Im GründerView stellen wir in regelmäßigen Abständen spannende StartUps vor. Das Team von Coboc produziert E-Bikes. Nicht so innovativ? Doch, denn man sieht weder Antrieb noch Akku. Wie die Realisierung dieser Idee mit Geduld, Fachwissen und Bootstrapping funktioniert hat, erklärt Mitgründer Pius Warken.

techtag: Euer StartUp in einem Tweet!

Pius Warken: #Coboc steht für Hightech Elektrofahrräder „Made in Germany“ – hochfunktional, stilbewusst und ungeschlagen leicht.

>Wer oder was inspirieren dich?

Mich faszinieren gut designte Produkte die ausgezeichnet funktionieren und auf einem wohl durchdachten Konzept basieren. Dann habe ich großen Respekt vor der geleisteten Pionierarbeit bei der Gestaltung und Entwicklung. Ein solches Produkt weckt zwangsläufig Bedürfnisse beim Konsumenten und setzt sich mit sehr großer Wahrscheinlichkeit langfristig am Markt durch. Man denke nur an das Paradebeispiel „iPhone“.

Gegenbeispiele gibt es hier viel zu oft. Es werden viele Produkte, auch in unserer E-Bike Branche vorgestellt, die viel versprechen, aber sich anschließend als unausgereifte, billige Importware herausstellen. Echte Innovation ist meiner Meinung nach immer eng verknüpft mit technologischer Kompetenz der Macher.

Das von euch entwickelte E-Bike versteckt Motor und Akku geschickt im Rahmen. Kam vor euch noch kein Hersteller auf diese Idee? Und was ist die Schwierigkeit bei der Umsetzung?

Auf die Idee kamen mit Sicherheit schon einige Hersteller, was fehlt, ist oft das technische Know-how und die Abhängigkeit von Antriebszulieferern. Viele E-Bikes am Markt erinnern an die Pionierzeit des Automobils. Damals baute man einen Motor und einen Tank auf eine Kutsche. Die grobe Funktion war damit gegeben. In der Regel setzen die Hersteller von E-Bikes Antriebssysteme ein, die bereits am Markt erhältlich sind (Bosch, Continental, Panasonic, etc.). Die Konsequenz ist, dass das Antriebssystem im Mittelpunkt steht und sich das E-Bike den Anforderungen, den Einschränkungen und dem Design des Antriebssystems unterordnen muss.

Unsere Herangehensweise war genau anders herum; wir wussten genau, wie unsere Elektroräder aussehen sollen: schlank, puristisch und mit dem gradlinigen Rahmendesign eines Singlespeed-Bikes. So haben wir das Antriebssystem speziell für unser Elektrorad gebaut. Natürlich dauert das. Speziell das hohe Maß an Miniaturisierung der elektronischen Antriebskomponenten und eine Vielzahl von Prototypen erforderten drei Jahren Forschung und Entwicklungszeit bis zum zur Marktreife des Coboc eCycles. Die Elektronik und Software sowie der Akku wurden vollständig bei Coboc entwickelt. Vielen E-Bike Herstellern fehlt zu diesem Schritt das nötige Fachwissen. Bei Coboc arbeiten Physiker und Elektrotechniker zusammen.

Die Präsenz von E-Bikes wächst stetig – unter sportlichen Radfahrern sind sie aber oft noch verpönt. Wie überzeugt ihr die Kritiker?

Es braucht es nicht viele Argumente, man muss sich nur unser cleanes eCycle anschauen und eine Runde in die Pedale zu treten, das sagt alles. 13,5 Kilogramm Gesamtgewicht sind zudem eine Kampfansage am Markt und sollte der Strom unterwegs mal ausgehen, fährt sich unser eCycle wie ein normales Fahrrad. Unser Bedienkonzept ist ebenfalls extrem einfach. Durch unsere intelligente Software können wir auf die E-Bike-typische Bedienkonsole mit all ihren Kabeln verzichten. Das eCycle muss man nur ein- und ausschalten und los gehts.

Darüber hinaus sehen wir keinen Konflikt zum mechanischen Sportrad. Unsere Elektrofahrräder stehen vielmehr für eine neue Fahrzeugkategorie in der urban-elektrischen Fortbewegung mit dem klarem Fokus auf Fahrspaß.

Wo und wie werden die Komponenten eurer eCycles gefertigt?

Unsere Elektroräder werden bislang in unserer Manufaktur in Heidelberg entwickelt und hergestellt. Hier montieren wir die Antriebe und die Bikes. Der Rahmen wird in Karlsruhe handgeschweißt, der Akku wird bei Frankfurt konfektioniert und die Elektronik wird in Baden-Württemberg bestückt. Um den Service für den Fachhandel einfach zu halten werden unsere Elektroräder mit hochwertigen Radkomponenten komplettiert. Durch unsere sehr hohe Fertigungstiefe ist uns ein enger Kontakt zu unseren Zulieferern und Entwicklungspartnern sehr wichtig.

Ein Großteil der Antriebselektronik entstand in Zusammenarbeit mit dem Lehrstuhl für Hybridelektrische Fahrzeuge des Karlsruher Instituts für Technologie. Diesen Technologievorsprung merkt man dem eCycle an. Nur so konnten wir unsere Ansprüche an Gewicht, Design und Funktion umsetzen. Das macht uns am Markt einzigartig.

Das E-Cycle ist handmade in Germany.
Die Komponenten der E-Cycles von Coboc werden in Karlsruhe, Frankfurt und Heidelberg gefertigt (Bild: Coboc)

Was ist deine Empfehlung für die Mittagspause?

