum die Teams genauestens ausgewählt werden und obendrein in Workshops von Explain, einem Partner des Venture Days, geschult werden können, gehe ich nicht davon aus, dass eine dieser Pitch-Sünden tatsächlich begangen wird. Allerdings ist es schon vorgekommen, dass bei all der Aufregung und dem Aufzählen von Chancen, Ideen zur Bewertung oder Break-Even-Fantasien das eigentliche Produkt und dessen Nutzen völlig in den Hintergrund geraten ist.

Der berühmteste Fauxpas ist „das eine Prozent vom Riesenmarkt“, das man benötige, um erfolgreich zu sein. Das kann natürlich passieren, wenn man von der eigenen Idee überaus begeistert ist, bringt allerdings niemanden wirklich weiter. Spätestens beim zweiten Pitch-Gespräch sollte sich diese Aufregung jedoch gelegt haben und dann steht dem Erfolg eigentlich nichts mehr im Wege.

Besten Dank für das Gespräch.