Spätestens wenn sich das Studium dem Ende neigt, machen sich Studierende Gedanken darüber, was danach kommen soll. Während die einen ihren Traumjob vor Augen haben und schon fleißig Bewerbung um Bewerbung schreiben, steht für die anderen fest: Ich will mein eigener Chef sein. Aber was versprechen sie sich davon?

So ergibt eine von uns im Juni 2016 durchgeführte Studie, dass 57 Prozent der tausend befragten Studierenden den Wunsch haben, sich mit einem eigenen Unternehmen selbständig zu machen. Teilweise schon während des Studiums. Und dabei sind materielle Werte nicht einmal der hauptsächliche Antrieb, sondern es geht vielmehr darum eigenständig etwas Neues aufzubauen, der eigene Chef zu sein und etwas in der Welt zu bewegen – Geld rangiert erst auf den nachfolgenden Plätzen.

Man möchte meinen, dass es andere Sorgen während des Studiums gibt, als schon darüber nachzudenken, sich selbständig zu machen. Aber die Erfolgsgeschichten von einst kleinen Startups wie Zalando oder Movinga wecken den Unternehmergeist in den Studierenden. Aber während viele Gründe dafürsprechen, gibt es ebenso viele, die gegen eine Gründung sprechen.

Vorteile und Risiken junger Gründer
Immer mehr Studierende wollen ihr eigener Chef sein, doch auch sind sie sich über die Risiken als junge Gründer bewusst. (Grafik: Campusjäger)

Selbst und ständig

Der zusätzliche Aufwand darf nicht unbeachtet bleiben und hält letztlich viele Studierenden von der Selbständigkeit ab. Auf dem Papier ist ein Unternehmen zwar schnell gegründet, aber es wirklich zum Laufen zu bekommen erfordert viel Arbeit, Hingabe und Zeit. Schon der Wechsel in eine geregelte 40-Stunden-Woche kann eine besondere Herausforderung an die eigene Disziplin darstellen. Ein eigenes Unternehmen fordert noch mehr, gerade anfangs. Immer wieder liest man von Gründern, die Nächte durchgearbeitet und auf freie Tage verzichtet haben, um voranzukommen. Und reicht die Motivation nicht, um gerade am Anfang am Ball zu bleiben, löst sich das eigene Unternehmen schnell wieder in Luft auf.

Aber auch wer mit Leib und Seele für sein Startup brennt, hat keine Garantie auf Erfolg. Das Risiko ist mit Abstand der häufigste Grund für Studierende, nicht zu gründen. Nach den vielen Erfolgsgeschichten haben viele eine idealisierte Vorstellung im Kopf. Vom problemlosen Start führt die Idee mit ein bisschen Marketing zu Investitionen in Millionenhöhe und nach wenigen Jahren folgt der Exit und das nächste erfolgreiche Projekt. Häufig wird vergessen, dass es eben nicht so reibungslos laufen kann. Die Nachfrage ist kleiner als erwartet, die Konkurrenz dafür umso größer und die Bürokratie überwältigend.

Denn auch das Schreiben von Rechnungen, über Verträge und Buchhaltung bis zur Steuererklärung muss erst einmal gelernt sein. Wer sich bereits mit solchen Themen auseinandergesetzt hat, kann typische Fehler vermeiden und kommt schneller voran. Aber nicht jeder Gründer hatte entsprechende Vorlesungen und viele Studierende glauben nicht, dass ihr Knowhow zum Gründen ausreicht. Scheinbar mangelndes Fachwissen ist ein weiterer Grund, aus dem es häufig nur bei der Idee bleibt.

Wenn nicht jetzt, wann dann?

Und dennoch: Während des Studiums zu gründen ist keineswegs unmöglich. Auch nicht schwieriger als zu einem x-beliebigen anderen Zeitpunkt. Es ist einfach anders. Und die meisten Gründer, die es gewagt haben, würden es wieder tun. Denn viele der Nachteile können, im richtigen Licht betrachtet, zu Vorteilen werden.

Der Zeitaufwand bleibt natürlich bestehen und als Zusatz zum Studium wird die Freizeit sicherlich leiden, aber das wird nicht einfacher, wenn der Arbeitsalltag erst einmal begonnen hat. Dafür sind Studierende in der Regel flexibler und können sich an die Bedürfnisse ihres Geschäfts anpassen. Selbst wer plant, nach dem Abschluss durchzustarten, sollte sich überlegen, schon während des Studiums den Grundstein dafür zu legen, damit die Finanzierung bis dahin steht. Denn ein Unternehmen braucht erst einige Zeit, bis Umsätze erwirtschaftet werden, die hoch genug sind, um Lebenshaltungskosten zu decken.

Mit Erfahrung fallen viele Dinge leichter, aber ein gewisses Risiko bleibt immer. Wer ein Unternehmen von Grund auf aufbaut, wird zwangsläufig Fehler machen und es wird nicht immer alles rund laufen. Dafür haben Studierende den Vorteil, dass sie gemeinsam mit ihrem Unternehmen wachsen können. Das hilft dabei, Prozesse so einfach wie nötig und dennoch so effizient wie möglich so gestalten sowie immer den Überblick zu behalten. Thematisch passende Studieninhalte können hierbei einen Leitfaden bilden, an dem sich die Studierenden orientieren können. So kann das Gelernte direkt in die Praxis umgesetzt werden.

Zusätzlich unterstützen viele Hochschulen die Gründungsprojekte ihrer Studierenden durch Beratungsangebote und Hochschulgruppen. Zwar ist über die Hälfte der Studierenden der Meinung, dass diese Angebote noch ausgebaut werden könnten, aber trotzdem ist jeder, der meint, nicht über das nötige Knowhow zu verfügen, dort bestens aufgehoben und wird aktiv unterstützt.

Studierende haben also schon während ihrer Studienzeit gute Voraussetzungen, ein Unternehmen aufzubauen.  Zusätzlich zur Idee brauchen sie nur ein wenig Mut, den Schritt zu wagen und ihren Traum zu verfolgen.