Im GründerView stellen wir spannende Startups und ihre Ideen vor. Flurfunk ist eine mobile App mit der Nutzer in Echtzeit entdecken können, was in ihrer Nähe passiert. Dabei werden weder #Hashtags noch Check-In Daten von Kontakten benötigt, nur der Standort steht im Mittelpunkt. Erst kürzlich hatte das Team Ihren Demo Day zum Abschluss des Accelerator Programms in Stuttgart. Florian Fink und Tobias Haas erzählen im Interview wie es nun weitergeht und welchen Rat Sie anderen Gründern geben können. 

techtag: Euer StartUp in einem Tweet!

#Flurfunk ist die mobile App, die lokale Informationen einfach verfügbar macht und uns wieder mehr mit der Offline-Welt verknüpft.

Wie und wo kam Euch Eure Geschäftsidee?

Ursprünglich war Flurfunk eine technische Spielerei, die von Hannes’ großem Bruder ausging. Ortsbasierte Dienste sind ein großes Zukunftsthema und so entstand die Idee, eine App zu programmieren, mit der man Nachrichten an seinen aktuellen Standort pinnen kann. Irgendwann kamen Toby und Flo dazu und wir entwickelten Flurfunk als Hobby-Projekt in unserer Freizeit. Seither hat sich am Konzept noch einiges geändert, auch in den letzten sechs Monaten im Rahmen des Accelerator-Programms. Wir verfolgen da ganz die “Lean Startup”-Philosophie – Build, Measure, Learn and Repeat.

Ihr wart als einer der ersten Teams im Rahmen des Accelerator Programms in den Accelerate Spaces in Stuttgart. Letzte Woche hattet ihr zusammen mit den anderen Teams euren abschließenden Demo Day. Was konntet Ihr in diesen 6 Monaten für Erfahrungen mitnehmen? Was hat Euch besonders geholfen eure Geschäftsidee weiterzuentwickeln? Und wie geht’s jetzt weiter?

Das halbe Jahr im Accelerator war perfekt für uns, um die Arbeit an unserem Produkt besser zu strukturieren. Das Gamified Startup Toolkit (eine praktische Variante der Lean Startup Methodik), das im Accelerator genutzt wird, hilft dabei enorm. In den regelmäßigen Coaching-Sessions mit den Mentoren konnten wir viel Input sammeln und unterschiedliche Blickwinkel auf unsere Problemstellungen kennenlernen. Auch die Events, die in den Accelerate Spaces stattfanden, haben uns fachlich sehr weitergeholfen. Und nicht zuletzt konnten wir natürlich wertvolle Kontakte in die Startupszene aufbauen.

In den kommenden Wochen wollen wir vor allem noch mehr User gewinnen und Partnerschaften mit Inhalte-Anbietern (wie der Stuttgarter Zeitung) eingehen, die ihre Inhalte auf Flurfunk veröffentlichen und sich so einen zusätzlichen Kanal zu einer jungen Zielgruppe erschließen. Marketing-Aktionen wie unsere Funkwall beim 10. Jubiläum des Mercedes-Benz Museums am 18. Mai (eine große Leinwand vor Ort, auf der Funks von Besuchern des Events angezeigt werden) werden dabei helfen, für noch mehr Aufmerksamkeit zu sorgen.

Flurfunk
6 Monate war das Team von Flurfunk im Accelerator Programm und konnte intensive Erfahrungen sammeln. (Bild: Accelerate Spaces)

Außerdem sind wir auf Investoren-Suche: wir wollen Kapital aufnehmen um unser Wachstum zu beschleunigen. Daher führen wir im Moment viele Gespräche. Und natürlich geht auch die Entwicklung der Apps immer weiter – es bleibt spannend.

Was für spezielle Tipps könnt ihr Gründer geben, die auch auf der Suche nach einem Accelerator Programm sind?

Bei der Auswahl des Accelerators spielen natürlich extrem viele Faktoren eine Rolle. Nehmt euch die Zeit, euch über den aktuellen Stand eures Projekts und eure Ziele klar zu werden. Kann euch der Accelerator beim Erreichen eurer Ziele unterstützen? Ist der Deal (in der Regel bezahlt ihr für die Leistungen des Accelerators mit Anteilen an eurem Unternehmen) und damit die finanzielle Bewertung eures Unternehmens angemessen? Kommt ihr mit den Ansprechpartnern, mit denen ihr in der Regel auch noch nach dem Ende des Programms oft zu tun haben werdet, auch menschlich gut klar? Es sollte sich alles “richtig” anfühlen, bevor man diese Art “Mini-Ehe” eingeht – schließlich nimmt man neue Gesellschafter mit ins Boot.

