Der Schutz durch Passwörter bietet im Hochsicherheitsbereich allein keine Sicherheit. Das ist einer der Gründe, warum biometrischen Erkennungsverfahren die Zukunft gehört. Aber welche Technologie macht das Rennen?

Biometrische Identifikation, also die Erkennung von Personen anhand körperlicher Merkmale, ist ein wichtiges Thema bei der Sicherung von digitalen Systemen. Allein oder in der Kombination mit herkömmlichen Personaldaten, zum Beispiel Lichtbild oder Unterschrift, sorgen die Technologien für ein hohes Maß an Sicherheit bei der Authentifizierung von Personen. Das ist wichtig für die Absicherung von Daten, die Zugangskontrolle sowie für den Geschäftsverkehr im Internet.

Vor allem drei Verfahren haben die Entwicklung der vergangenen Jahre bestimmt: die Iriserkennung, der Fingerabdruck-Scan sowie die Erkennung des Handvenenmusters. Letztere Technologie erfährt in den vergangenen Monaten starken Zuspruch. Das liegt zum einen an marktreifen Neuentwicklungen, zum anderen aber auch an erfolgreichen und medienwirksam aufbereiteten Angriffen, etwa auf die Finger-Scans der Smartphones von Apple und Samsung.

Hier eine sehenswerte Live-Demo des Sicherheitsexperten Ben Schlabs auf der diesjährigen IT- und Blogger-Konferenz Republica (ab Minute 16:00):

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Über diese Schwächen lässt sich vielleicht noch im Consumer-Bereich hinwegsehen. Im Enterprise-Bereich aber, wo es um den Sicherung von sensiblen Bereichen und Daten und die Vermeidung von Spionage und Haftungsrisiken geht, müssen die IT-Entscheider der Technologie mit der höchsten Sicherheit und geringsten Fehleranfälligkeit vertrauen. Zum Vergleich der aktuellen Technologien sagt ein ehemaliger Fujitsu-Mitarbeiter: „Ein aus der Handfläche erzeugtes Venenmuster ist im Vergleich zur Iris, dem bisher sichersten Merkmal in der Biometrie, noch einmal um den Faktor zehn genauer, Fingerprint-Technologien sind sogar 100 mal ungenauer.“

Fujitsu ist führend bei der Entwicklung von Handvenen-Scannern. Unter dem Label PalmSecure vertreibt das Unternehmen verschiedene Lösungen für den Business- und Consumer-Bereich. 2008 hat das BSI die Fujitsu-Technologie zertifiziert, die das Handvenenmuster durch Nahinfrarotlicht erfasst. Das sauerstoffarme Hämoglobin in den Handvenen absorbiert dieses Licht, wodurch sich die Reflexion verringert und die Venen als schwarzes Muster erscheinen. Dieses Venenmuster wird dann zwecks Authentifizierung mit einem zuvor registrierten und verschlüsselten Muster abgeglichen. Die Methode ist altersunabhängig, nur bei Kindern bis zum Jugendlichen-Alter verändert sich das Muster noch.

Iriserkennung hat keinen guten Ruf

Im Vergleich zum Fingerabdruck liegen die Venen im Körperinneren und weisen eine Vielzahl von Unterscheidungsmerkmalen auf. Versuche eine Identität, etwa durch einen Klebestreifen, zu fälschen, sind somit nahezu unmöglich. Darüber hinaus erkennt der Sensor des Geräts das Muster nur, wenn das sauerstoffarme Hämoglobin aktiv in den Handvenen fließt und unabhängig davon, ob die Fingerkuppen verletzt oder durch intensive Arbeit in der Struktur beschädigt sind.

Im Vergleich zur Iriserkennung weist die Handvenenerkennung auch psychologische Vorteile auf. Viele Menschen scheuen den Scan des Auges. Zudem hält sich die Meinung, dass über die Iriserfassung auch Krankheiten erkannt werden können. Dagegen ist die Handvenenerkennung nicht nur genauer, sondern auch komfortabler im Alltag einzusetzen. Moderne Scanner funktionieren berührungslos und sind klein genug, um auch an Laptops oder Tablets zum Einsatz zu kommen.

Neben Fujitsu haben sich auch Hitachi, NEC, Sony (alle Fingervenen) und Techsphere (Venen der Handrücken) auf die Venen-Erkennung spezialisiert. Zu den Einsatzmöglichkeiten zählen vertikale Märkte wie Sicherheit, Finanzsektor/Banken, Gesundheitswesen, Unternehmen und Bildungseinrichtungen. Anwendungen für das Gerät sind physischer Zugang zu Sicherheitsbereichen, Anmeldung an PCs oder Serversystemen, Zugriff auf Kassensysteme, Geldausgabeautomaten oder Kiosksysteme, eindeutige Identitätskontrolle und andere branchenspezifische Anwendungen.

Video-Tipp: Eine ausführliche Präsentation zum Thema Handvenenerkennung inklusive der Abgrenzung zu anderen Systemen und der Kombination mit RFID von Wolfgang Rackowitz, Senior Consultant bei PCS Systemtechnik GmbH:

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