„Seit 65 Tagen keine Back-Ups“, zeigt mir mein Laptop, als ich es aufklappe und dies ist gleichzeitig die Ansage, wie viele Tage ich schon unterwegs bin. Denn vor 65 Tagen war es quasi meine letzte und wichtigste Tat, bevor ich Karlsruhe für eine Weile guten Gewissens Good-bye sagen konnte: Ohne ein Backup meiner Festplatte zu erstellen, wäre ich nicht geflogen.

Sollte mein Laptop geklaut werden oder kaputtgehen, habe ich dann zumindest die Sicherheit, dass ich bei meiner Rückkehr dank Apples Back-Up Dienst Time Machine meine Programme und Einstellungen mit einem neuen Gerät wieder so vorfinden könnte, wie es zum Zeitpunkt der Abreise war.

Dass dies nötig sein könnte, zeigt sich schon, bevor ich die Schiffsreise nach Brasilien überhaupt antrete: In Las Palmas, Cran Canaria crasht die Festplatte einer Mitreisenden, auf der sie alle ihre Daten speicherte. Von einem Freund werde ich gewarnt, dass man in Brasilien von einem Kind mit Waffe überfallen werden kann – während man nichtsahnend im Taxi vor einer roten Ampel wartet und dann nach dem Motto „Du gibst mir alles, was du hast oder ich schieße auf dich“ herausgeben musst.

Brasilien – Die düstere Seite

Was wie im schlechten Film klingt, ist in der Realität offensichtlich gar nicht so weit weg. Als ich in Salvador, Brasilien ankomme und vom Schiff steige, fallen mir genau diese Worte wieder ein. In Pelourinho, dem wunderschönen Altstadtviertel, steht an jeder Straßenecke ein Polizist – ein erstes Zeichen, dass hier wirklich viel „Kriminelles“ los ist.

Auch der Hostelbesitzer lässt es sich nicht nehmen, uns eine gründliche Einweisung in die Verhaltensregeln zu geben, um unser Hab & Gut zu schützen: Nicht mit dem iPhone vor der Tür eine rauchen gehen (und den Dieben so offensichtlich zu zeigen, was man hat), nicht im Aufenthaltsraum mit dem Macbook sitzen (der Aufenthaltsraum ist ohne Fenster und nur durch Eisenpfeiler von der Straße getrennt – lädt also gerade dazu ein, sein Opfer schon mal aus der Ferne zu betrachten), immer die Haustüre schließen und bestenfalls nicht mehr als 50 brasilianische Reais (ca. 12 Euro) einstecken haben, um beim Überfall nicht gleich alles zu verlieren.

Eine Gasse in der brasilianischen Stadt Salvador
Das bunte Viertel Pelourinho in Salvador – Wer würde hier schon Gefahr vermuten? (Bild: Maartje Smit via Wanderlicious)

„Alles“ hieße in meinem Fall vor allem Laptop und Smartphone. Denn der Vorteil am Digitalen Nomadentum ist gleichzeitig der Nachteil: Wer hauptsächlich mit Laptop und Smartphone arbeitet, der braucht nur Laptop und Smartphone, dass das Business läuft. Doch wer beides verliert, ist quasi arbeitslos.

Was habe ich also getan, um mich und mein Business auf die Reise nach Brasilien vorzubereiten?

Die „To-Do“-Liste fürs Arbeiten von unterwegs:

  • Buchhaltung & Rechnungsverwaltung – Hier brauchte ich zum Glück nichts zu ändern, läuft bei mir elektronisch. Die eingehenden Postrechnungen bekomme ich in Karlsruhe eingescannt und per Mail zugeschickt – Wer keine Kontaktperson hat, kann hier auch alternativ den Service von Dropscan in Anspruch nehmen
  • Kunden von meiner Abwesenheit informieren und als bevorzugten Kontaktkanal E-Mail vereinbaren
  • Skype-Konto mit Guthaben aufgeladen, um möglichst kostengünstig ins deutsche Fest- und Handynetz zu telefonieren
  • Mailbox-Ansage ändern und informieren, wie ich per E-Mail zu erreichen bin
  • Alle nötigen Kundendokumente und Auftragsdaten im E-Mail-Postfach speichern
  • Alle Telefonkontakte in der iCloud sichern
  • Sicherung der Passwort-App
  • Sicherung des Smartphones
  • Sicherung des Laptops

Kurz vor der Reise blitzte in meinem Facebook-Newsfeed noch ein Angebot für eine VPN-Software, VPN Unlimited, auf. Hier griff ich zu, denn nur zu gut erinnerte ich mich noch an den Klau meiner Facebook-Daten, als ich im letzten Sommerurlaub über ein deutsches Hotel-WLAN surfte. VPN Unlimited nutze ich nun mit dem Smartphone, als auch dem Laptop, wenn ich in öffentlichen WLANS surfe oder sensible Daten über eine gesicherte und verschlüsselte Verbindung versenden möchte.

