Apple kombiniert all seine Services in einem Abo. Was auf den ersten Blick unspektakulär klingt, hat weitreichende Konsequenzen für zahlreiche Branchen und Unternehmen. Ein Kommentar.

Wir leben in einer Zeit, in der digitale Inhalte möglichst einfach, schnell und vor allem günstig verfügbar sein sollen. Das gilt für Musik, Filme und Serien, aber auch für Spiele, Bücher oder Fitness-Apps. Ich kenne viele, die beispielsweise Spotify für Musik, Netflix für Serien, Kindle Unlimited für Bücher und Dienste wie Freeletics für Sport nutzen. Für vier bis fünf Abos sind da schnell 35 bis 50 Euro im Monat weg.

Das Problem an der Sache: Kaum jemand möchte so viele Abos haben und erst recht nicht so viel dafür bezahlen. Denn da geht auch schnell die (finanzielle) Übersicht verloren. Und genau darauf zielt Apple One ab.

Apple One: Ein Abo für alle Services

Letztendlich ist Apples Idee nicht neu. Amazon hat es mit seinen Prime-Diensten schon vor Jahren vorgemacht: Als Prime-Mitglied spart man sich nicht nur die Versandkosten, sondern kann auch kostenlos Filme und Serien schauen sowie Musik hören. Ergänzend dazu gibt es die Unlimited-Abos für Music und Kindle, mit denen man bei Bedarf weitere Inhalte freischalten kann. Das Konzept ist clever, denn viele Nutzer haben Prime ohnehin schon aufgrund der Versandkosten gebucht. Mit zusätzlichen (kostenlosen) Angeboten für Filme, Serien und Musik, hält man die Kunden im Amazon-Kosmos.

Apple One folgt einem ähnlichen Prinzip. Die meisten Besitzer eines iPhones oder iPads nutzen die iCloud und bezahlen dafür monatlich 3 bis 10 Euro. Dazu vielleicht noch ein Spotify Family-Abo für 14,99 Euro. Und schon sind wir bei den 19,95 Euro im Monat, die das Apple One Familien-Bundle kostet. Nur dass man hier für knapp 20 Euro monatlich Apple Music, Apple Arcade, Apple TV+ sowie 200 GB bei iCloud bekommt – und all das mit bis zu fünf Personen teilen kann. In den USA gibt es zusätzlich noch das Premier-Abo für rund 30 Euro, das weitere Apple Services (News+, Fitness+ sowie 2 TB iCloud-Speicher) umfasst.

Apple One – Dienste

Für die Nutzer ist das eine preislich überaus attraktive Sache, zumal sie nicht zig Abos parallel abschließen müssen. Noch dazu kommen alle Services aus einer Hand.

Und was hat Apple davon? Ganz einfach: Apple bindet die Nutzer an sich. Die Wahrscheinlichkeit, dass derjenige, der Apple One auf seinem iPhone nutzt, beim anstehenden Computer-Kauf zu einem Mac greift, ist recht hoch. Ein neues Tablet für’s Home Schooling der Kinder? iPad, klare Sache. Wenn irgendwann die ganze Familie mit Apple-Produkten ausgestattet ist, dann hat sich der günstige Bundle-Preis für die Services mehr als gelohnt.

Und genau darum geht es Apple.

Apple One: Spotify und Co. müssen sich warm anziehen

Kurz nachdem Apple One vorgestellt wurde, äußerte sich Spotify dazu und sprach von „unfairen Praktiken“. Apple nutze seine beherrschende Stellung aus, um Wettbewerber zu benachteiligen. Sogar Wettbewerbsbehörden wurden aufgefordert, Maßnahmen zu ergreifen. Das ist natürlich völlig absurd, da man seit Jahrzehnten bei jeder Versicherung einen Kombi-Rabatt auf die Beiträge bekommt, wenn man mehrere Verträge abgeschlossen hat.

Aber dennoch zeigt diese Reaktion, dass Apple einen Nerv getroffen hat. Insbesondere für Spotify als reine Musik-Streaming-Plattform könnte Apple One zum Problem werden, da Apple Music dem Nutzer die nahezu identische Bandbreite an Songs und Alben bietet. Selbiges gilt für Fitness-Apps wie „Freeletics“, „Asana Rebel“ oder „adidas Training by Runtastic“, denen Fitness+ gefährlich werden kann. Etwas entspannter kann dagegen Netflix die Sache sehen, da Apple TV+ bislang kaum Inhalte hat.

Auf längere Sicht werden insbesondere jene Anbieter Marktanteile an Apple verlieren, die bei ihren Abos nur auf eine Art Content (beispielsweise Musik) setzen, sowie diejenigen, die auf aktuelle Trends in der breiten Masse abzielen. Hierzu zählen insbesondere die bereits genannten Fitness- und Yoga-Apps, die seit einigen Jahren wie Pilze aus dem Boden sprießen.

Es ist freilich nur eine Frage der Zeit, bis auch Player wie Google und Amazon ihre Angebote entsprechend erweitern und anpassen werden. Die Zukunft gehört dem „einen Abo für alles“.

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Frank Feil
Frank Feil, Jahrgang 1986, berät und schult regionale sowie überregionale Unternehmen in den Bereichen Social Media und Corporate Publishing. Zudem ist er als freier Autor tätig. Schon von Kindesbeinen an fasziniert ihn alles, was mit Technik und dem Internet zu tun hat. Seit 2006 ist er als Blogger und Community Manager im Netz unterwegs.