Auf der re:publica 2015 konnte ich Gunter Dueck als Redner das zweite Mal erleben und es war gewohnt eine Mischung aus Ernsthaftigkeit, Komödie und ein wenig Wissenschaft. Der Mathematiker und ehemalige IBM-Boss schilderte anhand von Schwarmintelligenz die derzeitig verheerende Situation in Unternehmen: Führungskräfte verlieren sich im eigenen Ich und produzieren den wirtschaftlichen Super-Gau: den Misserfolg im Unternehmen.

Pointiert, sarkastisch und mit drastischen Beispielen schilderte Dueck unter Lachsalven aus dem Publikum die oftmals bizarre Arbeitswelt in vielen Unternehmen, in denen Führungskräfte sich selbst und ihre Mitarbeiter permanent überfordern und deshalb von einem Misserfolg in den nächsten stolpern. Mit dem Vortrag auf der #rp15 verwies er natürlich auf seine neuste Buchveröffentlichung „Schwarmdumm. So blöd sind wir nur gemeinsam“. Es zeigt auf, wie sich die Problematik Tagesgeschäft versus Innovation zur wahren finanziellen Todesspirale aufschaukeln lässt.

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Gegenüber absatzwirtschaft.de bringt er es auf den Punkt: „Es reichen wenige Tipping-Points, um das System zu destabilisieren. Wenn zu hohe Ziele formuliert werden, als man eigentlich schaffen kann, dann wählen Mitarbeiter untaugliche Strategien, wie beispielsweise Überstunden, um sie dennoch zu erreichen.“ Das Ergebnis: Burnout, Frustrationen und vor allem der Mangel an Kraft, um wichtige Veränderungen und Innovationen im und für das Unternehmen zu erreichen. Die eigene Motivation sinkt dabei kontinuierlich Richtung Null.

Gunter Dueck: „Dumme wissen nicht, dass sie dumm sind“

Geht es nach Dueck, darf die Arbeitsbelastung der Mitarbeiter nicht über 85 Prozent liegen. Wandert das Pensum drüber, wandern Zukunft, konstruktive Gedanken sowie die gewünschten Innovation auch – und zwar in weite Ferne. Duecks Schlusswort auf der #rp15: „Do not work harder – work smarter!“ Ginge es nach ihm, „bringt der Übergang ins digitale Zeitalter Chaos und Schnelllebigkeit“. So zumindest schildert der Wissenschaftler und Querdenker gegenüber „t3n-Magazin Nr. 39“ seine Bedenken zur Schwarmintelligenz. „Führungskräfte müssen heutzutage vor allem coachen und Selbstorganisation fördern – mit dem Schwarm bewegen sich Unternehmen ins Verderben.“ Seiner Meinung nach müssten Unternehmen aufhören nur kurzfristig zu denken beziehungsweise zu planen.

Zudem sind „Agilität und Eigenverantwortlichkeit“ Aufgabe für das gesamte Unternehmen, ja sogar für die gesamte Gesellschaft“. Aber die To-dos sind seiner Meinung nach nicht mehr in die Realität umzusetzen. Auf die Frage, was man gegen die Schwarmdummheit als Führungskraft tun kann, antwortet Dueck nüchtern: „Nichts, sorry. Gar nichts. Nehmen Sie es hin. Schwarmdummheit ist eine kollektive Katastrophe, die ja als solche nicht erkannt wird.“ Die Lösung liegt dabei auf der Hand: Nachhaltigkeit, Entschleunigung, Selbstverantwortung usw.

Doch Dumme wissen nun mal nicht, dass sie dumm sind, diese Aussage trifft auch auf Systeme zu.

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