„Machen Smartphones dumm und krank?“ fragte Frank Plasberg in dieser Woche bei „Hart aber fair“. Wenig überraschend bot die Sendung zunächst das Aufeinandertreffen bekannter Positionen und den üblichen Generationenkonflikt. Einem Gast verdankt die Sendung dann doch eine nachhaltige Wendung. 

Frank Thelen, Unternehmer und der breiten Masse als Juror in der Vox-Sendung „Die Höhle der Löwen“ bekannt, ließ sich auf die Diskussion, ob Smartphones krank machen, für Burnout sorgen oder die jungen Menschen in ihrer Willensbildung beeinflussen können, gar nicht erst ein. Der 40-Jährige stellte gleich mit seinem ersten Beitrag klar:

„Zu wenig Internet tötet die deutsche Wirtschaft und tötet Deutschland.“

Es sei ganz schlimm, dass wir immer nur auf die Probleme achten. Das Smartphone sei wie ein Hammer, so Thelen. „Ich kann einen Hammer nehmen, um damit schlimmstenfalls einen Menschen töten. Ich kann aber auch einen Hammer nehmen und damit ein Haus bauen. Wenn wir dieses Bedenkenträgertum weiter behalten, dann haben wir ein Problem.“ Smartphones und das mobile Internet seien eine wichtige Kerntechnologie, so Thelen, bei der wir in Deutschland aufholen müssen. „Wir müssen den Leuten erklären, wie es funktioniert und wie sie das Smartphone richtig einsetzen – dann ist es ein hocheffektives und ganz wichtiges Werkzeug.“

Es geht um die Kinder

Vor allem der Hirnforscher und Buchautors („Cyberkrank„) Manfred Spitzer hielt in der Sendung dagegen und erklärte, dass die neuen tollen Technologien gerade jungen Menschen den Blick auf die Nebenwirkungen wie Kurzsichtigkeit oder Aufmerksamkeitsdefizite vernebeln. Unternehmen wie Google, Apple und Microsoft würden dadurch immer reicher, „dass unsere Kinder im Kopf vermüllt werden“, so Spitzer.

Thelen konterte, dass es gerade die Kinder sind, denen die Technologie nicht vorenthalten werden dürfe. „Es ist auf dem Rücken der Kinder, wenn wir keine Tablets sauber in die Schulen einführen und wenn Lehrer die Kinder heranführen.“ Denn: Wie sollen Kinder sonst heute programmieren lernen? Die Heranführung an moderne Technologien wie Swift, Multithreading über das Smartphone seien essenziell für die Weiterentwicklung der Kinder und Jugendlichen. „Softwareentwicklung ist eine sehr, sehr wichtige Kenntnis für die Zukunft“, so Thelen.

„Kinder, die heute nicht programmieren können, sind die Analphabeten der Zukunft.“

Und den anderen Diskussionsteilnehmern riet er, auch heute noch einmal modernes Programmieren zu lernen. „Unsere ganze Infrastruktur läuft auf Software und deshalb kann doch nicht die Alternative sein, dass wir Tablets aus den Kindergärten und Schulen verbannen.“ Der Journalist Ranga Yogeshwar pflichtete ihm bei: „Junge Menschen müssen lernen, dass wir wegkommen von dieser Konsumhaltung beim Handy hin zu einer Gestaltungshaltung.“

Thelen macht den Lindner

Zur Halbzeit holte Thelen dann schließlich zu dem Statement aus, das der Sendung im Nachgang zu mehr Relevanz verhelfen sollte, als das ursprüngliche Smartphone-Thema zunächst vermuten ließ:

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„Wenn wir als Deutschland und Europa jetzt nicht wirklich Vollgas geben, dass die Jugend programmieren lernt – und dass wir wissen, dass Programmieren die wichtigste Fremdsprache ist –, dann werden wir weiter zurückfallen. Das selbstfahrende Auto – für Sie ist das Zukunft –, ich fahre das jeden Tag, hier auf deutschen Straßen. Es wird nur leider vom Amerikaner geliefert und der heißt Tesla. Ich liebe Tesla. Aber die Deutschen sind einfach hintendran. Wenn wir uns angucken, was machen wir den ganzen Tag: Wir verwenden iOS, wie verwenden Google Android – das ist alles amerikanische Technologie. Facebook, Whatsapp – es gibt keine deutsche, europäische Technologie mehr. Nokia ist untergangen.“

„Wir verlieren gerade unser Land. Und wir verlieren ganz viele Arbeitsplätze, denn die entstehen in den USA.“

„Und wenn man sich die Marktkapitalisierung der großen Softwarekonzerne in den USA anguckt, dann ist Deutschland ganz, ganz arm dran. Das müssen wir ändern, und dann müssen wir die Dinge unter Kontrolle kriegen. Und dann können wir nicht immer sagen, wir geben keine iPads an Schulen. Das ist wirklich eine Katastrophe.“

Innerhalb von 24 Stunden wurde der Ausschnitt auf Facebook mehr als tausend Mal geteilt. Die Flut an Kommentaren erinnerte an den Buzz den der FDP-Parteivorsitzende Christian Lindner im vergangenen Jahr mit seiner Wutrede zur Kultur des Scheiterns im Düsseldorfer Landtag ausgelöst hatte.

Neben Thelen, Spitzer und Yogeshwar gehörten noch Duygu Gezen, Social-Media-Redakteurin der ARD sowie die Verdi-Gewerkschafterin und SPD-Politikerin Leni Breymaier zu den Gästen in der Sendung vom 23. Mai 2015.

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