Bächle, Gässle, Unternehmergeist. Von Energie über Medizin bis zum Garten-Sharing: Die Freiburger Startup-Szene hat viel zu bieten. Wir haben uns umgehört und präsentieren euch Freiburger Startups, die man kennen sollte.

Blue Inductive

Das Startup Blue Inductive will kabellose Energie voranbringen. Die Fraunhofer-Ausgründung hat eine Ladetechnologie entwickelt, die durch ein elektromagnetisches Induktionssystem auch ohne Kabel auskommt. So können mobile Roboter und Elektrofahrzeuge berührungslos aufgeladen werden. Ein hoher Wirkungsgrad, die Überbrückung von Abständen bis 20 cm und eine hohe Leistung des Ladesystems – damit überzeugte das Startup bereits und wurde Anfang des Jahres mit dem Freiburger Innovationspreis ausgezeichnet. Darüber hinaus ist das Team für die diesjährigen Greentec Awards nominiert.

Gartenpaten

ShareBW Gewinner: Freiburger Startup Gartenpaten. Bildrechte: Christian Ernst.
ShareBW Gewinner: Freiburger Startup Gartenpaten. © Christian Ernst

Gartenpaten ist eine Landsharing-Plattform. Gerade in Städten sehnen sich viele Menschen nach einem Stückchen Grün. Umgekehrt ist vielen Gartenbesitzern das Hegen und Pflegen ihres Grundstücks körperlich oder zeitlich zu viel Arbeit. Durch Gartenpaten sollen diese Gruppen zusammenfinden. Neben der Plattform bieten die Gewinner des Ökonauten-Publikumspreis 2015 allerlei nützliche Informationen rund um die Gartenarbeit. Das Freiburger Startup gewann 2015 den landesweiten Share-Economy-Wettbewerb des Ministeriums für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg.

ENIT Systems

Am Fraunhofer ISE entstand die Idee für ein Energiemonitoring- und Steuerungssystem speziell für mittelständische Industriebetriebe, wo die Energiekosten meist besonders hoch sind. ENIT Agent, das Produkt des Startups, soll eine intelligente Steuerung des Verbrauchs ermöglichen. Dafür werden die Daten von Stromzählern gesammelt und in Echtzeit angezeigt. Das System gewann unter anderem den Innovationspreis des Landes Baden-Württemberg und den Gründerwettbewerb „IKT Innovativ“ des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie.

Ekoneo

Mengenrabatte werden nicht nur in der Geschäftswelt genutzt, auch Privatpersonen tun sich beispielsweise zu FoodCoops zusammen, um zu sparen. Das Freiburger Startup prononpro will mit der Plattform ekoneo dafür sorgen, dass dies auch im gemeinnützigen Umfeld möglich wird. Nonprofit-Organisationen können sich kostenlos registrieren, ekoneo bündelt die Nachfrage und verhandelt Nachlässe bei Unternehmen aus Bereichen wie Bürobedarf, Versicherungen oder Energie. Teilnehmende Unternehmen zahlen eine Gebühr oder einen Provisionsbeitrag an ekoneo und setzen damit ein Zeichen für Corporate Social Responsibility.

CorTec

Neuroprothetik befasst sich mit der Anbindung des Nervensystems an ein elektronisches Teil, um mit technischen Systemen Störungen und Ausfälle im menschlichen Nervensystem zu beheben. In diesem Bereich forscht, entwickelt und vertreibt CorTec Produkte. Die Ausgründung der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg entwickelt eine neurotechnologische Plattform, mit der Hirnaktivität sowohl gemessen als auch stimuliert werden kann. Dadurch kann sich das System selbst regeln – durch die Messung kann Wirkung von bzw. Bedarf an Stimulation analysiert werden. Anwendungsmöglichkeiten dafür liegen in den verschiedensten Bereichen von Therapie, Rehabilitation oder Assistenz-Technik.

Visual Statements

Poster des Freiburger Startups Visual Statements. Eine Person steht im Sonnenuntergang. Davor ist der Spruch eingeblendet: "Alles scheint unmöglich, bis es jemand macht." ©Visual Statements
Ein Bild des Freiburger Startups Visual Statements. ©Visual Statements

Fotos mit schönen oder lustigen Sprüchen versehen und dann auf Facebook oder Instagram teilen – damit ist Visual Statements seit über fünf Jahren sehr erfolgreich. Mittlerweile gibt es auch Poster, Tassen, Postkarten und T-Shirts zu kaufen. Und Visual Statements tut noch mehr: Mit Die StadtBesten bietet das Startup eine Seite, auf der über Angebote in der Stadt abgestimmt wird und damit eine Art Ranking erstellt wird. Auch hinter Hotels in Heaven, einer Bewertungsseite für Hotels, steht Visual Statements. Reichweite aufbauen und monetarisieren – bei Visual Statements hat es funktioniert.