Ihr kürt regelmäßig den Funk der Woche. Was war das Lustigste, was eure Nutzer je „gespotted“ haben?

Da gibt’s so einiges. Von Wegweisern in Bahnhöfen, die auf einen verschlossenen Durchgang zeigten, bis hin zum Arbeitskollegen, der mittags im Büro schlafend auf dem Boden liegt, war schon alles dabei. Ein Nutzerin funkte zwei Wochen vor Weihnachten 15 Weihnachtsmänner, die in München in einem Park gemeinsam auf einen Baum kletterten. Sehr beliebt sind aber ganz klar auch die “Foodfunks” – die Leute zeigen gerne, wenn Sie irgendwo etwas essen gehen und es ihnen dort gefällt. Analog dazu gibt’s natürlich auch viele Bierfunks.

Was ist deine Empfehlung für die Mittagspause in Stuttgart?

San’s Sandwich Bar in der Rotebühlstraße. Leicht, schnell und lecker. Wenn die Sonne scheint einfach mitnehmen und draußen essen. Hier ein Funk vor Ort.

Stuttgart ist für Gründer?

Im Moment noch ein recht schwieriges Pflaster. Die sehr gute wirtschaftliche Gesamtsituation in Stuttgart ist Fluch und Segen zugleich. Auf der einen Seite ist theoretisch viel Kapital vorhanden, die Infrastruktur ist sehr gut, es gibt staatliche Förderprogramme. Auf der anderen Seite saugt die Industrie vor Ort qualifizierte Arbeitskräfte mit Hilfe von gutbezahlten Jobs geradezu auf, was nicht gerade zu mehr Gründergeist führt. Dazu kommt die schwäbische, bodenständige Mentalität, auch auf Seiten der Investoren: hier werden unserer Ansicht nach keine allzu großen Risiken eingegangen, man steht digitalen Geschäftsmodellen eher kritisch gegenüber und tastet sich nur langsam heran.

Diese Einstellung hatte natürlich bisher immer etwas grundsolides, aber wir reden hier über Risikokapital. Um bei der Digitalisierung aller Lebensbereiche auch international eine Rolle zu spielen und nicht von den USA oder Israel abgehängt zu werden, ist mehr Offenheit gefragt. Wir sind davon überzeugt, dass sich in dieser Sache in Deutschland bereits viel bewegt, bisher vor allem in Berlin. Stuttgart nimmt langsam Fahrt auf. 🙂

In welchem Startup würdet ihr gerne mal einen Tag Einblick in den Arbeitsalltag bekommen?

Tesla, wenn man das noch “Startup” nennen kann. Hier wird deutlich, dass eine klare, langfristige Vision und der Wille, sich von alten Denkweisen loszulösen, Berge bewegen kann.

Abgesehen von Flurfunk. Welche App darf auf keinem Smartphone fehlen?

Pocket, um sich Online-Inhalte (z.B. Artikel) für später zu merken und diese dauerhaft zu speichern.

Android oder iOS?

iOS, weil es sich einfach besser anfühlt.

In deiner Playlist läuft gerade … rauf und runter.

Im Büro hören wir meistens gar keine Musik, weil Hannes sich dann nicht konzentrieren kann. 🙂 Ansonsten stehen Oliver Schories und VIMES gerade hoch im Kurs. Und natürlich deutscher Hiphop – besonders aus der “Mutterstadt” (Stuttgart).

Über Flurfunk

Flurfunk ist der Feed für die Umgebung. Anders als bestehende Netzwerke, die meist kontakt- oder themenbasiert funktionieren, setzt Flurfunk komplett auf den Standort. Die Inhalte reichen von Posts anderer Nutzer über lokale Nachrichten und Veranstaltungen bis hin zu Angeboten aus Einzelhandel und Gastronomie. Es geht weniger um das gezielte Suchen, sondern vielmehr um das Entdecken von interessanten und spannenden Dingen in der unmittelbaren Umgebung.
www.flurfunk.io

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