Statistisch gesehen verschlafen wir ein Drittel unseres Lebens. Kein Wunder also, dass weltweit Forscher an Geräten arbeiten, die unser Gehirn so umprogrammieren, dass wir weniger müde sind. Vorbild ist ein kleiner Singvogel.

Wie verlockend klingt die Vorstellung, ein paar Stunden mehr vom Tag zu haben? Mehr Zeit, um zu arbeiten, sodass wir mehr Geld verdienen? Das ist natürlich auch für Unternehmen spannend, die das Maximum aus ihren Mitarbeitern herausquetschen möchten. Vorbild für die Forscher ist der kleine amerikanische Singvogel Dachsammer. Denn dieser kann die weite Flugstrecke von Alaska bis Nordmexiko ohne Schlaf überstehen. Dabei sucht er am Tage nach Futter und fliegt vor allem nachts. Ein Vorbild für die effiziente Auslastung seiner persönlichen Ressourcen.

Eine Woche ohne Schlaf

Forscher US-Universitäten studieren die Gehirnfunktionen des kleinen Vogels, um herauszufinden, warum bis zu einer Woche ohne Schlaf unbeschadet überstehen kann. Finanziert durch Regierungskosten soll irgendwann ein Rezept gefunden werden, um die menschliche Wachsamkeit auszuweiten, sodass die Soldaten fast keinen Schlaf mehr brauchen und dennoch immer konzentriert ihren Dienst verrichten.

Doch schon jetzt gibt es einige Gadgets, mit denen unser Gehirn umprogrammiert werden kann. In Boston hat das Unternehmen Thync ein Gerät entwickelt, welches die Aktivitäts- und Ruhephasen des Nutzers steuern kann. Dafür werden am Kopf an beiden Schläfen Elektroden befestigt, die mithilfe transkranieller Magnetstimulation den präfrontalen Kortex manipulieren. Über eine App lässt sich einstellen, ob man gerade mehr aktiv oder ruhiger sein möchte. In verschiedenen Intensitätsstufen werden nun die Elektroden befeuert. Das Gefühl dabei soll von leichtem Kribbeln bis hin zu Schmerzen liegen. Thync soll ähnlich wirken wie der starke Kaffee am Morgen und dem Nutzer einen Energieschub verleihen. Das Gerät kostet 199 Dollar.

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Thync wird von vielen Experten als eines der spannendsten Tech-Produkte gefeiert. (Video: Thync)

Den Schlaf erst richtig verstehen

Diese Art Geräte stößt bei den Forschern aber auch auf viel Kritik. Christian Baumann, Neurologe am Unispital Zürich, sagte der Wirtschaftswoche: „Die personalisierte Medizin hat sicher das Potenzial, durch Interventionen, wie beispielsweise akustische oder auch elektrische Stimulation, den Tiefschlaf zu verbessern, aber wir schlafen heute schlechter als früher. Das liegt an den vielen Geräten, die uns Zeit und Ruhe rauben, aber auch an der Tendenz, immer mehr aus dem eigenen Leben herausquetschen, immer mehr Anforderungen genügen zu wollen.“

In einem sind sich die Forscher aber momentan einig: Wir müssen den Schlaf erst richtig verstehen können, bevor wir ihn wirklich dauerhaft manipulieren. Damit sich jeder selbst ein Bild über seine Schlafgewohnheiten machen kann, gibt es auf dem Markt schon zahlreiche Fitnesstracker, die nachts unsere Schlafphasen und den Puls aufzeichnen. So bekommen wir zumindest eine Vorstellung über unser Schlafverhalten und können das minimal manipulieren, in dem wir unsere Gewohnheiten ändern und zum Beispiel eher ins Bett gehen. Vielleicht reicht dieser kleine Schritt schon, um am nächsten Morgen ausgeruhter zu sein.

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