Mit dem CODE_n new.New Festival initiiert die GFT Technologies SE vom 20. bis 22. September ein Innovationsfestival im Karlsruher Zentrum für Kunst und Medien (ZKM). Ein zentraler Teil der Veranstaltung ist der globale CODE_n CONTEST. Wir stellen die Finalisten aus Baden-Württemberg vor. Heute: Geospin.

Euer Business-Modell in 140 Zeichen?

Wir unterstützen unsere Kunden, den digitalen Wandel mit ihren eigenen digitalen Ressourcen und unseren geographischen Big-Data-Analysen aktiv zu gestalten.

Auf eurer Website schreibt ihr, dass ihr den Leuten in drei Schritten dabei helfen wollt, ihre Dienstleistung zur richtigen Zeit am richtigen Ort anzubieten. Welche drei Schritte sind das und was passiert dabei genau? Wie profitiert der Kunde davon?

Unsere Erfahrungen zeigen, dass sich ein dreistufiges Vorgehen für unsere Analysen bewährt hat, um alle relevanten Informationen aus den Daten unserer Kunden zu gewinnen.

In einem ersten Schritt werden mit Hilfe neuester Verfahren der Big-Data-Analytics unternehmensinterne Daten ausgewertet. Diese liegen meist in großen Mengen vor und geben erste Einblicke. Einige strategische Fragen können wir so schon beantworten: Gibt es etwa bestimmte Kundengruppen, die einen besonderen Anteil am Umsatz haben? Sind bestimmte Produkte zu einer bestimmten Uhrzeit besonders gefragt?

Darauf aufbauend können wir unsere langjährige Erfahrung mit geographischen datengetriebenen Analysen einbringen. Besonders Filialisten, Mobilitätsdienstleister und andere ortsabhängige Unternehmen können von dieser Methode profitieren. Wir beantworten nicht nur „wann“ und „wo“ Dienstleistungen nachgefragt werden. Unter Berücksichtigung vieler unterschiedlicher externer Geodaten – beispielsweise Points-of-Interest, Wetterdaten oder Social Media – können wir detailliert das „Warum?“ erklären und zeigen auf, welche Umgebungsvariablen das Kundenverhalten beeinflussen.

Um für unterschiedliche Szenarien die richtigen strategischen und operativen Entscheidungen treffen zu können, sind verlässliche Prognosen unersetzlich. Diese leisten wir im letzten Schritt. Mit Hilfe von Predictive Analytics können wir beispielsweise für bestehende Geschäftsgebiete unterschiedliche Vertriebsstrategien simulieren und Umsatzprognosen für die Zukunft ableiten oder für unbekannte Gebiete das Kundenpotenzial vorhersagen und Expansionsstrategien unterstützen.

Wie seid Ihr darauf gekommen, euch ausgerechnet auf ortsbezogene Daten zu fokussieren?

Die Idee zu Geospin kam uns während unserer Zeit als Doktoranden am Lehrstuhl für Wirtschaftsinformatik der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg. Durch unsere Forschung haben wir dort einerseits das Potenzial geographischer Daten und Analysen erkannt aber andererseits auch festgestellt, wie wenig diese Anwendung in Unternehmen finden. Wir haben uns dazu entschlossen, diese Lücke selbst zu füllen. In Verbindung mit aktuellen Forschungsmethoden der (Wirtschafts-)Informatik wie Machine Learning oder Big Data Analytics können wir Dienstleistungen anbieten, die so auf dem Markt noch nicht vorhanden sind.

Es gibt Menschen, die stehen dem Thema Big Data eher kritisch gegenüber. Mit welchen Argumenten würdet ihr diese Menschen vom Nutzen von Big Data überzeugen?

Der (potenzielle) Nutzen von Big Data ist unbestritten. Von effizienten, autonomen Carsharing-Systemen bis zu individualisierten Versicherungen, die persönliche Gesundheitsdaten beobachten und analysieren, kann Big Data in fast allen Lebensbereichen Kosten verringern und den Alltag vieler Menschen erleichtern. Die Frage ist, zu welchem Preis das möglich ist. Hier ist es unserer Meinung nach wichtig, neue Entwicklungen zu hinterfragen und zentrale Anliegen wie Privatsphäre nicht aus den Augen zu verlieren. Der wichtigste Schritt hierbei ist die digitale Aufklärung. Internetnutzer müssen dafür sensibilisiert werden, dass die Produkte und Dienstleistungen der großen Internetunternehmen nicht – wie es auf den ersten Blick scheint – „umsonst“ sind. Statt mit Geld zahlt man im Internet häufig mit seinen Daten.

