Verschläft der Mittelstand die Herausforderungen der Digitalisierung? Glaubt man der Telekom, ist die Antwort: Nein. Ergebnisse ihrer aktuellen repräsentativen Studie zeigen, dass sich die Unternehmen auf einem guten Weg befinden. Fast drei Viertel der 1.000 befragten Unternehmen bewerten die Digitalisierung als wichtig bis sehr wichtig. Nicht die schlechteste Voraussetzung – eine Zusammenfassung.

Anmerkung des Autors: Da die Studie ihren Blick auf unterschiedliche Bereiche der Digitalisierung schweifen lässt, habe ich mich auf die Ergebnisse aus der Fertigungsindustrie und dem Handel konzentriert. Dabei stellte sich tatsächlich heraus, dass die Fertigungsindustrie ein positives Beispiel dafür ist, wie der digitale Weg gestaltet werden kann. Der Handel muss dagegen Lehrgeld bezahlen. Am Ende des Artikels sind sämtliche Branchen, die von der Studie tangiert werden, verlinkt.

Digitalisierungsindex: Mittelstand ist auf einem guten Weg

Ergebnisse der Telekom Studie –Digitalisierungsindex Mittelstand-, die in Zusammenarbeit mit dem Analystenhaus techconsult entstanden ist, zeigen auf, wie intensiv der Mittelstand hierzulande die Digitalisierung angeht. Die Studie selbst fast das etwa so zusammen: „In fast zwei Drittel der Unternehmen ist Digitalisierung Chefsache und mehr als jedes vierte Unternehmen setzt schon eine übergreifende Digitalisierungsstrategie um. Ziele: Ausbau der Wettbewerbsfähigkeit und langfristige Sicherung ihrer Existenz. Ob es allerdings vorteilhaft ist, dem Chef das digitale Segment alleine zu überlassen, lasse ich im Folgenden kommentarlos. Immerhin; die Punkte IT-Sicherheit und Datenschutz werden derzeit priorisiert. Der Mittelstand ist sich daher einig, die Digitalisierung ist der Trend, der auch 2017 am meisten beschäftigen wird. Zuletzt hatte der Mittelstandsatlas genau diesen Trend visualisiert.

Digitalisierung in der Fertigungsindustrie

Die Fertigungsindustrie verwendet 52 von 100 Punkten für die IT- und Informationssicherheit sowie für den Datenschutz. Bei allgemeinen digitalen Angeboten und Geschäftsmodellen sind es bereits 66 Punkte. Für die Produktivität sind es noch 54 Punkte. Aus der Studie ist leider nicht ersichtlich, ob bei den Zahlen auch Unternehmen gefragt wurden, die eine Digitalisierung nicht zwingend benötigen. Denn nicht jedes Unternehmen ist auf einen hohen Automatisierungsgrad angewiesen. Klar ist, dass die digitale Transformation mehrheitlich von der IT-Abteilung vorangetrieben wird. „In Sachen Produktivität und interner Zusammenarbeit sind durchschnittlich knapp 50 Prozent der befragten Industrieunternehmen mit Effizienz, Produkt- und Servicequalität sowie der Geschwindigkeit interner Prozesse durchaus zufrieden.

Die Digitalisierung in der Industrie ist bereits sehr fortgeschritten.
Weniger optimistisch geben sich die Unternehmen bei der Bewertung der eigenen Innovationsleistung: Nur rund 40 Prozent sind dahingehend mit sich zufrieden“, so die Studie. Speziell die Innovationsleistung muss meines Erachtens gesteigert werden; auch weil die Innovationen Ideentreiber und Kapital zugleich sind. Das Fazit für die Fertigungsindustrie fällt am Ende positiv aus. Gründe hierfür sind Themen rund um die Automation oder Industrie 4.0.

