Im GründerView stellen wir spannende StartUps und ihre Ideen vor. Das Berliner Gründer-Duo Anna Kaiser und Jana Tepe wollen mit Jobsharing die klassische Arbeitswelt revolutionieren. Das Prinzip ist einfach: Ein Job, zwei Bewerber, mehr Potenzial – aber vor allem mehr Zeit für sich. Bei Tandemploy teilen sich zwei Menschen die Arbeit, verdienen zwar weniger, aber haben dafür umso mehr Zeit ihren individuellen Bedürfnissen nachzugehen. Die beiden Gründerinnen im Interview.

techtag: Euer StartUp in einem Tweet!

Jana: Auf unserer #Plattform Tandemploy.com finden Menschen den perfekten Partner zum Teilen eines Jobs und Firmen, die #Jobsharing offen gegenüberstehen.

Wer oder was inspirieren euch?

Anna: Menschen, die mutig sind und sich trauen, Dinge anders zu machen. Menschen, die nicht aus Bequemlichkeit gehorsam sind. Unternehmer und Unternehmerinnen, die menschlich handeln und wirtschaften und es schaffen, ihre Firmen nachhaltig auf dieser Basis aufzubauen.

Mehr Zeit, weniger Stress, eine höhere Lebensqualität. In Schweden führen einige Unternehmen schon den 6-Stunden-Tag ein. Was unterscheidet Tandemploy von einer Teilzeit-Stelle?

Jana: Jobsharing bedeutet im Gegensatz zur Teilzeit eine ganz andere Art und Weise, Arbeit zu denken und zu organisieren. Zwei Jobsharer teilen sich eine Aufgabe (dies kann auch mehr als die klassische 100%-Stelle sein) mit einem gemeinsamen Ziel und gemeinsamer Verantwortung. Sie organisieren ihre Arbeitsbeziehung sehr eigenverantwortlich, legen also selber fest, wer wann was tut. Für den Chef, so die Idee, sind sie fast wie eine Person. Für die beiden ist das Ganze allerdings maximal flexibel.

Durch dieses enge Teamwork werden plötzlich Stellen teilzeittauglich, die es bis dato gar nicht waren – selbst bis in die Führungsetagen.

Der 6-Stunden-Tag ist aus unserer Sicht übrigens eine tolle Erfindung, denn wenn wir ehrlich sind, arbeitet niemand 8 Stunden am Tag durchweg produktiv. In vielen Jobs, gerade im Bereich der „Kopfarbeit“, kann man in 6 Stunden oft das Gleiche schaffen wie in 8.

Bis wir in Deutschland, Österreich und der Schweiz aber soweit sind, behelfen wir uns mit Jobsharing :-). Hier arbeitet dann der einzelne weniger und zusammen bringt man mindestens doppelte Power für den Arbeitgeber. So freuen sich alle.

In Deutschland gibt es ja die klassische „Einarbeitungszeit“ oder die Berichterstattung, die nachvollziehbar macht, in welchem Stadium man gerade in welchem Projekt ist. Wie hoch ist der Abstimmungsaufwand zwischen den beiden Mitarbeitern? Bedeutet das für den Arbeitnehmer einen größeren Self-Management-Aufwand? Und geht zunächst nicht viel Zeit verloren anstatt zu gewinnen?

Anna: Natürlich müssen sich Jobsharer anfangs aufeinander einstellen und erst einmal einen gemeinsamen Modus der Zusammenarbeit finden. Unserer Erfahrung nach gelingt das aber innerhalb weniger Wochen – und danach dauern die wöchentlichen Übergaben nur noch 1-2 Stunden.

Die Übergaben sollte man allerdings auch nicht als Mehraufwand ansehen, sondern als sehr wertvolle Zeit, die die Tandems zu einer ständigen Reflexion und einer sehr guten Priorisierung nutzen. Das führt zu besseren Ergebnissen und einer höheren Qualität der Arbeit.

Tatsächlich haben die Jobsharer dabei viel Verantwortung, ihre Initiative ist gefragt und sie managen sich zu großen Teilen selber. Dadurch wird der Managementaufwand seitens des Vorgesetzten auch nicht wie oft vermutet größer, sondern bleibt gleich oder wird sogar geringer – je nachdem, wie gut dieser oder diese abgeben und loslassen kann.

Nach welchen Kriterien läuft der Matching-Algorithmus auf eurer Homepage? Ist Jobsharing nicht auch ein Zufallsprojekt?

Anna: Vor Tandemploy war Jobsharing in Firmen noch ein starkes Zufallsprodukt. Wir haben uns nun die digitalen Medien zunutze gemacht, um Jobsharing einfacher und wahrscheinlicher – und für Firmen auch strategisch nutzbar zu machen.