Wenn mal Zeit für eine längere Mittagspause ist, hat Heidelberg viele schöne Ecken. Im Sommer ist man schnell am Neckar und hier im Gründerzentrum gibt’s mit dem Café Leitstelle ein nettes Café.

Ihr sitzt in Heidelberg, das als Stadt eher für sein Schloss als für Hightech bekannt ist. Was bietet der Standort Gründern?

Ja, es stimmt, dass Heidelberg nicht wirklich für seine Gründerszene bekannt ist. Unser Firmensitz ist im neuen Kultur- und Kreativwirtschafts-Gründerzentrum Dezernat 16. Dieses von der Stadt Heidelberg 2014 gestartete Projekt ist sicherlich ein guter Schritt um den Gründergeist in der Stadt zu stärken. Gleichzeitig gibt es hier noch sehr viel Potential. Gerade für Start-Ups mit Wachstumspotential, zu denen auch wir zählen, wird es mit dem Raumangebot schon etwas schwierig. Ich hoffe, dass hier in naher Zukunft von städtischer Seite einiges vorangetrieben wird.

Insgesamt aber bietet die Rhein-Neckar-Region ein breites Angebot aus unterschiedlichsten Technologiebereichen, so dass wir bisher unsere Standortwahl nicht bereut haben.

Habt ihr als Gründerteam eine fest geregelte Arbeitsteilung? Oder sitzt jeder von euch mal beim potentiellen Vertriebspartner und mal in der Fertigung und brütet über neuen Entwicklungen?

Nein, jeder in unserem Team ist einem anderen Bereich Spezialist. David Horsch und ich, als zwei Diplom-Physiker haben die Firma Coboc 2011 gegründet. David zeichnet sich vor allem für das Engineering und die Finanzwelt verantwortlich, ich konzentriere mich eher auf die Gebiete Produktion und Kommunikation. Anton Trojosky ist unschlagbar im Bereich Hard- und Softwareentwicklung. Peter Verschaeve ist leidenschaftlicher Verkäufer und verantwortet daher den Bereich Sales und Marketing. Sebastian, Niklas und Daniel montieren die Elektroräder und machen die Endkontrolle.

Neben den Kernaufgaben werden natürlich bei Coboc die strategisch wichtigen Dinge im Team entschieden.

Dein Rat für jeden Gründer?

Im E-Bike Markt ist es wie in vielen Branchen – echte Innovationen kommen größtenteils von kleinen Unternehmen. Gründe dafür sind mit Sicherheit die Flexibilität und Freiheit schnell Entscheidungen zu treffen und kreative Ideen umzusetzen. Genau das ist meine Motivation selbstständig zu arbeiten. Natürlich ist das Ganze mit unglaublich viel akribischer Arbeit verbunden. Die Idee selbst ist nur ein ganz kleiner Teil im Geschäftsmodell. Die Umsetzung und Vermarktung ist wesentlich für den Erfolg. Darüber sollte sich jeder, der eine Firma gründen will, bewusst sein.

Über welche Stolpersteine musstet ihr während der Gründung steigen? Die Fertigung der Prototypen war ja sicher durchaus kapitalintensiv…

Stolpersteine gibt’s immer und das die Planung immer aufgeht ist unrealistisch. Man sollte sie aber sportlich sehen und die Herausforderung annehmen. Bisher haben wir alle Hürden gut gemeistert. Kapitalintensiv – ja, die ersten Jahre haben wir komplett im Bootstrapping Modus entwickelt. Das war zwar hart, aber trotzdem war die Entwicklung äußerst effektiv. 2012 konnten wir einen Großteil der Kosten für das Prototyping über den Hightech-Innovationsgutschein des Landes Baden-Württemberg finanzieren. Kurz vor Markteinführung gaben uns dann 2013 der Gewinn der beiden in der Radindustrie renommierten Preise „ISPO brandnew“ und der „Eurobike Gold Award“ den notwendigen Rückenwind.

Unsere nächste Hürde wird der Schritt von der Coboc Manufaktur hin zum Hersteller sein. Mit unserem Antriebssystem haben wir ein solides Fundament. Durch unsere hohe Entwicklungstiefe sind wir unabhängig und flexibel in zukünftigen Produktentwicklungen und in der Wahl unserer Lieferanten. Unser erstes Modell wird durchweg positiv im Markt angenommen. Kurz: unser Wachstumspotential ist enorm.

Wir können uns gut vorstellen, unser Wachstum und den gezielten Ausbau des Produktportfolios durch ein Investment zu beschleunigen. Aktuell laufen die ersten Gespräche mit Finanzierungspartnern.

In deiner Playlist läuft gerade … rauf und runter.

Sehr unterschiedlich und Tagesform-abhängig – „Pearl Jam“ steht so gut wie immer in der Liste.

Über Coboc:

Die Coboc GmbH & Co. KG mit Firmensitz in Heidelberg steht für außergewöhnliches Design sowie herausragende E-Bike-technologische Lösungen. Dank der eigens entwickelten, integrierten Antriebstechnologie ist das erste Modell, das Coboc eCycle, extrem wartungsarm und verfügt über ein überaus dynamisches Fahrverhalten. Die Leidenschaft für das Produkt und die Liebe zum Detail machen es zu einem bemerkenswert minimalistischen, gleichzeitig aber technisch ausgereiften Meisterstück, das derzeit auf dem Markt seinesgleichen sucht. Ab 2016 geht Coboc auf Wachstumskurs. Zwei neue Avantgarde-Modelle sind zu erwarten

Dein StartUp im GründerView? Mail an svb(at)techtag.de

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