Eine andere aktuelle Studie –Potenzialanalyse: Wie digital sind die deutschen Mittelständler?– deckt sich genau mit diesen Einschätzungen. Die Frage, wie wollen die deutschen Mittelständler diesem Trend begegnen?, beantwortet die Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft pwc: „Auch wenn der deutsche Mittelstand bei der Entwicklung digitaler Eigenschaft zum Teil noch Nachholbedarf hat, so zeigt sich, dass die Befragten bereit sind, das Thema Digitalisierung für ihr Unternehmen anzupacken und entsprechende Investitionen zu tätigen: Ein Geldgeschenk in siebenstelliger Höhe würden sie für ihre IT und IT-Sicherheit einsetzen, wie 62 Prozent bestätigen, außerdem für Innovationen (59 Prozent) und Digitalisierung (58 Prozent).“ Sprich, Themen rund um Cloudcomputing, Big Data und Internet of Things (IoT) sind in der Industrie längst Realität.

Digitalisierung im Handel

Die Digitalisierung im Handel verläuft ähnlich rasant und fortschrittlich. Die Studie nennt gleich zu Beginn die Player Zalando und Amazon, die derzeit den stationären Handel mächtig unter Druck setzen. Unternehmen, auch lokale Händler, stellen mittlerweile die Weichen, um in Richtung Zukunft nicht doch noch zu entgleisen. So richtig in Gang setzt sich die Maschinerie laut Telekom-Studie allerdings noch nicht.

40 Prozent der Unternehmen arbeitet derzeit an einer Umsetzung –einzelner- digitalen Projekten. Nur 25 Prozent setzen eine übergreifende Digitalisierungsstrategie um – meines Erachtens eine absolut katastrophale Ist-Situation. Die Studie bringt es dann auch auf den Punkt: „Der Handel erreichte in der Gesamtwertung 48 von insgesamt 100 möglichen Punkten und hinkt im Branchenvergleich hinterher. Dies lässt sich unter anderem auf eine Besonderheit des Handels zurückführen: die Zersplitterung der Branche in viele kleine Einzelhändler und Kleinstbetriebe, bis hin zum Gemüsehändler um die Ecke.“ Das Erschreckende ist, dass die Unternehmen derzeit noch unterschiedliche Möglichkeiten haben, ihr Unternehmen in die digitale Welt zu hieven – nur, sie wollen einfach nicht.

Wie setzt der Handel seine digitalen Ziele um? Die Grafik zeigt das.
Woran ich das festmache? Bei der Individualisierung von Beratung und Verkauf auf Basis verfügbarer Informationen über den Kunden, sehen lediglich 29 Prozent Bedarf; nur 36 Prozent setzten bereits auf Kundentracking, Kennzahlen und Co. Auch in Sachen der Produktivität muss der Handel deutlich zulegen. Nicht einmal die Hälfte des Handels greift zum Beispiel mobil auf die eigenen Kommunikationsanwendungen zu; die Auftragsabwicklung wird lediglich von 24 Prozent als relevant eingestuft. Relevant für die Unternehmen sind vor allem Prozesse zur Individualisierung von Produkten, die Zufriedenheit mit der Umsetzung ist vergleichsweise gering.

Kundentracking im Handel ist enorm wichtig; nur wenige setzen drauf.
Mein Fazit fällt daher eher nüchtern aus. Industrie 4.0, Internet of Things und Cloudcomputing sind in industriellen Umgebungen längst Standard – das habe ich bereits in 20 anderen Artikeln zum Besten gegeben. Der Handel allerdings hinkt allen Erwartungen hinterher; er reagiert nicht einmal auf Wahnsignale, die sich aus der Digitalisierung verselbstständigt haben (Webshop, Bezahlmöglichkeiten usw.) Digitale Chancen werden als Gift für den stationären Handel gesehen; technische Hilfsmittel als rausgeschmissenes Geld betitelt. Nur dem Handel selbst, bringt dieses Blicken nicht weiter.

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