Sonstiges (was man leicht vergisst):

  • TAN-Listen der Bankkonten in Kopie als auch in elektronischer Form mitnehmen, ggf. TAN-Generator
  • Reisepass kopieren und eingescannt an die eigene E-Mail-Adresse senden
  • Daueraufträge für Überweisungen terminieren
  • Bevollmächtigte Person Zuhause angegeben, die im Namen von mir Post entgegen nehmen oder Dokumente unterschreiben darf
  • Kreditkarten-Sperrkontakte in Papier- als auch elektronischer Form notieren, um im Verlustfall schnell reagieren zu können

„Das Digitale Nomaden Kit“

Was sollte man außer einem Laptop und Smartphone auf einer Reise als Digitaler Nomade noch dabei haben?

  • Einen ebook-Reader – während der Transportzeiten bleibt genug Zeit, um endlich mal all die Bücher zu lesen, die man schon die ganze Zeit lesen wollte
  • Eine Digitalkamera –hier empfehle ich, besser eine alte Kompakt- als eine Spiegelreflexkamera zu nehmen
  • Mehrere SD-Speicherkarten – ich wechsele diese und verpacke sie an unterschiedlichen Orten, damit ich bei einem möglichen Verlust nicht alle Fotos auf einmal los bin
  • Externer Akku fürs Smartphone – um auch Orte ohne Strom überbrücken zu können
  • Pacsafe mit Schloss – Diese Tasche besteht aus einem Netz mit Drahtseilen und schützt so vor Entnahme von größeren Wertgegenständen. Ich setze den Pacsafe in meinen kleinen Reiserucksack. Selbst wenn dieser von außen (z. B. während einer Busfahrt) von außen aufgeschlitzt werden würde, könnte man nichts entnehmen. Mit dem längeren Drahtseil und Schloss kann man den Pacsafe an Rohren oder ähnlichen Befestigungen anschließen, sodass er nicht weggetragen werden kann.

Musste ich bisher auf eines meiner Backups zurückgreifen? Nein. Ich hatte Glück. Einem Diebstahl in Salvador bin ich selbst knapp entkommen, in dem ich die Gelegenheit für die Diebe erkannte und blitzschnell meine Körpersprache veränderte – so vermute ich es. Von den gefährlicheren Überfällen, bei denen Waffenschüsse und körperliche Bedrohung involviert waren, wurde mir von anderen Digitalen Nomaden aus meiner Reisegruppe berichtet, was mir zeigt: Gefahr in Brasilien ist allgegenwärtig – besser, man rechnet damit und verhält sich entsprechend wenig leichtsinnig.

Badende Menschen an der Copacabana
Der demokratischste Ort Brasiliens, die Copacabana, an der Arm & Reich sich miteinander mischen (Bild: Ute Klingelhöfer)

Das wichtigste Arbeitsmittel – noch vor der Elektronik

Einen Aha-Moment hatte ich erst kürzlich, was mein Arbeits-Equipment betrifft. Habe ich immer geglaubt, Laptop und Smartphone wären mein größter materieller Verlust, musste ich feststellen, dass das mir wichtigste Arbeitsmittel meine Brille ist. Nie habe ich sie vermisst, bis zu dem Tag, an dem ich sie tatsächlich verlor. Denn: Ohne Sehkraft keine Arbeitskraft. Aber meine Brille wurde mir nicht gestohlen, für ihren Verlust bin ich ganz allein verantwortlich: Sie wurde am Strand der Copacabana von einer großen Welle geschluckt. Was ich daraus lerne? Mehr Respekt vor den Wellen zu haben und das nächste Mal nur noch mit Zweitbrille im Gepäck zu verreisen. :)

Ansonsten halte ich mich an die Verhaltenstipps, die mir entweder von Einheimischen nahegetragen wurden oder unter die Kategorie „gesunder Menschenverstand“ fallen:

  • Mein Macbook packe ich nur auf Touristeninseln auf dem Tisch zum Arbeiten aus, nicht in Großstädten – mal eben vor einem Starbucks in Rio de Janeiro das WLAN nutzen und danach wieder mit sicherem Gefühl auf die Straße zu gehen ist nicht.
  • Meinen kleinen Reiserucksack mit den Wertgegenständen lasse ich bei Transportfahrten von A nach B nie aus den Augen
  • Meine Spiegelreflexkamera bleibt (leider) zu oft in der Unterkunft im Safe verschlossen – Der wirkliche Wermutstropfen, da ich so schon auf einige tolle Fotomotive verzichtet habe.

Ihr seht – Arbeiten von unterwegs mit Laptop ist machbar – Wenn man bereit ist, Verhaltenseinschränkungen in Kauf zu nehmen.

Tchau – Até a próxima,

Ute Klingelhöfer

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