Infolge der Corona-Krise hat die Bundesregierung ein Konjunkturpaket mit 130 Milliarden Euro geschnürt. Auch die Digitalisierung soll damit vorangebracht werden. Doch das allein wird nicht reichen, um Deutschland fit für die digitale Zukunft zu machen. Ein Kommentar.

Als sich andeutete, dass die Corona-Pandemie weltweit große Teile des öffentlichen Lebens lahmlegen wird, gab es einige Länder, die den Schulunterricht von einem Tag auf den anderen auf Home Schooling umstellen konnten. Entsprechende Plattformen wurden ohnehin schon viele Jahre lang genutzt – und dass jedes Kind ein Tablet oder einen Notebook besitzt, war selbstverständlich. Videosprechstunden beim Arzt und anschließend das Rezept per App? Klar doch. Behördengänge im Netz? Virtuelle Konferenzen? Bargeldloses Bezahlen? Im Jahr 2020 alles selbstverständlich.

Außer man lebt in Deutschland. Seit fast zwei Jahrzehnten wird auf politischer Ebene über die Digitalisierung gesprochen, aber erst ein Virus hat es geschafft, der Öffentlichkeit vor Augen zu führen, wie analog wir hierzulande größtenteils noch agieren.

Werfen wir einen Blick auf einige Beispiele:

  • Home Schooling: Während andernorts im digitalen Klassenzimmer unterrichtet wurde, erhielten die Schülerinnen und Schüler in Deutschland ihre Aufgaben zum Teil mit der Post (!). Einheitliche digitale Lernplattformen? Fehlanzeige. Kontakt via E-Mail? Kaum eine Lehrkraft verfügt über eine dienstliche E-Mail-Adresse. Chat-Gruppen oder Unterricht per Videocall? Könnte man machen, aber „Datenschützer sehen das kritisch.“
  • Digitale Verwaltung: Theoretisch kann man sogar in Deutschland bestimmte (wenngleich nicht viele) Behördengänge online erledigen, nur hat kaum jemand die Online-Ausweisfunktion aktiviert. Zudem kocht hier jede Kommune ihr eigenes Süppchen. Immerhin stellten einige Behörden auf bargeldloses Bezahlen um – „aber nur mit EC-Karte versteht sich.“
  • Home OfficeBeim Thema New Work und Home Office wurden gleich an mehreren Fronten Kämpfe ausgetragen. Einerseits sahen es zahlreiche Geschäftsführer kritisch, ihre Mitarbeiter ins Home Office zu entlassen. Dass einige sogar Privatdetektive engagierten, um überprüfen zu lassen, ob am heimischen Arbeitsplatz auch wirklich gearbeitet wird, ist wenig verwunderlich. Andererseits waren die IT-Abteilungen der meisten Firmen schlichtweg davon überfordert, die Infrastruktur so kurzfristig auf Remote Working umzustellen. Und die Arbeitnehmer? Denen mangelte es wahlweise an Notebooks oder an schnellem Internet.

Konjunkturpaket: Milliarden für die Digitalisierung

All das nahm die Bundesregierung nun zum Anlass, um die Digitalisierung in Deutschland mit mehreren Milliarden Euro voranzutreiben. Zu den geplanten Maßnahmen zählen unter anderem:

  • 150 Millionen Euro, um den Mobilfunkempfang in Zügen zu verbessern.
  • 2 Milliarden Euro, um die Forschung im Bereich Netztechnologien zu fördern.
  • 300 Millionen Euro, um ein Konzept für eine digitale Identifizierungsmöglichkeit für die Bürgerinnen und Bürger zu entwickeln.
  • 3 Milliarden Euro, um die Umsetzung des Onlinezugangsgesetztes zu beschleunigen. Bei diesem geht es in erster Linie darum, eine Vielzahl von Verwaltungsleistungen digital anzubieten.
  • 500 Millionen Euro, um das „Smart City„-Programm zu fördern.
  • 4 Milliarden Euro, um die Forschung und Entwicklung im Bereich KI zu unterstützen.
  • 500 Millionen Euro, um auch die Bundeswehr in puncto Digitalisierung voranzubringen.

Zudem soll eine noch unbestimmte Summe in den Ausbau der Glasfaserinfrastruktur fließen – und auch die Digitalisierung der Bildung soll auf Länderebene stärker gefördert werden.

Es mangelt an der Akzeptanz digitaler Lösungen

Auch wenn die oben genannten Summen oftmals nur Tropfen auf den heißen Stein sind, ist es löblich, dass die Bundesregierung das Thema Digitalisierung nun endlich anpacken will. Geld allein genügt dafür allerdings nicht. Noch viel wichtiger ist es, den Bürgerinnen und Bürgern die Vorteile digitaler Lösungen vor Augen zu führen. Denn nur wenn die Bereitschaft zur Akzeptanz neuer Technologien da ist, kann die Digitalisierung gelingen.

Derzeit sucht man nach dieser Bereitschaft leider noch vergebens. Viele Geschäftsführer können es kaum erwarten, ihre Mitarbeiter endlich wieder aus dem Home Office zurückzuholen. Lehrer freuen sich darauf, ihre kopierten Arbeitsblätter endlich wieder im Unterricht austeilen zu können. Videosprechstunden beim Arzt wurden vielerorts eingestellt, sobald es die Situation wieder zugelassen hat. Und bargeldloses Bezahlen? Baumärkte wie Obi oder Hornbach, die ihre Kunden darum baten, möglichst bargeldlos zu bezahlen, zogen einen veritablen Shitstorm auf sich – „Bargeld ist Freiheit!“

Milliarden an Förderung nutzen nichts, wenn die Menschen in Deutschland nicht dazu bereit sind, sich weiterzuentwickeln und mit der Zeit zu gehen. Hier muss die Politik ansetzen  und den Bürgerinnen und Bürgern die Angst vor neuen Technologien nehmen.

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Frank Feil
Frank Feil, Jahrgang 1986, berät und schult regionale sowie überregionale Unternehmen in den Bereichen Social Media und Corporate Publishing. Zudem ist er als freier Autor tätig. Schon von Kindesbeinen an fasziniert ihn alles, was mit Technik und dem Internet zu tun hat. Seit 2006 ist er als Blogger und Community Manager im Netz unterwegs.