SmartExergy

Das Spin-off der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg entwickelt und vertreibt Produkte zur energiesparsamen Kommunikation, die sich beispielsweise für Photovoltaikanlagen eignen. Diese bestehen in der Regel aus einer großen Anzahl einzelner Module. SmartExergy vertreibt eine Technologie zur Überwachung und Steuerung von Anlagen auf Modulebene. Einzelne Sensoren, die an die Module angebracht werden, kommunizieren über Funk. Das besondere an der Funktechnologie, die während einer Dissertation an der Albert-Ludwigs-Universität entwickelt wurde, ist der vergleichsweise geringe Energieverbrauch.

Telocate ASSIST

Telocate ist eine Ausgründung der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg. Ihr System ASSIST ist eine Art Indoor-Navi: Es erlaubt die zentimetergenaue Navigation mit einem Smartphone. Die App sendet für den Menschen nicht hörbare akustische Signale über den Lautsprecher des Smartphones. Diese Signale werden von Empfängern im Gebäude empfangen, wodurch das Smartphone mit einer hohen Präzision geortet werden kann: In entsprechend ausgerüsteten Gebäuden ist über die Kommunikation von Smartphone und Empfängern eine Ortsbestimmung auf zwanzig  Zentimeter genau möglich. Damit sollen sich beispielsweise blinde und sehbehinderte Menschen besser zurechtfinden können, gerade in großen Räumen wie Flughäfen oder Messehallen. Telocate wurde 2017 mit dem Freiburger Innovationspreis ausgezeichnet.

Geospin

Wo sollte ein Unternehmen eine neue Filiale eröffnen? Wo sollten idealerweise Ladesäulen für Elektroautos aufgestellt werden? Geospin will solche Fragen durch Big Data Analysen beantworten. Das Startup sammelt im Netz frei verfügbare Daten, beispielsweise Ortsdaten über Open-Source-Kartendienste oder Googles „Beliebte Besuchszeiten“. Auch Ortsdaten, die Nutzer von Social Media in ihren Beiträgen offenlegen, werden gesammelt.
Kunden der Uni-Ausgründung sind Unternehmen, die über große Datenmengen verfügen – aber nicht wissen, wozu sie diese nutzen können, oder wie sie auszuwerten sind. Geospin verknüpft diese intern vorliegenden Daten mit den externen Datenquellen zu Standort und Nutzerverhalten, um Antworten zu liefern.

Idana

Tomes GmbH gewinnt den Regional Cup Freiburg © Elevator Pitch BW 2015/2016
Tomes GmbH gewinnt den Regional Cup Freiburg © Elevator Pitch BW 2015/2016

Wenn Ärzte nicht ausreichend Zeit haben, sich um ihre Patienten zu kümmern, kann dies gravierende Folgen haben und Fehler verursachen. Das Gründerteam der Tomes GmbH machte einen Punkt im Gesundheitssystem aus, der sich zeitsparender gestalten könnte: Die Anamnese. Das Team entwickelt mit Idana eine Lösung, die dafür sorgen soll, dass knapp bemessene Behandlungszeit nicht länger auf das Abfragen und Beantworten von Standardfragen verwendet werden muss. Patienten füllen den Anamnese-Bogen am Tablet aus. Die Software soll außerdem spezifische Themen je nach Fachrichtung behandeln und dem behandelnden Arzt zur Gesprächsvorbereitung eine intelligent aufbereitete Zusammenfassung der Antworten des Patienten liefern. Dieser Ansatz überzeugte beim Regional Cup Freiburg in der aktuellen Runde des Elevator Pitch BW: Idana landete auf Platz 1 und qualifizierte sich für das Landesfinale.

Bei unserer Recherche wurden wir von Grünhof, Gründerbüro der Universität Freiburg und IHK Südlicher Oberrhein/Freiburg unterstützt. Vielen Dank für die Tipps!

Euer Startup hätte es verdient, hier erwähnt zu werden? Dann schreibt uns an info(at)techtag.de!