Vorletzte Woche hatte ich die Ehre, Teil der Delegation des Ministerpräsidenten Kretschmann zu sein, die eine Woche lang Unternehmen und Universitäten im Silicon Valley besucht hat. Gefühlt war das der Kick-off zum Landtagswahlkampf 2016 – die grüne Wirtschaftspartei unter dem Slogan: Heimat, Hightech, Highspeed.

Viele Unternehmensvisiten waren bemerkenswert, aber besonders eindrücklich war der Besuch bei Google in Mountain View. Als Konzern mit einer Marktkapitalisierung von € 360 Mrd., einem Umsatz von $ 60 Mrd. und 52.000 Mitarbeitern ist Google binnen 15 Jahren zu einem unfassbaren Internetriesen herangewachsen. Man lebt mit erheblichen Vorbehalten gegen soviel Macht. Ich, der lange auch in verknöcherten Konzernen gearbeitet hat, war echt beeindruckt, wie dieses Monster von einem Unternehmen sich die Liebe zum Detail, Fokus und ein kleines Augenzwinkern erhalten zu haben scheint. So war das Besucherzentrum konsequent als „Visitor Center – beta“ gekennzeichnet und es grüßte das Plakat „Nett hier. Aber waren Sie schon mal in Baden-Württemberg?“

Google hatte sich genauestens auf die Delegation vorbereitet, obwohl da geschätzt mindestens 20 Delegationen die Woche durchlaufen. Sie hatten uns offenbar gegoogelt. Alle sprachen zu Ehren des Gastes deutsch und artig lobte man die große Bedeutung der Grünen für den Umweltschutz, nicht ohne zu erwähnen, wie viele Sonnenpaneele Google betreibt und wie umweltfreundlich ihre Technologien sind – grüne Technologien natürlich.

Auf den Hund gekommen (Bild: googleblog.blogspot.de)
Auf den Hund gekommen (Bild: googleblog.blogspot.de)

Der Knaller war aber der oberste Google-Repäsentant an dem Tag, Mitarbeiter Nr. 8 und Senior Vice President for Technical Infrastructure, der Schweizer Urs Hölzle. Der hätte 100% auf den Gründungsparteitag der Grünen 1980 in Karlsruhe gepasst und brachte seinen Hund mit, einen Leonberger (!) namens – Achtung – Yoshka. Googles „First Dog“ legte sich dann auch artig zu Füßen des Ministerpräsidentens ab und hörte aufmerksam zu, was Google alles Gutes tun kann – Suchergebnisse für den Einkauf und den Vertrieb des Mittelstands, Stipendien für die Hochschulen, innovative Technologien, sogenannte „moonshots“ für eine bessere Welt. Die deutsche Chefin dieses Bereichs trägt übrigens den Titel „Head of making moonshoots ready for contact with the real world“.

Ich war hin und hergerissen zwischen dem Wissen, dass Google ein Monopolist und Datenkrake vor dem Herrn ist, und dem Eindruck, dass es hier ein Riesenunternehmen gibt, was seine Mitarbeiter bis in den letzten Zipfel dazu motivieren kann, Exzellenz und „Customer Centricity“ zu leben. Keine der anderen besuchten Firmen war annähernd so gut vorbereitet und wusste, was sie wollte. Dieser Anfangseindruck bestätigte sich über den ganzen Besuch, auch als beim abschließenden Empfang 30 Mitarbeiter deutscher Herkunft unter die Besucher mischten. Alles supergute Entwickler, die es über 6 Auswahlgespräche bis nach Mountain View geschafft haben und fast wie in einer Sekte nur Gutes zu berichten hatten.

Alles in allem bin ich mit dem Gefühl nach Hause geflogen: Man sollte sich vielleicht Geschäftsmodelle suchen, die weit weg sind von Google. Die Politik wird da eine harte Nuss zu knacken haben.

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