Meinungsroboter, Fakefollower und Manipulatoren – gerade im Rahmen des vergangenen US-Wahlkampfs wurde der Begriff plötzlich zum Buzzword. Social Bots sollen sich in sozialen Netzwerken verbreiten, Nutzerinformationen sammeln und politische Diskussionen für sich entscheiden. Doch inwieweit können solche Roboter wirklich eine Gewichtung für politische Meinungsbilder haben?

Nicht sehr sozial: Social Bots

Der Begriff „Bot“ stammt vom englischen Wort „robot“. Im weiteren Sinne sind damit Computerprogramme gemeint, die Prozesse automatisiert und selbstständig ausführen können. Zum Einsatz kommen Bots beispielsweise in Suchmaschinen, um als Webcrawler Inhalte zu durchsuchen. Ebenfalls ist die Kommunikation einzelner Bots über ein Botnet möglich. Diese Netzwerke werden häufig von Cyberkriminellen eingesetzt, um Viren oder Spam zu verbreiten.

Auch in Social Media Netzwerken sind Software-Roboter zahlreich vertreten. Sie zeigen sich in Form von Fake-Profilen, die Freundschaftsanfragen versenden können, um Daten zu sammeln. So konnten kanadische Forscher bei einem Experiment ganze 250 Gigabyte Daten in nur acht Wochen einsammeln. Doch das ist längst nicht alles: Social Bots reagieren selbstständig auf Inhalte und verstreuen diese in den Netzwerken. Ganze „Bot-Armeen“ werden so ins Leben gerufen. Als Maschinen fallen Social Bots kaum auf, da sie in unauffälligen Zeitfolgen posten, Hashtags bewusst setzen und seriösen Seiten folgen.

Filterblase & Co.: Mit Algorithmen Wahlen entscheiden?

Kennt ihr noch „Dumb ways to die“ oder „Grumpy Cat“? Videos, Fotos und Hashtags werden durch häufiges Teilen, Liken oder Retweeten auf Social Media Kanälen viral – worüber gesprochen wird, das erhält Bekanntheit. Doch auch als  Nachrichtenquelle gewinnen Soziale Medien eine zunehmende Bedeutung.

Was passiert also, wenn künstliche Intelligenzen massenhaft Beiträge zu einem Thema verbreiten? Laut der Kurzstudie „Invasion der Meinungsroboter“ von Prof. Dr. Simon Hegelich wurde bereits beim Ukrainekonflikt und US-Präsidentschaftswahlkampf in Meinungsbildungsprozesse eingegriffen und sich bewusst in politische Diskussionen eingemischt. So soll jeder dritte Unterstützer-Tweet für Donals Trump, sowie jeder vierte für Hillary Clinton nicht von einer echten Person stammen.

Auch bei deutschen Politikern machen Fake-Profile) einen erheblichen Anteil an Followern aus, wie es das VICE Motherboard zeigt. Ein Profil mit einer hohen Followerzahl wird von den sozialen Medien präferiert und generiert eine höhere Reichweite. Im Wahlkampf allerdings sollen Social Bots, die selbst Inhalte verfassen, tabu sein.

Ebenfalls nicht zu vernachlässigen ist die geschäftsschädigende Wirkung der Social Bots. Die Nutzer verlieren das Vertrauen und das Interesse an einem sozialen Netzwerk, wenn die Authentizität fehlt.

Klasse statt Masse – die alte neue Devise

Für den Social-Media-Nutzer gilt: Bots werden nicht verschwinden. Sowohl die Verfahren, um Bots aufzuspüren, als auch die Bots selbst werden im Zuge der Weiterentwicklung von Roboterjournalismus immer besser. Software, die künstliche Intelligenzen auf Twitter aufspüren kann, existiert beispielsweise in Form von BotOrNot heute schon.

Die tatsächliche Auswirkung von Social Bots wird aktuell noch untersucht. In Zukunft wird eine Aufklärung und eine größere Thematisierung von Social Bots eine noch größere Rolle spielen, so sprach Bundesinnenminister Thomas de Maiziere darüber, dass er die Öffentlichkeit mehr auf automatisch generierte Meinungsmails hinweisen möchte. Im Zeitalter der Informationsflut wird es umso wichtiger sein, die Seriosität von Quellen zu beurteilen, bevor der Share-Button geklickt wird.

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