Technik und Code gemeinsam verstehen und erleben – das hat sich der Verein Hackerstolz aus Mannheim zur Aufgabe gemacht. Und wortwörtlich stolz auf das bisher Erreichte kann der Verein auch sein: Hackerstolz kommt auf mittlerweile 75 Mitglieder und veranstaltet 20 Veranstaltungen pro Jahr. Wir haben mit Manuel Rauber über das Image des Coders, über die Ziele des Vereins und über Informatikunterricht gesprochen.

Larry Page, Elon Musk, Mark Zuckerberg – die Nerds von gestern sind die Rockstars von heute. Was glaubst Du, war ausschlaggebend für den Imagewandel des Coders?

Sie haben herausgefunden, wie man die Kellertür öffnet. ;-). Spaß beiseite, alle drei genannten Nerds – die Liste lässt sich auch um weitere Namen wie Bill Gates, Linus Torvalds, Richard Stallman oder Margaret Hamilton und viele mehr erweitern – haben eine Sache gemeinsam: Enthusiasmus. Sie brennen regelrecht für ihre Sache, gar ihr Lebenswerk. Diesen Enthusiasmus tragen sie sowohl nach innen, um ihre Mitarbeiter damit anzustecken und die Firma nach vorne zu treiben, als auch nach außen, um erfolgreiche Öffentlichkeitsarbeit zu machen.

Hackerstolz
Manuel Rauber, Vorstand von Hackerstolz (Foto: Hackerstolz e.V.)

Dazu kommt, dass das Erlernen der Programmierung heutzutage auch noch deutlich vereinfacht wird, sei es durch gute Dokumentationen, Tutorials, Bücher oder Meetup-Gruppen. Es gibt – dank Internet (Kudos an Tim Berners-Lee) – sehr viele Ressourcen und einen weltweiten Austausch. Das war früher natürlich nicht möglich und oftmals musste man sich mit vermeintlich einfachen Problemen lange beschäftigen, während man heutzutage die Antwort oder Anregungen über Suchmaschinen finden kann. Schlussendlich kam das Thema IT durch gute Consumer-Hardware auch in der breiten Öffentlichkeit an. Während früher die ersten mobilen Telefone nur etwas für wichtige Geschäftsmenschen waren, haben heute Kinder und Jugendliche bereits ein Smartphone, Laptop und Computer. Die junge Generation wächst damit auf. Sie ist gewohnt, dass Dinge einen Touchbildschirm haben oder dass man mit Geräten sprechen kann. Es ist alltäglich geworden. Die Nerds von damals haben damit den Alltag für jeden erleichtert.

Und dennoch ist Programmieren für die breite Öffentlichkeit immer noch ein Buch mit sieben Siegeln. War das einer der Beweggründe für Euer Engagement?

Wir glauben daran – und man merkt dies ja schon seit langem – dass die IT allgegenwärtig ist. Angefangen natürlich beim Computer, über Smartphones bis hin zum Smart-TV und Kaffeemaschine. Überall sind Mikrocontroller vorhanden, die eine Maschine steuern. Gerade unsere Smartphones haben mittlerweile sehr viel mehr Rechenleistung als der Computer, der 1969 Apollo 11 zum Mond gebracht hat. Und hier fängt die Diskrepanz leider oftmals auch an: Viele wissen gar nicht, was ihr Smartphone oder Computer leisten kann. Es wird oftmals noch sehr „stiefmütterlich“ behandelt – die Berührungsangst ist groß.

Unser Engagement und Vereinsziel zielt daher auch genau darauf ab: „Das Ziel von Hackerstolz ist es den Wohlstand der Menschheit, der durch die digitale Transformation der Welt geschaffen werden kann, nachhaltig zu maximieren. Das Ziel wird verwirklicht durch die Förderung von Kompetenzen im Bereich der digitalen Medien durch die interdisziplinäre und praxisnahe Vermittlung von Programmierkenntnissen anhand von Programmier-Wettbewerben, Praxis-Workshops und Informationsveranstaltungen“. Ja, ein sehr ambitioniertes Ziel, dass sich nicht von heute auf morgen erreichen lässt, aber durch unsere Events, Formate, konstanter Arbeit und hohen Standard an uns selbst vorangetrieben wird. Daher freuen wir uns immer sehr, wenn auf unseren Events nicht nur die Nerds und Rockstars sind, sondern auch Quereinsteiger und Neulinge. Gerade diese haben den ersten wichtigen Schritt geschafft: Sie beschäftigen sich mit der Materie und suchen Gleichgesinnte, um zu Lernen.

