Sie saßen mit Laptops in den gemütlichen Lounges der Sonderschau „Open Codes“, hockten mit Tablets auf den Treppen der Lichthöfe und kauerten mit Lötkolben und Kupferdraht rund um die Arkade-Spiele der Dauerausstellung „Retro Games“: Bei der Premiere des studentisch organisierten Hackathon war das ZKM in Karlsruhe zwei Tage lang fest in Hackerhand und fast rund um die Uhr tüftelten über 200 Teilnehmer in 50 Teams an möglichst innovativen Konzepten für die Kommunikation zwischen Mensch und Maschine.

Stolze 28 Stunden hatten die Hacker Zeit zur Entwicklung einer möglichst pfiffigen Anwendung. Lediglich zwei Minuten hatten die 18 Finalisten dann für die Vorstellung ihrer Ergebnisse. Das überzeugendste Konzept lieferten nach Ansicht der Fachjury am Ende Dominik Doerner und Tobias Röddiger, die für ihr Projekt „Digimart“ den mit 4 000 Euro dotierten ersten Preis erhielten. Mit der „Digimart“-App können Lebensmittel in den Supermarktregalen gescannt und nach bestimmten Kriterien wie Zuckergehalt, Preis pro Kilogramm oder Allergieverträglichkeit bewertet werden. Die Art und Weise der Präsentation spielte bei der Juryentscheidung ebenso eine wichtige Rolle wie der Mehrwert und die Einzigartigkeit des Konzepts. „Außerdem haben wir uns überlegt, ob die Ideen aus wirtschaftlicher Sicht interessant sind“, betonte der Juryvorsitzende Alexander Waibel, Professor für Informatik am KIT. Auf dem mit 2 000 Euro dekorierten Rang zwei folgte das Projekt „Meet2Eat“ zur Förderung des sozialen Miteinanders in den Firmenkantinen.

Die Software listet auf einem digitalen Tischplan mögliche Gesprächspartner und Gesprächsthemen für die Mittagspause aus. Fachliche Themen wie bestimmte Firmenprojekte dürfen dabei ebenso als Schwerpunkt der mittäglichen Konversation gesetzt werden wie Sport, Kinofilme oder Reisen. Rang drei und ein Preisgeld von 1 000 Euro gingen an die App „HSM“, mit der auf mehreren Smartphones gleichzeitig Musik abgespielt werden kann.

Stolze 28 Stunden hatten die Hacker Zeit zur Entwicklung einer möglichst pfiffigen Anwendung. Lediglich zwei Minuten hatten die 18 Finalisten dann für die Vorstellung ihrer Ergebnisse. (Bild: Ekart Kinkel)

„Hacker arbeiten nicht in dunklen Kellern“

Die Präsentation der drei Siegerteams war der krönende Abschluss des von der studentischen Hochschulgruppe „Hack & Söhne“ organisierten zweitätigen Hacker-Marathons. „Das Wichtigste war allerdings, dass die Teilnehmer Spaß hatten und neue Kontakte aus der weit verzweigten Hacker-Szene knüpfen konnten“, betonte Organisator Julian Brendl von „Hack & Söhne“. Mit der Durchführung des zweitägigen „Hackathons“ im Rahmenprogramm der Sonderausstellung „Open Codes“ wollten die Organisatoren zudem den Dialog zwischen den Hackern und den Bürgern vorantreiben.

„Hacker arbeiten nicht in dunklen Kellern. Und sie ernähren sich auch nicht ausschließlich von Pizza und Softdrinks“, räumt Brendl mit einigen der gängigen Klischees über die Szene auf. Außerdem habe das hobbymäßige Hacken auch nichts mit den Cyberattacken von Geheimdiensten zu tun. Die meisten der heutigen Hacker seien kreative Köpfe und suchten bei ihren regelmäßigen Treffen nach Lösungen für eine funktionierende Vernetzung von Menschen und Technik. Die offene „Open Codes“-Ausstellung mit ihren niederschwelligen Bildungsangeboten war deshalb auch die ideale Plattform zur öffentlichkeitswirksamen Präsentation der erzielten Ergebnisse. „Außerdem ist das ZKM mit Ausstellungen wie den Retro Games ein wahres Disneyland für technikaffine junge Leute“, schwärmt Brendl.