Das Thema Smart Cities spielt bei Geospin ebenfalls eine große Rolle. Derzeit ist davon zumindest in Deutschland aber noch recht wenig zu sehen. Woran liegt das und wann werden auch deutsche Städte „smart“ und vernetzt sein? Welche Trends zeichnen sich schon jetzt ab?

Seitens der Städte werden immer mehr Daten generiert, die man nutzen könnte um Städte „smarter“ zu machen. In Zukunft wird es intelligente Verkehrs- und Versorgungsnetze zur optimalen Ausrichtung und Vernetzung unterschiedlicher Dienstleistungsangebote geben. Die große Herausforderung ist dabei standardisierte Verfahren und Formate zu Datengewinnung, -sicherung und -verarbeitung sicherzustellen. Ohne diese Voraussetzung ist es schwierig „Smart Cities“ zu etablieren. Zudem müssen entsprechende Big-Data-Verfahren entwickelt werden, die aus diesen Datenmengen Mehrwerte schaffen können. An dieser Stelle kommen beispielsweise Start-Ups wie wir ins Spiel.

Welche Rolle spielen Geodaten bei Lösungen für urbane Mobilität?

Die Zunahme an verfügbaren (Geo-)Daten eröffnet ganz neue Möglichkeiten im Verständnis von urbanem Mobilitätsbedarf. Gerade in Regionen für die viele und flächendeckende Daten verfügbar sind, ermöglichen Big-Data-Analysen mit Geodaten eine bedarfsgerechte Steuerung der Mobilitätsdienstleistungen und deren Weiterentwicklung. Je vollständiger und ausführlicher die Datensätze sind, umso mehr Möglichkeiten gibt es die Bereitstellung urbaner Mobilität räumlich und zeitlich zu optimieren. Das ist insbesondere  vor dem Hintergrund relevant, da es eine Vielzahl von unterschiedlichen Mobilitätsdienstleistungen -wie beispielsweise ÖPNV, Carsharing oder Bikesharing – gibt. Eine datengetriebene, automatisierte Verknüpfung dieser Dienstleistungen ermöglicht große Synergieeffekte.

Wie steht ihr zum Standort Baden-Württemberg?

Der Standort Baden-Württemberg ist für uns sehr attraktiv. Das beginnt bei der Gründungsberatung und Unterstützung an den Universitäten, von der auch wir profitieren. Es gibt viele Wettbewerbe, Inkubatoren und (Förder-)Programme, die Start-Ups gezielt unterstützen. Besonders spannend für uns ist natürlich das große Interesse an nachhaltigen Start-Ups, die mit ihren Geschäften nicht nur unternehmerische, sondern auch gesellschaftliche Ziele verfolgen.

Zudem gibt es viele etablierte Unternehmen, die neuen Ideen gegenüber aufgeschlossen sind, und die als potenzielle Kooperationspartner in Frage kommen.

Sucht ihr aktuell Verstärkung?

Wir sind immer auf der Suche nach weiteren Big-Data-Scientists, Datenspezialisten sowie Softwareentwicklern, die uns in zukunftsorientierten Projekten unterstützen möchten.

Was plant ihr in den kommenden 12 Monaten?

Wir wollen, neben unseren individuellen Projekten, ein Analytics-as-a-Service-Tool bereitstellen, das es unseren Kunden ermöglicht, schnelle, kompakte und verständliche geographische Datenanalysen mithilfe einer eigenen Benutzeroberfläche zu erstellen. Damit wollen wir uns breiter aufstellen und potenziellen Klienten den Einstieg in die Geodatenanalyse und unser Produktportfolio erleichtern.

Steckbrief:

Name: Geospin GmbH
Geschäftsfeld: IT-Services (Geospatial Data Analytics)
Standort: Freiburg
Mitarbeiter: Fünf Gründer und zwei studentische Mitarbeiter
Gründer: Dr. Johannes Bendler, Dr. Tobias Brandt, Dr. Christoph Gebele, Niklas Goby, Dr. Sebastian Wagner
Funding-Status: gefördert durch das EXIST-Gründerstipendium

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