Frei nach dem Motto „Einer muss es ja tun“ habt Ihr dann einen Verein gegründet und ihn Hackerstolz getauft? Wie kam es zu dem Namen?

Der Name Hackerstolz entsprang dem Ort der Gründung, nämlich einer Bar in Mannheim: Hagestolz. Coincidence? 😉 Gegründet wurde Hackerstolz um den Hackathon „Edu{Hacks}“ im MAFINEX in Mannheim ausrichten zu können. Da unsere Veranstaltungen für Teilnehmer generell kostenfrei sind, sind wir auf Sponsoren und Partner angewiesen, die uns sowohl finanziell als auch materiell unterstützen. Hier wurde ein Konstrukt benötigt, welches mit Sponsoren und Partner sprechen und Unterstützung erhalten kann. Aus diesem Grund wurde die Vereinsform gewählt, da sie recht schnell gegründet werden konnte und auch in der Organisation einfach handzuhaben ist.

Als Teil Eurer Arbeit veranstaltet Ihr regelmäßig Hackathons, mehrtägige Programmiersessions zu Themen wie Mobility, Education oder Food. Wann und wo findet der nächste statt? Und gibt es wieder ein spezielles Thema?

Unser nächster großer Hackathon Inno{Hacks} findet vom 29. September bis 1. Oktober in Karlsruhe statt. Inno{Hacks} haben wir bereits 2016 in Karlsruhe ausgerichtet und aufgrund des tollen Feedbacks entschlossen, ihn auch dieses Jahr auszurichten. Mit Inno{Hacks} haben wir 2016 einen Versuch gestartet, einen Hackathon nicht speziell auf ein Thema auszurichten, wie wir es bei anderen Hackathons bisher gemacht haben, sondern interessante Technologie- und API-Partner zu finden, mit denen die Teilnehmer arbeiten können. Das offene Thema lässt der Kreativität eines jeden Einzelnen freien Lauf, um vielleicht auch mal etwas verrücktere Dinge auszuprobieren.

Zusätzlich ist für dieses Jahr auch noch der Hackathon LOL{Hacks} in München geplant. Der Name ist hierbei auch Programm: Erstellen von verrückten und auch unsinnigen Sachen zur Erheiterung des Benutzers. Wann genau und wo der Hackathon stattfinden wird, ist noch offen. Über unsere Kanäle, wie Facebook oder Twitter, veröffentlichen wir die Information sobald sie vorliegt.

Anfang nächsten Jahres plant unsere Initiative Hackerstolz Women eine Konferenz von und für Frauen, die sich für das Thema IT interessieren. Mit spannenden Vorträgen und Networkingmöglichkeiten wird eine Plattform für alle interessierten geschaffen, um sich zu informieren und auszutauschen. Veranstaltungsort wird Mannheim sein, der genaue Termin ist auch hier noch offen.

Mit der Hackschool bietet Ihr außerdem kostenfreie Workshops an, in welchen Experten Wissen in verschiedenen Themengebieten vermitteln. Welche Themen werden darin behandelt?

In unseren Hackschools, welche aktuell in Mannheim und Karlsruhe stattfinden, versuchen wir einen Fokus in Richtung Web und JavaScript zu setzen. Je nach Hackschool laden wir bekannte Sprecher ein, um über Themen im Detail zu sprechen oder bieten Anfängerkurse an, um beim Thema Programmierung Fuß zu fassen. Daneben haben wir auch gerne Themen, die zum Thema IT passen. Sei es Sicherheit, HTTPS oder IT Pro Themen wie Docker & Deployment. So ist für jeden etwas dabei.

