Der Breitband-Ausbau hinkt in Deutschland gewaltig, die gesteckten Ziele der Bundesregierung sind in weite Ferne gerückt. Das drücken zumindest aktuelle Studien aus. Doch wie steht es tatsächlich um den Ausbau mobiler sowie stationärer Internet-Infrastrukturen? Und wie steht Deutschland im internationalen Vergleich da?

Zunächst einmal möchte ich den Begriff Breitband erklären. Dabei handelt es sich schlicht um einen Internetzugang mit „hoher“ Datenübertragung. National gesehen sprechen wir von Übertragungsraten zwischen zwei bis vier Megabit pro Sekunde. Laut Statista surften 2014 knapp 60 Prozent der Deutschen im Rahmen dieser oder höheren Geschwindigkeiten. International liegt die durchschnittliche Messlatte bei zirka acht Megabit pro Sekunde (Wikipedia). Deutschland bewegt sich also gerade noch im international messbaren Bereich; zumindest wenn man die durchschnittliche Download-Geschwindigkeit der Internet-Anschlüsse in den führenden Wirtschaftsländern weltweit betrachtet. Und betrachtet man ausschließlich die Internetnutzung weltweit, sind nach oben hin keinerlei Grenzen in Sachen Nutzerzahlen gesetzt.

Breitband-Internet für alle Haushalte“. So klingt es, wenn die Bundesregierung digital aufs Tempo drückt. Doch die digitale Kluft wird größer; vor allem wenn digital in Richtung ländlicher Raum gedrückt wird. Der aktuelle und dazu passende Breitband-Report von Deloitte sowie der Breitband-Report von DSLWEB stellt große Unterschiede zwischen ländlichen und urbanen Räumen fest: Stadtbewohner haben besseren Zugang zu schnellen Internet-Verbindungen, die Basis zur Digitalisierung aller Lebensbereiche. Randlagen dagegen geraten laut der Studie von Deloitte ins Hintertreffen. Der Grund liegt auf der Hand: Der Ausbau mit Highspeed-Internet ist für Anbieter nicht wirtschaftlich. In Zahlen liegt der Glasfaser-Anteil stationärer Breitband-Anschlüsse hierzulande bei unter einem Prozent; Kupfer- und TV-Kabelnetze ermöglichen in Ballungsgebieten jedoch bereits Bandbreiten von über 50 Megabit pro Sekunde.

Breitband in Deutschland nicht wirtschaftlich?

Dort können immerhin über 80 Prozent der Haushalte auf Highspeed-Anschlüsse zugreifen, in ländlichen Räumen sind es dagegen gerade einmal 20 Prozent. Schaut man sich dazu aktuelle Prognosen an, kommt es sogar noch schlimmer. In den Städten werden sich die Bandbreiten im Schnitt verdreifachen, auf dem Land eher verschlechtern. Was allerdings positiv stimmt, und da beziehe ich den ländlichen Raum explizit mit ein: Die veränderte Mediennutzung (Smartphone, Streaming-Dienste) führt zu einer steigenden Zahlungsbereitschaft für schnelles Internet: Laut der Deloitte-Erhebung sind 38 Prozent der Deutschen bereit, für die doppelte Surfgeschwindigkeit zusätzlich zu zahlen. Nicht zuletzt durch die erzielbaren Mehreinnahmen könnte innerhalb der nächsten beiden Jahre die Wirtschaftlichkeitslücke bei Neuanschlüssen auf dem Land deutlich reduziert werden – ist sich zumindest Deloitte sicher. Zumindest rückt so die Wirtschaftlichkeit wieder in den Fokus der Anbieter.

Komplett-Tarif: Festnetz, DSL und TV in einem sehr beliebt

Laut der TK-Studie von VTAM aus dem Jahre 2014 gibt es derzeit in Deutschland 31 Millionen Festnetzanschlüsse. 20,5 Millionen hält alleine die Telekom. Den Rest teilen sich die Wettbewerber untereinander auf. Knapp sechs Millionen Anschlüsse sind über das TV-Kabelnetz gekoppelt. Nun kommt es dicke: Nur 75 Prozent der Festnetz-Kunden hat auch DSL – alternative Anbieter vermelden sogar einen Rückgang der DSL-Festnetzanschlüssen. Im Aufwind dagegen Kabel-gebundene Internet-Zugänge. 2014 sind es insgesamt sechs Millionen Anschlüsse; 2011 waren es noch 3,7 Millionen. Laut Studie sollen von diesen Anschlüssen insgesamt 385.000 Nutzer tatsächlich einen Tarif gebucht haben, der gelegtes Glasfaser in Gigabit-Geschwindigkeit ausnutzt – für deutsche Ansprüche eine grausam geringe Anzahl. Dennoch, speziell die kompletten Internet-TV-Telefon-Tarife sind bei den Bürgern beliebt. Mobil sieht es dagegen wesentlich freundlicher aus. Alleine in Deutschland sind 2014 37 Millionen Menschen mobil ins Internet gegangen, 25 Prozent mehr als ein Jahr zuvor.

Dass es auch anders geht, zeigen leider keine Initiativen des Bundes, sondern vielmehr einzelne Städte, die in Zusammenarbeit mit Internet-Anbietern mit dem individuellen Breitband-Ausbau begonnen haben – auch auf Dörfern geht es dank Eigeninitiative voran. Der Branchenverband Bitkom verspricht sich vor allen durch die kürzliche Versteigerung der „Digitalen Dividende II“ einen starken Schub für den Breitband-Ausbau – auch im Segment Funk beziehungsweise Richtfunk.

Es bleibt also abzuwarten wie die Bundesregierung aufs Tempo drückt – schaut man sich Gesamt-Deutschland an, gleicht die Bundes-Datenautobahn derzeit jedenfalls eher einer 30er-Zone. Von Tempo Hundert sind wir noch meilenweit entfernt.

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