Mit unserem Algorithmus helfen wir bei der Tandempartnersuche auf die Sprünge – und achten dabei auch ganz besonders auf die weichen Faktoren. Denn eins, da sind sich alle Jobsharer einig, ist im Tandem absolut wichtig: die richtige Chemie.

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Ein Job, Zwei Bewerber, weniger Stress – mit Tandemploy muss man einfach nur noch den passenden Tandempartner finden (Video: Youtube)

Jobsharing löst viele Probleme der Arbeitswelt, vor allem aus der Sicht der Arbeitnehmer. Doch wie funktioniert das mit dem Ego beim „Topsharing“ – wenn sich Zwei eine Führungsposition teilen?

Jana: Das Ego muss man draußen lassen, denn im Tandem ist man ein Team. Man teilt Lob, aber auch Fehlschläge – und macht sich naturgemäß ersetzbar.

Bei Krankheit oder im Urlaubsfall können Tandempartner ohne Probleme füreinander einspringen. Das ist großartig, weil das Wissen plötzlich nicht mehr an einzelnen Inseln im Unternehmen hängt. Wer diesen transparenten Wissenstransfer allerdings fürchtet, ist in dem Arbeitsmodell nicht gut aufgehoben.

Die Topsharer, die wir kennen, sind in der Regel gute Teamplayer, die vertrauensvoll zusammenarbeiten, aufeinander Rücksicht nehmen und füreinander mitdenken, offen und klar kommunizieren und auch bemüht sind, Konflikte direkt anzusprechen und zu bewältigen. Eigentlich genau die Führungskräfte, die man sich wünscht, oder?

Welche App darf auf keinem Smartphone fehlen?

Jana: Bei Jobsharern ganz klar: der gemeinsame Kalender ;-)!

Was ist deine Empfehlung für die Mittagspause?

Anna: Auch wirklich Pause machen. Rausgehen, sich bewegen – mit Kollegen gemeinsam essen oder auch mal im Büro kochen. Hauptsache nicht alleine am Schreibtisch essen – diese Art der Nahrungsaufnahme kann man sich auch gleich sparen.

Ihr habt eine erfolgreich eine Crowdfunding-Kampagne abgeschlossen und wurdet von der BBC zu den 100 inspirierenden Frauen des Jahres gewählt. Wie sehen eure nächsten Schritte aus?

Jana: Die Crowdfundingkampagne liegt tatsächlich schon wieder über ein Jahr zurück. Die Zeit rast :-). Für 2016 haben wir mit unserem Team viel vor. Wir werden uns sehr dafür ins Zeug legen, dass Jobsharing wirklich in aller (!) Munde und Köpfen ist – und jedem, der davon profitieren kann, bekannt ist. Bei der Umsetzung sollte man idealerweise natürlich an uns denken.

Mit Jobsharing beeinflusst ihr gerade die Zukunft des Arbeitsmarkts und der Generation Z (1995-2010), die somit einen ganz anderen Zugang zum Arbeitsmarkt bekommen und neue Modelle und Optionen kennen lernt. Wie nachhaltig wird Jobsharing die Arbeitswelt beeinflussen?

Anna: Wir gehen davon aus, dass Jobsharing in der nächsten Dekade eine wichtige Rolle auf dem Arbeitsmarkt spielen wird. Diese Form der Arbeit ist einfach zeitgemäß und löst auf so kreative und gleichzeitig pragmatische Art viele Probleme, die wir heute mehr denn je haben.

Folgt ihr selber auch dem Prinzip des Jobsharings und teilt euch die Arbeit?

Jana: Aber klar. Wir zwei teilen uns die Geschäftsführung von Tandemploy. Eine klassische 80-Stunden-Woche durch zwei geteilt, mit allen Vorteilen des Jobsharing: Wir können uns jederzeit problemlos vertreten und für die andere einspringen, entscheiden wichtige Dinge nach dem 4-Augen-Prinzip und ergänzen uns noch dazu perfekt in unseren Stärken.

Auch 4 unserer Mitarbeiter im Sales und Marketing arbeiten im Jobsharing, jeweils mit 25-30 Stunden. Für uns als Arbeitgeberinnen ist das toll, weil unsere Tandems sehr eigenverantwortlich handeln und eine unglaubliche Dynamik in den Teams entsteht. Außerdem bringen sie für uns jeweils doppelte Kompetenz und Ideen mit.

Wirklich praktisch :-).

Über Jana Tepe, Anna Kaiser und Tandemploy

Anna Kaiser und Jana Tepe gründeten zusammen im Jahr 2013 das Startup Tandemploy. Die Idee dahinter ist eine lebensfreundlicheren Arbeitswelt zu schaffen, in der Menschen durch clevere Zusammenarbeit mehr erreichen. Mit Tandemploy bieten sie den weltweit ersten Full-Service-Anbieter zum Thema Jobsharing.
www.tandemploy.com

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