Jeder der sich nur im Entferntesten mit Spielekonsolen beziehungsweise Automaten beschäftigt, kennt sie: Pong, Pac Man, Tetris. Was damals eine kleine Revolution beschrieb, wird heutzutage nur noch am Rande wahrgenommen – allerdings immer wieder mit dem Wort „cool“ auf den Spieleolymp katapultiert: Der Karlsruher Verein Retro Games e.V. will diese Coolness bewahren.

Videospiele entführen seit jeher in eine Welt, die gleichzeitig die Vergangenheit, das Heute und Morgen beschreibt. Wenn man sich die heutigen Spiele anschaut und über sie die Schauplätze der großen weiten Welt und darüber hinaus besucht, ist es umso erstaunlicher, dass alles mit einem Knopfdruck begann. In Karlsruhe versucht man genau diesen Knopfdruck, dessen Geschichte zurück in die Köpfe der Besucher zu holen. So gab es vor den Konsolen Xbox One und der Playstation bereits eine weltweit wachsende Gamer-Szene. 1958 entstand im Brookhaven Lab ein kleines Oszilloskop, auf dessen zwölf Zentimeter messendem Display ein kleiner Punkt zu sehen war, der auf einer horizontalen über eine vertikale Linie hüpfte. „Tennis for Two“ war geboren – das erste Videospiel. Zur Info: Dieses Spiel wurde bereits als Ausstellungsstück in den Räumlichkeiten des Vereins gesichtet – musste allerdings auch wieder zurückgegeben werden.

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Tennis for Two wurde 1958 vom amerikanischen Physiker William Higinbotham am Brookhaven National Laboratory entwickelt. (Video: Wiliam Hunter)

Retro Games e.V.: Arcadeautomat von 1971

Egal, der Verein Retro Games e.V. setzt genau dort an. „Unser Verein wurde bereits 2002 gegründet und war der erste Verein, der sich um Arcade-Automaten in Deutschland gekümmert hat. Derzeit beherbergt unsere Ausstellung etwa 80 spielbereite Automaten beziehungsweise Flipper. Etwa die gleiche Anzahl an Automaten befindet sich in unserem Lager und wartet auf eine Restauration und somit auch auf den nicht vorhanden Platz zum Ausstellen. Dank unserer Mitglieder bekommen wir eigentlich jeden Automaten wieder flott. Nur sehr selten sind keine Ersatzteile mehr verfügbar, dann versuchen wir diese wieder zu rekonstruieren, was uns meistens gelingt“, so Mario Berluti von Retro Games. Auf die Frage, welche Raritäten denn in Karlsruhe zu besichtigen sind, gibt Mario stolz die Antwort: „Bei Flippern gibt es einen funktionierenden Gebrauchtmarkt und dort werden Modell, wie etwa unser „Adams Family“ ab 2.500 Euro gehandelt. Bei den Arcades ist das etwas schwieriger, weil es gerade in Deutschland keinen richtigen Markt dafür gibt. Unsere neuste Errungenschaft, ein „Computer Space“; der erste Arcadeautomat der Welt von 1971 ist da schon mehrere Tausend Dollar wert. Aber wir haben auch das andere Extrem im Verein, sogenannte Universalautomaten, die man noch heute für knapp 100 Euro auf Ebay ergattern kann.“

Von Beginn an waren Videospiele ein Spiegelbild ihrer Zeit und sie sind und waren auch damals schon ein Mittel, das menschliche Dasein zu betrachten.

Was bei dem Verein überrascht: Retro Games e.V. kommt seit Gründung fast ohne wirkliche Unterstützung vom Bund, Land oder Stadt aus. Laut Berluti ist das eh ein schwieriges Thema. So ist der Ruf von Videospielen in der Vergangenheit nicht immer der Beste gewesen und „unbegründete Vorurteile haben natürlich auch dazu beigetragen“. Obwohl das Videospiel inzwischen zu einem offiziellen Kulturgut geworden ist, fehlt dennoch die „echte“ Unterstützung von Stadt, Land und Bund. „Wir selbst bekommen keine Zuwendung in irgendeiner Form, sondern meistern das seit 14 Jahren in Eigenregie. Im Moment kooperieren wir mit dem ZKM in Karlsruhe, wo drei unserer Exponate Teil der Dauerausstellung geworden sind, vielleicht öffnet uns das mal die Türen; wir bleiben optimistisch“, hofft Berluti. Ebenfalls überraschend: „Verändert hat sich auch, dass wir mit der Welt der Videospiele mitwachsen; sprich wir kümmern uns nicht nur um die Arcades, also die Dinosaurier der Videospielgeschichte, sondern auch um deren Nachfolger, die Homecomputer und Videospielkonsolen. Wir sind also nicht nur ein Bewahrer der Vergangenheit, sondern inzwischen zu einem Heimathafen für Videospieler geworden.“

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Das Team von Radio PARALAX besuchte RetroGames e.V. kurz vor der Eröffnung der 10jährigen Jubiläumsparty. (Video: Radio PARALAX)

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…der zweite Teil der Dokumentation. (Video: Radio PARALAX)

Wer sich selbst ein Bild vom Verein und den Spielen machen möchte, darf sich die Ausstellung des RetroGames e.V. im Kulturhaus Gotec in der Gablonzer Straße 11 in Karlsruhe anschauen. Und wer den Verein unterstützen möchte, sollte sich den hauseigenen Shop anschauen – oder einfach Mitglied werden. Ach ja, im Moment plant der Verein unter dem Motto „RetroGames e. V. – The Next Level“ eine der wohl größten Veränderungen in der Vereinsgeschichte. Leider durfte der Mario mir dazu keine Details verraten. Aber auf dem Twitterkanal bekommt man sicherlich die neusten News dazu.

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