In Südafrika nutzen 53 Prozent der Bevölkerung das Internet und auf 100 Menschen kommen 142 Mobilfunkabonnements. In der Demokratischen Republik Kongo sind gerade einmal sechs Prozent der Kongolesinnen und Kongolesen in der virtuellen Welt unterwegs und lediglich zwei von fünf Menschen haben einen Handyvertrag.

Die Tabelle im Eingangsbereich der Sonderausstellung „Digital Imagineries – Africas in Production“ führt den Besucherinnen und Besuchern noch bis zum 17. März 2019 im ZKM I Zentrum für Kunst und Medien Karlsruhe bereits eindrucksvoll die großen Unterschiede zwischen den einzelnen Ländern des schwarzen Kontinents vor Augen. „Afrika präsentiert sich bei der Digitalisierung als überaus heterogener Kontinent“, sagt Philipp Ziegler vom Kuratoren-Team der internationalen Ausstellung. Deshalb habe das ZKM sich auch vor Ort auf Spurensuche begeben und im Rahmen eines breit angelegten Rechercheprojekts gemeinsam mit Kooperationspartnern in Dakar und Johannesburg nach den Gemeinsamkeiten und Unterschieden der verschiedenen afrikanischen Länder beim Umgang mit den digitalen Themen gesucht.

Recycling von Computerschrott ist eines der zentralen Ausstellungsthemen

Digital Imagineries - Africas in Production
Recycling von Computerschrott ist eines der zentralen Ausstellungsthemen bei »Digital Imaginaries – Africas in Production« / © ZKM | Zentrum für Kunst und Medien Karlsruhe, Foto: Felix Grünschloss

„Manche der Kunstwerke stehen geradezu exemplarisch für den Grad der Digitalisierung in Afrika“, sagt Ziegler. Deshalb wurde von Beginn auch keine Wanderausstellung konzipiert, sondern für jede der drei Stationen eine eigene Sonderschau vor Ort entwickelt. In Karlsruhe widmen sich dabei gleich mehrere Installationen dem verschwenderischen Umgang mit der Hardware für Unterhaltungselektronik. Bei einem Kunstwerk wurden ausrangierte Computerteile zu einem großen Haufen aufgetürmt und auf einigen der alten Displays flimmern noch Videofilme. Und auf der großen weißen Wand hinter dem scheinbar achtlos entsorgten Elektroschrott springt den Gästen sofort eine bildgewaltige Video-Collage mit Aufnahmen aus afrikanischen Großstädten sowie Spielfilmschnipseln ins Auge. „Der Umgang mit dem europäischen Elektroschrott und die Suche nach einer effizienten Recycling-Stategie wird viele afrikanische Länder noch eine Zeitlang beschäftigen“, nennt Ziegler den Grund für derartige Installationen.

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Enge Zusammenarbeit mit Kooperationspartnern in Dakar und Johannesburg

Durch die Zusammenarbeit mit den beiden Kooperationspartnern, dem unabhängigen Kunst- und Multimediazentrum Kër Thiossane in der senegalesischen Hauptstadt Dakar und dem Wits Art Museum (WAM) in der südafrikanischen Metropole Johannesburg, hat sich das Projekt stetig weiterentwickelt. „Uns war von Anfang an bewusst, dass wir noch sehr wenig über die Digitalisierung in Afrika wissen“, so Ziegler. Deshalb sei die Ausstellung auch von Anfang nicht aus dem europäischen Blickwinkel konzipiert gewesen. Sowohl in Dakar als auch in Johannesburg hätten die Künstler ihre eigenen Visionen von der Digitalisierung in Afrika entwickelt und in die Tat umgesetzt. Bei den Festivals Afropixel in Dakar und Fak`ugesi in Johannesburg wurde das Projekt bereits zweimal öffentlich präsentiert.

Auch in Zukunft wird die Digitalisierung in Afrika nach Zieglers Einschätzung hauptsächlich in so genannten Makerspaces und Fablabs vorangetrieben. „Wenn die Leute an bestimmten Orten zusammenkommen, können sie gemeinsam Ideen diskutieren und Strategien für eine Vernetzung des gesamten Kontinents entwickeln“, so Ziegler. Durch die Vernetzung mit den afrikanischen Akteuren könne sich nun auch das ZKM aktiv am Wissenstransfer zwischen Europa und Afrika beteiligen. Bereits heute gibt es in manchen afrikanischen Ländern Ballungszentren mit kleineren und größeren IT-Firmen. Außerdem ist Afrika der Kontinent mit der weltweit jüngsten Bevölkerung und deshalb sehr empfänglich für innovative Konzepte.

Digital Imagineries - Africas in Production
Blick in die Ausstellung »Digital Imaginaries – Africas in Production« / © ZKM | Zentrum für Kunst und Medien Karlsruhe, Foto: Felix Grünschloss

Smartphones als Treiber für die Digitalisierung Afrikas

Wichtigster Treiber für den digitalen Wandel in Afrika sind nach Zieglers Einschätzung aber Smartphones. „In vielen Gegenden Afrikas hat die Digitalisierung erst vor zehn Jahren mit den Mobiltelefonen Einzug gehalten“, sagt Ziegler. Viele Menschen erhielten durch den Besitz eines mobilen Endgeräts auch erstmals in ihren Leben Zugang zu bestimmten Dienstleistungen und das Online-Banking sei in manchen afrikanischen Ländern mittlerweile weiter verbreitet als in Mitteleuropa. „Auch viele Behördengänge werden in Afrika bereits mit dem Smartphone erledigt“, sagt Ziegler. Die Stellung des Smartphones als wichtigstes Kommunikationsmittel spiegelt sich deshalb auch in der Statistik-Tabelle am Ausstellungseingang wieder. Während der Prozentsatz der Menschen, die das Internet nutzen, in Deutschland (90) noch fast doppelt so hoch ist wie in den fortschrittlichsten afrikanischen Ländern, liegen im Ranking der Handyverträge pro 100 Einwohner mit Gabun (144), Südafrika (142), Ghana (140) und Marokko (120) gleich mehrere afrikanische Länder vor Deutschland (115).