App goes Art and Art goes App – Im Zentrum für Kunst und Medien Karlsruhe wurden am gestrigen Freitag, den 15. Juli wieder Applikationen prämiert, die sich als avancierte künstlerische Anwendungen auszeichnen. Neben ästhetischen Aspekten stand dabei auch die kreative Integration und Nutzung technologischer Möglichkeiten im Fokus.

Die eingereichten Applikationen überzeugten durch eine Vielfalt an Themen und Ideen. Von Applikationen, hinter denen hochkomplexe Algorithmen stecken, bis hin zu einfachen aber innovativen Ideen

– Jurystatement –

Insgesamt 92 Apps aus 17 Ländern von Brasilien über die USA bis nach Vietnam wurden für den AppArtAward eingereicht. Entsprechend schwer fiel der Jury die Auswahl. Entscheiden musste sich die Jury trotzdem: für vier Gewinner in den Kategorien Connected Art, Art + Experience, Virtual Reality sowie Sharing. Und die Gewinner-Apps können sich sehen lassen.

sacrificium: Kerze an. Smartphone aus.

88 mal pro Tag beziehungsweise alle 18 Minuten schauen wir auf unser Smartphone. Insgesamt sind das 2,5 Stunden. Was passiert, wenn wir uns bewusst dazu entscheiden, abzuschalten, uns digital zu entgiften: Erlösung oder Selbstgeißelung?

Mit dieser Frage beschäftigt sich die App sacrificium der Berliner Künstlerin Joanna Dauner, denn für viele Menschen ist das bewusste Nicht-Nutzen ihres Smartphones eine große
Herausforderung. Bei sacrificium besteht das rituelle Opfer darin, zwei Stunden lang auf die Anwendungen ihres Smartphones zu verzichten. Via App kann man von überall auf der Welt eine reale Opferkerze in der Jakobskapelle in Fischbachau in Bayern entzünden. Die reale Kerze brennt für zwei Stunden, sofern das Device innerhalb dieser Zeit nur dazu benutzt wird, den sacrificium-Livestream zu betrachten. Wird die laufende App jedoch vorzeitig beendet oder in den Hintergrund gedrückt, erlischt auch die Kerze in der Kapelle.

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sacrificium entstand als Teil des Masterprogramms an der Universität der Künste Berlin (Quelle: www.joannadauner.de)

sacrificium ist eine interaktive Installation, die das Ritual des Opferlichts aufgreift und über eine App mit dem Smartphone oder Tablet verbindet. In vielen Religionen und Kulturen werden Kerzen als Zeichen der Besinnung und der Kontemplation entzündet. Sie bleiben nach dem Ritual Stellvertreter des Betenden zurück, als Symbol für dessen Wünsche und Gebete. Mit sacrificium wird dieses Ritual in die Welt der vernetzten Dinge übertragen. Digital Detox.

Die kritische Auseinandersetzung der ständigen Nutzung von Smartphones, die Kohärenz von Idee und Umsetzung überzeugte die Jury und kürte diese somit zum Gewinner der Kategorie Connected Art.

– Jurystatement –

Bitte schneiden Sie eine Grimasse. Jetzt.

Nicht nur Kinder schneiden gerne Grimassen. Quasi jeder hat Spaß daran. Der US-amerikanischen Late Night  Jimmy Fallon beispielsweise fordert in seiner Tonight Show regelmäßig die Stars und Sternchen zum Funny Face off auf.

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Funny Face off: Jimmy Fallon versus Miley Cyrus (Quelle: The Tonight Show)

Und nach einem ähnlichen Prinzip funktioniert auch Mimics, die Gewinner-App in der Kategorie Art + Experience. Mimics ist ein Multiplayer-Spiel, das auf der subliminalen, mimischen Kommunikationsfähigkeit des Menschen basiert. Oder anders gesagt: Mimics trainiert Gesichtsmuskeln, von denen man noch nicht einmal wusste, dass sie existieren.

Navelgames-Mimics-AppArtAward
Mimics weckt den Spieltrieb und lässt einen obendrein unglaublich albern aussehen (Bild: NAvel Games)

Die App bietet einem Spieler oder einem Team Bilder unterschiedlicher Grimassen an, die nachgestellt werden müssen. Anschließend hat der gegnerische Mitspieler die Aufgabe, aus einer Auswahl an Bildern die nachgestellte Grimasse zu erraten. Vor den anderen Mitspielern extreme Grimassen zu schneiden und Anderen dabei zuzuschauen, wie sie das Gesicht verziehen und verrenken, garantiert Spaß pur.

