„Ich male nicht mit Partikeln, sondern mit Photonen“ steht gleich am Eingangsbereich der Sonderausstellung „Dieter Jung. Between and Beyond“ an der Wand des ZKM I Zentrum für Kunst und Medien Karlsruhe zu lesen. Was der Künstler damit meint, wird den Besucherinnen und Besuchern wenige Schritte später eindrucksvoll vor Augen geführt.

Gleich mehrere bunte Hologramme sorgen im Lichthof des Medienmuseums für ein eigentümliches Farbenspiel und dazu reflektieren die aus zahlreichen Metallplatten und dünnen Drähten gefertigten Mobiles das Licht in alle Richtungen. „Die Kombination zwischen Licht und Kunst hat mich schon immer fasziniert“, sagt der 77 Jahre alte Künstler im Gespräch mit karlsruhe.digital, und deshalb habe er sich neben der Malerei bereits am Anfang seiner Schaffenszeit mit der Fertigung von kunstvollen Hologrammen beschäftigt. Im ZKM ist nun ein kleiner Ausschnitt seiner Lebenswerke zu betrachten.

Gleich mehrere bunte Hologramme sorgen im Lichthof des Medienmuseums für ein eigentümliches Farbenspiel. (Bild: © ZKM | Karlsruhe, Foto: Felix Grünschloß)

„Man sollte sehr genau hinsehen und die Kunstwerke auf sich wirken lassen“, rät Jung den Besucherinnen und Besuchern der Sonderschau, denn schließlich würden die meisten Hologramme aus verschiedenen Blickwinkeln betrachtet eine unterschiedliche Wirkung auf die Betrachtenden entfalten. Für den Künstler ist gerade diese Flüchtigkeit die große Faszination der Holo-Kunst. Denn so schnell die Hologramme vor dem Auge erscheinen, so schnell sind sie nach einer kleinen Bewegung nach links oder rechts auch wieder verschwunden.

Seit den 1970er Jahren beschäftigt sich Dieter Jung mit Holografie

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Die Grundlagen für die künstlerische Auseinandersetzung mit der Holografie erlangte Jung während seines Holografie Studiums in New York. Für seine ersten Hologramme verwendete er einige Federn, die er 1977 im Central Park fand und in holografischen Aufnahmen als filigrane Objekte im Raum schweben ließ. In den frühen 1980er Jahren machte sich Jung mit der holografischen Übertragung von Gedichten aus der Feder von Hans Magnus Enzensberger einen Namen. Am renommierten Massachusetts Institute for Technology (MIT) hatte sich Jung beim von Otto Piene geleiteten Center for Advanced Visual Studies zwischen 1985 und 1988 dann auch die technische Infrastruktur zur Vertiefung seiner Passion zu Nutzen gemacht. Dort entstanden in enger Zusammenarbeit mit den Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern erste computergesteuerte Bewegungshologramme.

„ZKM genießt in der Kunstwelt einen ausgezeichneten Ruf“

Fast etwas unscheinbar wirken neben den beeindruckenden Holografien in der Mitte der Lichthöfe die zahlreichen Gemälde und Grafiken an den Wänden. „Ich habe mich immer mit mehreren Kunstformen auseinandergesetzt“, betont Jung. In den vergangenen Jahren waren im ZKM immer wieder einzelne Werke des in Bad Wildungen geborenen Künstlers zu sehen. Nun können sich die Museumsgäste zum ersten Mal bei einer Sonderausstellung einen Überblick über Jungs jahrzehntelanges Wirken in der Kunstwelt verschaffen.

Die Grundlagen für die künstlerische Auseinandersetzung mit der Holografie erlangte Jung während seines Studiums in New York. (Bild: © ZKM | Karlsruhe, Foto: Felix Grünschloß)

„Diese Ausstellung ist auch für mich etwas ganz Besonderes“, betont Jung. Schließlich habe er das ZKM seit der Gründung im Jahr 1989 aktiv unterstützt und zwischen 1992 und 1996 auch im Kuratorium des Museums mitgewirkt. „Das ZKM genießt in der gesamten Kunstwelt einen ausgezeichneten Ruf“, betont Jung, und deshalb sollten die Menschen in Karlsruhe ruhig etwas stolzer auf ihr einzigartiges Medienzentrum sein. Außerdem gehöre ZKM-Chef Peter Weibel zu den angesehensten Experten auf dem globalen Markt für Medienkunst, betont Jung. „Viele Institutionen hätten ebenfalls gerne einen solch kreativen Querdenker in ihren Reihen“.

„Dieter Jung. Between and Beyond“

Info: Die Ausstellung „Dieter Jung. Between and Beyond“ ist noch bis zum 2. Juni im ZKM I Zentrum für Kunst und Medien in der Lorenzstraße 19 in Karlsruhe zu sehen. Öffnungszeiten sind Mittwoch bis Freitag von 10 bis 18 Uhr sowie Samstag und Sonntag von 11 bis 18 Uhr.