CAS-Chef Martin Hubschneider zeigt sich „schwer beeindruckt“

Durch die Organisation des ersten internationalen Karlsruher Hackathons mit Teilnehmern aus allen fünf Kontinenten betrat die Hochschulgruppe regelrechtes Neuland. Die weitgehend positive Resonanz der Teilnehmer hat die hohen Erwartungen der Organisatoren bei der komplett ausgebuchten Veranstaltung dann ebenso bestätigt wie die finanzielle Unterstützung durch zahlreiche Sponsoren. „Einige teilnehmende Teams und die gute Organisation haben mich doch schwer beeindruckt“, sagte Martin Hubschneider, Geschäftsführer des Hauptsponsors CAS. Und nicht nur die drei Preisträger lieferten pfiffige Wettbewerbsbeiträge.

Das City-Quiz „QuizGo“ mit Positionserkennung wie bei Pokemon Go und eine App zum digitalen Schlange stehen kamen ebenso in die engere Auswahl wie eine sprechende Bilderkennungs-App für Sehgeschädigte und ein Stromgitarre spielender Roboter aus Lego-Teilen. Nicht ins Finale geschafft hatte es dagegen das Team „Voidpointer“ von Patrick Platkowski, das Cent-Münzen als Sensoren für ein medizinisches Messgerät verwendete. „Spaß gemacht hat die ganze Geschichte trotzdem“, betonte Platkowski, denn immerhin habe er während des Hackathons zahlreiche gute Gespräche mit Gleichgesinnten geführt. „Die Atmosphäre während der gesamten Veranstaltung war echt super“, schwärmte auch Dennis Vetter. Dass er mit seinem System zur Veröffentlichung von Online-Vorlesungen auf dem Streaming-Portal Twitch den Einzug in die Runde der letzten 18 verpasste, nahm der Hacker sportlich. „Scheitern gehört beim Hacken zum Geschäft. Und nur wenn man immer wieder etwas Neues ausprobiert, landet man auch mal den großen Wurf“, so Vetter.

„Manchmal geht es zu wie im Tante-Emma-Laden“

Die Hochschulgruppe „Hack & Söhne“ wurde im März 2017 von den drei Karlsruher Studenten Julian Brendl, Leander Kurscheidt und Marcel Hollerbach zur Organisation eines Netzwerktreffens mit etwa 40 regionalen Hackern aus der Taufe gehoben. Seither ist die Gruppe auf gut drei Dutzend feste Mitglieder angewachsen. Zur besseren Organisation der Veranstaltungen haben sich „Hack & Söhne“ inzwischen der Karlsruher Hochschulgruppe „talKIT“ angeschlossen.

„Unsere wichtigste Aufgabe ist inzwischen eigentlich das Projektmanagement“, sagt Brendl. Alleine für die Organisation des Hackathons wurden für die verschiedenen Aufgabenfelder wie Sponsorenakquise, Organisation und Catering zahlreiche Arbeitsgruppen gegründet. Mit dem klangvollen Gruppennamen und dem markanten Logo mit Fleischerbeil und Schriftzug wollten Brendl und seine Mitstreiter übrigens bewusst einen selbstironischen Kontrapunkt der sonst von Informatiker-Wortspielen geprägten Hacker-Szene setzen. „Wenn wir in kleinen Gruppen hacken, geht es manchmal zu wie in einem Tante-Emma-Laden“, so Brend. „Und außerdem ist Hacken zum Großteil eben auch Handarbeit“.

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