Die Hackschool ist eine sehr familiäre Umgebung. Das gemeinsame Lernen und Erforschen stehen im Vordergrund. Daher freuen wir uns auch über Sprecher, die noch nicht viel Erfahrung haben und eben genau dies lernen möchten: Das Sprechen vor einer Gruppe und Führen eines Workshops. Hier unterstützen wir gerne bei der Vorbereitung des Vortrags, um das bestmögliche zu erreichen.

Gerade in unseren Hackschools haben wir eine hohe Diversifikation an Berufen und Karriereleveln. Von jahrelangen Freelancern, über Quereinsteiger bis hin zu Juristen, die sich für die Entwicklung interessieren, ist alles mit dabei. Neben den spannenden Themen der Hackschool, lernt man auch spannenden Menschen mit unterschiedlichen Hintergründen und Motivationen kennen. Übrigens, wir sind gerade dabei, die Hackschool auch in Frankfurt am Main zu etablieren.

An normalen Schulen sind die Bedingungen in Deutschland leider nicht so gut wie an der Hackschool: Lernmaterialien sind oft veraltet und es fehlt an guten Fortbildungsmöglichkeiten für Lehrkräfte. Was muss sich tun, damit Deutschland nicht den Anschluss verliert?

Nicht stehenbleiben. Und das ist ernst gemeint. Das Thema IT bewegt sich mit einer wahnsinnigen Geschwindigkeit. Was heute aktuell ist, kann in einem Jahr schon wieder alt sein. Daher ist es sehr wichtig, dass Menschen, die das Thema IT lehren, auch immer selbst am Ball bleiben, ihre Materialien aktualisieren und sich selbst fortbilden. Diese Möglichkeit muss jedem gegeben sein, ohne zuvor hunderte Anträge zu erstellen und mit einer Flut von Formularen erschlagen zu werden. Man kennt es ja ;-). Gerade hier ist die Vernetzung untereinander sehr wichtig, denn alleine kann man diese Geschwindigkeit nicht erreichen. Hier gibt es bereits viele Gruppen und Initiativen wie bspw. Jugend hackt, EduLabs oder die Open Knowledge Foundation, die teilweise auch vom Bundesministerium für Bildung und Forschung unterstützt und gefördert werden. Auch hier ist es sehr wichtig, Menschen und Gruppen zu finden, die für diese Themen brennen, um diese gezielt unterstützen zu können. Gemeinsam können wir viel mehr erreichen.

Wird Programmieren künftig eine der wichtigsten Fertigkeiten sein, die es zu erlernen gilt?

Programmieren ist heute schon eine wichtige Fertigkeit. Ob sie jeder beherrschen muss? Wir glauben nicht. Was wir aber glauben ist, dass sich jeder mit seiner IT, die er zu Hause hat und tagtäglich nutzt, auseinandersetzt und versteht, da mehr und mehr digital wird. Das fängt schon beim Beurteilen von E-Mails an, ob das Katzenvideo von Max Mustermann tatsächlich von ihm gesendet wurde und ein echtes Video oder eine Spam-E-Mail mit Virus ist. Und geht natürlich weiter über Online-Banking und der digitalen Vernetzung der Familie bis hin zum Smart Home.

Welche Tipps habt Ihr für Leute, die sich im Selbststudium das Programmieren beibringen wollen? Gibt es empfehlenswerte Bücher, Videos oder Tutorials?

Der wohl wichtigste Tipp ist: nicht aufgeben. Der Anfang ist schwer. Man muss viel ausprobieren, herumtüfteln und sich austauschen. Und man wird nie fertig: Code lebt, muss angepasst und umgeschrieben werden. Es ist wie das Spielen mit Lego: Man hat einen riesigen Baukasten, aus dem man unterschiedliche Teile herausnehmen und kombinieren kann. Zusätzlich sollte man neben dem Erlernen der Programmierung sich auch Englisch in gewissen Zügen aneignen, da viele Ressourcen nur auf Englisch verfügbar sind und die Programmiersprache selbst auch in Englisch ist.
Online gibt es viele gute freie und kommerzielle Angebote. Bei den freien Angeboten wäre z.B. CodeAcademy oder nodeschool.io zu nennen, die allerlei verschiedene Kurse anbieten, um einen ersten Einstieg zu erleichtern.

In diesem Sinne: Happy coding!