Einer der weltweit führenden Optik-Konzerne schlägt seine Zelte in der Technologieregion Karlsruhe auf. Mit dem Spatenstich für das ZEISS Innovation Hub @ KIT auf dem Campus-Nord des Karlsruhe Institut für Technologie (KIT) hat die Carl Zeiss AG mit Geschäftssitz im württembergischen Oberkochen das weltweite Firmennetzwerk mit zahlreichen Standorten in Deutschland, Ungarn, Großbritannien, Mexiko, China, Indien, der Schweiz und den USA um ein Innovationszentrum im Einzugsbereich der badischen Residenz ausgeweitet.

Rund 30 Millionen Euro investieren ZEISS und das KIT in den Bau des modernen Bürogebäudes mit über 12 000 Quadratmetern Nutzfläche. Die Fertigstellung der Innovationsschmiede ist für Ende 2019 geplant. Bereits feststehende Nutzer sind neben ZEISS und dem KIT das Unternehmen Nanoscribe GmbH. Außerdem sollen in dem neuen Zentrum Startups aus den Bereichen Hightech und Digitalisierung angesiedelt werden.

Mehrwert für Wirtschaft und Gesellschaft gleichermaßen

„Die enge Vernetzung mit einem renommierten Unternehmen wie der Carl Zeiss AG wird die Innovation am KIT und den engen Austausch mit der Wirtschaft weiter stärken und ist gleichzeitig ein Anknüpfungspunkt für unsere Absolventinnen und Absolventen auf ihrem Weg in die Industrie“, unterstreicht KIT-Präsident Holger Hanselka die Bedeutung des Zentrums.

Außerdem könnten Forschungsergebnisse aus den Wissenschaftslaboren der ehemaligen Eliteuniversität im Innovationszentrum durch hochinnovative Ausgründungen schnell zur Markreife gebracht werden. „Das bedeutet einen Mehrwert für Wirtschaft und Gesellschaft gleichermaßen“, so Hanselka. Der Bau des „ZEISS Innovation Hub @ KIT“ ist künftig das weithin sichtbare Zeichen für die langjährige Zusammenarbeit von Optik-Hersteller und Wissenschaftsschmiede. In einem Kooperationsvertrag wurden zudem die Rahmenbedingungen für die Zusammenarbeit in Forschung, Lehre und Innovation sowie bei der Internationalisierung, dem Career Service und dem Dialog mit der Gesellschaft geregelt. Die wichtigsten Forschungsthemen bei der Zusammenarbeit sind demnach maschinelles Lernen und Maschinensehen (Computer Vision). Durch die Ausstattung von Maschinen mit moderner Optik und einer entsprechender Software sollen die Schnittstellen zwischen Menschen und Maschinen um die Komponente des Sehens erweitert werden. Dann könnten Maschinen in der Produktion oder Roboter in der Pflege auch durch Gesten, Mimik oder bloßen Blickkontakt bedient werden.

Zeiss Innovation Hub @ KIT
Rund 30 Millionen Euro investieren ZEISS und das KIT in den Bau des modernen Bürogebäudes mit über 12 000 Quadratmetern Nutzfläche. (Bild: Karlsruher Institut für Technologie)

Bekenntnis zum Standort Deutschland

„Der Bau des Innovationszentrums ist ein wichtiger Schritt für unser Unternehmen. Mit diesem neuen Konzept entsteht ein gemeinsames Zentrum von Wissenschaft, Startups und führenden Technologieunternehmen. Alle werden bei dieser einzigartigen Kombination von der räumlichen und thematischen Nähe profitieren“, betont Michael Kaschke, Vorsitzender des Konzernvorstands bei der Carl Zeiss AG. Laut Kaschke baut ZEISS seine Position als aktiver Förderer der Wissenschaft durch solche praxisnahen Kooperationen weiter aus. Außerdem könnten die Synergie-Effekte zwischen der universitären und der industriellen Forschung auf dem weiten Feld der Optik künftig besser genutzt und zielgerichteter ausgewertet werden. Eigene Ausgründungen könnten ebenso wie die Startups aus dem Umfeld des KIT effizient begleitet und später einmal ins weltweite Unternehmensnetz integriert werden. „Der Bau des Zentrums ist auch ein Bekenntnis zum Standort Deutschland, an dem das Unternehmen seine Wurzeln und eine lange Tradition hat“, stellt Kaschke klar.

Mechaniker-Meister legte Grundstein für globales Unternehmen

Im Jahr 1846 legte der aus Weimar stammende Mechaniker-Meister Carl Zeiß mit der Gründung einer feinmechanisch-optischen Werkstadt in Jena den Grundstein für den heutigen Weltkonzern. Und bereits ein Jahr nach der Gründung wurden in der Werkstatt die ersten Mikroskope gefertigt. Am Ende des Zweiten Weltkriegs war Jena für kurze Zeit durch US-amerikanische Truppen besetzt. Mit dem Abzug der Amerikaner kamen zahlreiche Spezialisten des Unternehmens nach Württemberg und gründeten die Optik-Fabrik in Oberkochen. In den Jahren nach dem Mauerfall kam es zur Fusion der beiden Unternehmensstandorte und seit der Jahrtausendwende befindet sich die Carl Zeiss AG auf stetigem Wachstumskurs.

Dreidimensionaler Druck in extrem kleinen Skalen

Für die Nanoscribe GmbH ist mit dem Bau des „ZEISS Innovation Hub @ KIT“ die lange Suche nach geeigneten Büroräumen beendet. „Wir sind wirklich stolz, als High-Tech-Ausgründung des KIT in dieses Zentrum einziehen zu dürfen. Das Ensemble aus einer inspirierenden Architektur, der engen Anbindung ans KIT und die Vernetzung im Hub wird unsere Innovationskultur weiter beflügeln. Das Projekt und die uns damit eröffneten Wachstumschancen sind Ausdruck für die ausgezeichnete und nachhaltige Unterstützung, die uns ZEISS als einer unserer Anteilseigner gibt und welche wir auch vom KIT erhalten“, sagt Nanoscribe-Geschäftsführer Martin Hermatschweiler. Die Nanoscribe GmbH hat sich auf die Herstellung von 3D-Druckern für die Mikro- und Nanometerskala sowie auf verschiedene Anwendungsbereiche wie speziell zugeschnittene Fotolacke spezialisiert. Das Unternehmen wurde im Jahr 2007 als Spin-Off des KIT gegründet. Die wissenschaftlichen Grundlagen für die Ausgründung wurden aber bereits in den Jahren davor in den Forschungslaboren des KIT gelegt.

Nanoscribe wurde im Jahr 2007 als Spin-Off des KIT gegründet. (Bild: Nanoscribe)

Innerhalb der ersten zehn Jahre entwickelte sich Nanoscribe zu einem der weltweiten Technologieführer für dreidimensionalen Druck in extrem kleinen Skalen. Seit der Gründung hat das Unternehmen zahlreiche Preise erhalten, zuletzt im März 2018 für die erfolgreiche Übertragung wissenschaftlicher Erkenntnisse in wirtschaftlich nützliche Produkte den Technologietransferpreis der Deutschen Physikalischen Gesellschaft (DPG).