Diese App überzeugte die Jury durch ihre Interaktion und ihren Charme und bereitete nicht nur der Jury große Freude und Spaß.

– Jurystatement –

Im Sturz durch Raum und Zeit Richtung Unendlichkeit

Bei Raum, dem Gewinner in der Kategorie Virtual Reality, verrät in gewisser Weise schon der Name, was uns erwartet. Denn Raum setzt sich kritisch mit den Möglichkeiten aber auch den Grenzen des virtuellen Raums auseinander.

In der ersten Sequenz findet sich der Nutzer mithilfe seines Smartphones und einer VR-Brille in einem authentischen Büroraum mit Schreibtisch, Computer, Zimmerpflanzen und Kaffeetasse platziert. Eine Stimme aus dem Off fordert ihn auf, die Tastatur zu bedienen, mit dem Stuhl zu kippeln oder die Blume umzustellen – Interaktionen, die ohne Datenhandschuh oder sonstigen Hilfsmitteln im virtuellen Raum nicht möglich sind.

Raum setzt sich kritisch mit den Möglichkeiten, aber auch den Grenzen von Virtual Reality auseinander
Raum setzt sich kritisch mit den Möglichkeiten, aber auch den Grenzen von Virtual Reality auseinander

Schließlich öffnet sich unter lautstarkem Protest des Sprechers überraschend der Raum. Durch Augentracking gelenkt, löst sich Stein für Stein die beengte Bürokulisse auf, bis man sich schließlich vollständig in einer scheinbar unendlichen, virtuellen Welt befindet.

Der Sprecher ist verstummt, der Nutzer kann dem virtuellen Raum noch einmal ganz neu begegnen. Das Potenzial der Virtuellen Realität eröffnet sich weniger durch die bloße Simulation der Wirklichkeit, als vielmehr in der kreativen Auslotung der technischen Möglichkeiten, mit der sich neue Erfahrungsräume öffnen lassen.

Das Zusammenspiel der zunächst kritischen Auseinandersetzung und dem Übergang in eine neue Welt, in welcher das Potenzial der virtuellen Welt ausgeschöpft wird, fiel der Jury besonders auf und kürte diese App zum Sieger in der Kategorie Virtual Reality.

– Jurystatement –

Teilen ist das neue Haben

In der Kategorie Sharing wurde auf Initiative des Ministeriums für Wissenschaft, Forschung und Kunst außerdem ein Sonderpreis ausgelobt, bei dem nicht der künstlerische Aspekt, sondern vielmehr der Gemeinschaftsgedanke im Vordergrund stand: Das Teilen, Leihen und Tauschen. „Sharing ist eine nachhaltige und intelligente Art des Wirtschaftens. Sie schont Ressourcen ohne Verzicht und zeigt, dass die Digitalisierung helfen kann, eine Wirtschaft zu entwickeln, die Wohlstand und Verbrauch entkoppeln hilft“, so Ministerin Theresia Bauer, deren Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg.

Die beiden Gründer von thangs Sammy Schuckert, David Paul
Die beiden Gründer von thangs Sammy Schuckert,
David Paul

thangs, der Gewinner in der Kategorie Sharing bietet eine Plattform, über die man sich innerhalb des eigenen Netzwerkes über die gemeinsame Nutzung bestimmter Dinge austauschen kann. Das Besondere ist der Zugriff der App auf das jeweilige Telefonbuch der Nutzerinnen. Haben Freunde und Bekannte thangs ebenfalls installiert, werden deren Anfragen nach Rasenmähern Schlagbohrmaschinen oder Schmetterlingskeschern von der App übersichtlich angezeigt. Aber auch Kontakte, die die App nicht installiert haben, können über eine verlinkte Internetseite und per kostenfreier SMS angefragt werden und auf die Anfrage reagieren.

Eine Leihliste hilft bei der Dokumentation der Ausleihen und somit auch dabei, Verliehenes wieder zurückzubekommen, thangs ist eine nutzerfreundliche App, die die Kommunikation erleichtert und so den Zugang zu einem nachhaltigen Umgang mit Ressourcen fördert.

Die AppArtAward Jury lobte dieses neue Kommunikationsmodell und dessen Usability, welche den Zugang zu einem nachhaltigen Umgang mit erleichtert und kürte diese App zum Gewinner der Kategorie Sharing des AppArtAward 2016.

– Jurystatement –

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