Die aktuelle Umfrage des Bundesverbandes mittelständische Wirtschaft zeichnet ein durchwachsenes Bild in Deutschland: Zuversicht und Optimismus gehen Hand in Hand mit Bedenken und klaren Forderungen an die Politik.

Mehr als ein Drittel der Mittelständler erwartet für das Jahr 2016 einen gesamtwirtschaftlichen Abschwung, erklärt Mario Ohoven, Präsident des Bundesverbandes mittelständische Wirtschaft (BVMW), in seinem Podcast. „Das ist ein klarer Auftrag an die Bundesregierung! Sie muss jetzt handeln, damit der Mittelstand investiert und nicht resigniert.“ Deutschland brauche Investitionen in die Zukunft.

Mit dieser Forderung flankiert der BVMW-Präsident die Ergebnisse der aktuellen repräsentativen Umfrage seines Verbandes. Gleichzeitig offenbart die Befragung aber auch, dass die Mitgliedsunternehmen in der Mehrzahl positiv (38 Prozent) auf die eigene wirtschaftliche  Entwicklung blickt beziehungsweise nicht mit Einbrüchen rechnet (49 Prozent). Satte 94 Prozent sind durch die gegenwärtige Geschäftslage „befriedigt“ oder zufriedener. Mit Blick auf das Jahr 2016 sind knapp die Hälfte der Unternehmen sicher, gleichbleibende Erfolge erzielen zu können. Fast 40 Prozent hält es sogar für möglich, im eigenen Wirkungsbereich eine bessere geschäftliche Entwicklung zu realisieren. Nur acht Prozent der Mittelständler geht davon aus, den Personalbestand herunterfahren zu müssen.

Wo drückt der Schuh im Mittelstand?

Doch gerade die Frage des geeigneten Personals treibt die Verbandsmitglieder um. Nur 13 Prozent der befragten Unternehmen ist zuversichtlich, qualifizierte Fachkräfte anwerben zu können. Die Folge: In den zurückliegenden zwei Jahren mussten mehr als ein Drittel der Unternehmen Aufträge ablehnen, weil nicht genügend Mitarbeiter verfügbar waren.

Von einer weiterführenden Digitalisierung (Web-Shops, Cloud-basierte Dienste etc.) erwarten die Hälfte der Unternehmen positive Effekte. Vor dem Hintergrund der Umfrageergebnisse betont BVMW-Präsident Ohoven: Zukunft für den deutschen Mittelstand heiße für 2016 vor allem: Digitalisierung. „2016 muss für den Mittelstand das Jahr des digitalen Durchbruchs werden. Wir fordern von der Bundesregierung ein Wagniskapitalgesetz, um die Start-ups zu stärken.“

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Der Mittelstand erwartet positive Effekte von der Digitalisierung (Quelle: BVMW)

Die steigenden Energiepreise, die Handelsbeschränkungen mit Russland und die Effekte des gesetzlichen Mindestlohns sind ebenfalls Themen, bei denen der Wunsch nach mehr unternehmerischer Freiheit und weniger staatlicher Direktive deutlich wird.

„Wir schaffen das“

An der Umfrage des Verbandes beteiligten sich im Dezember 2015 rund 2.400 Unternehmer aller Branchen und Regionen – knapp zehn Prozent sind in Baden-Württemberg ansässig. Mit 39 Prozent bilden die Unternehmen mit weniger als neun Mitarbeitern die größte Gruppe. Der Dienstleistungsbereich ist mit 63 Prozent der Teilnehmer vertreten. Der BVMW befragt alljährlich seine Mitglieder zu allgemeinen wirtschaftlichen und aktuellen politischen Entwicklungen.

Die Umfrage 2015/16 wirft beispielsweise ein Licht auf die Flüchtlingssituation: Eine knappe Mehrheit schließt sich dem Credo der Kanzlerin („Wir schaffen das“) an. Allerdings sind die Hoffnungen, durch diese Entwicklung dem Arbeitskräftemangel beizukommen, gedämpft: Ein knappes Drittel denkt, dass „der Flüchtlingsstrom zur Lösung des Fachkräftemangels im Mittelstand“ beitragen kann.

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Vor Bayern: Baden-Württemberg unter den Top 5 bei der Wahl des Firmensitzes (Quelle: BVMW)