Während die Share Economy in Deutschland noch in den Kinderschuhen steckt, nimmt die Ökonomie des Teilens in anderen Ländern bereits Fahrt auf. Ein Blick nach China zeigt, wie viel Potenzial im Sharing steckt.

Wenn man in einer deutschen Fußgängerzone nachfragt, welche Share Economy-Angebote die Leute kennen, bekommt man häufig nur „Carsharing“ als Antwort. Klar, über Dienste wie Car2Go und DriveNow wird ja auch ständig irgendwo berichtet. Manch einem fällt vielleicht noch Airbnb oder „Call a Bike“ (Deutsche Bahn) ein, aber das war es meistens auch schon.

Anders sieht es in Ländern wie China aus. Hier boomt die Share Economy. Möglich macht das vor allem die rasche Verbreitung von Mobile Payment-Diensten – ein Thema, das in Deutschland nach wie vor mit großer Skepsis beäugt wird.

Chinesen schöpfen Sharing-Potenzial voll aus

In China sind es vor allem Jugendliche, die Angebote der Share Economy voll ausnutzen. Es ist jene Generation, die mit Smartphones und dem Internet groß geworden ist. Die Kommunikation findet fast ausschließlich via WeChat statt – einem Instant Messenger wie WhatsApp, allerdings mit weitaus mehr Funktionen. Die Nutzer können WeChat zum Bezahlen nutzen, während Unternehmen sogenannte „Mini Sites“ anlegen können. Nun braucht es nur noch eine QR-Code und schon kann fast jeder Alltagsgegenstand ausgeliehen respektive geteilt werden.

An Basketballplätzen finden sich inzwischen beispielsweise Boxen mit sechs Basketbällen. Scannt man den QR-Code und bezahlt ein paar Cent, öffnet sich die Box und der Basketball kann für eine bestimmte Zeit genutzt werden. Analog dazu können bei Bedarf Regenschirme in Großstädten aus dem Automaten „gezogen“ werden. Der Verleih von Akkupacks boomt ebenfalls. Anstatt die Power Bank den ganzen Tag mit sich herumzutragen, leiht man sich diese aus, während man im Restaurant zu Mittag isst.

Der Erfolg in Zahlen: Fahrrad-Sharing-Anbieter wie Ofo and Mobike bringen es auf über zehn Millionen Fahrten am Tag. 30 Minuten kosten 15 Cent. Laidian, ein Anbieter von Akkupacks, verzeichnete laut Forbes über 100 Millionen Nutzungen seiner 3000 Ladestationen seit 2014. Auch hier bezahlt man 15 Cent, allerdings für eine Stunde. Kein Wunder also, dass mehr und mehr Investoren auf den Share Economy-Zug aufspringen.

Sharing muss so einfach wie möglich sein

Wenn man sich das alles so durchliest, wird einem schnell klar, warum die Share Economy in China funktioniert: weil den Nutzern das Teilen / Leihen so einfach wie nur möglich gemacht wird. Hierzulande braucht man für fast alles einen Account und die passende App. Auto, Fahrrad, Wohnung und so weiter. Ich habe einen ganzen Ordner voller Apps, bei deren Anbietern ich mich registrieren und meine Kreditkarte hinterlegen musste. Das macht man vielleicht bei einem Dienst wie Car2go, den man häufig nutzt Sinn. Für ein Akkupack im Restaurant wäre mir das allerdings viel zu umständlich.

Wie einfach könnte das smarte Leben sein, wenn ich mit einer App alles machen könnte. Ohne Registrierung. Ohne jedes Mal aufs Neue meine Zahlungsinformationen zu hinterlegen. Aber bis dahin ist es noch ein weiter Weg, in einem Land, das Bargeld auch im Jahr 2017 noch als zeitgemäß erachtet 😉