Seit ich angefangen habe, mich mit dem Thema Hausbau zu beschäftigen, fragen mich immer mehr Menschen, welcher Smart Home-Standard der beste ist. Ich empfehle dann im Regelfall KNX, füge aber gleich hinzu, dass letztendlich jeder für sich selbst entscheiden muss, welche Bedeutung er einem intelligenten Eigenheim zumisst und wie viel er bereit ist, dafür zu investieren.

Ich bin mit dem Internet und der Digitalisierung groß geworden. Für mich ist es undenkbar, im Jahr 2017 ein Haus zu bauen und darin eine Elektroinstallation wie vor 100 Jahren zu montieren. Man verzichtet ja schließlich auch nicht auf fließend Wasser und eine Fußbodenheizung. Rein statistisch betrachtet, befinde ich mich mit dieser Meinung jedoch in der Minderheit, denn noch immer werden die meisten Neubauten mit „vier Steckdosen und drei Lichtschaltern im Schlafzimmer“ angeboten.

Das liegt ganz einfach daran, dass vielen Bauherren das Interesse an einem intelligenten Eigenheim fehlt. Viel wichtiger ist da die Farbe der Ziegel und das Muster der Fliesen. Smart Home? Das kann man später sicher irgendwie nachrüsten. Ganz bestimmt. Die verfügbare Bandbreite vom Internetanschluss hat man ja auch nicht geprüft, aber das wird schon irgendwie passen.

Nein, wird es nicht. Wer in 30 Jahren keine Elektroinstallation wie vor 130 Jahren nutzen möchte, muss sich vor Baubeginn mit dem Thema auseinandersetzen. „Ich verlege einfach Leerrohre!“ – das ist mein Lieblingssatz in diesem Kontext. Das Problem an der Sache: Während der Bauphase verlegte Leerrohre verlaufen später nur selten dort, wo man sie – nachdem man sich über die Jahre in dem Haus eingelebt hat – eigentlich gerne hätte. Man kommt am Ende nicht darum herum, die Wände aufzureißen. Was man während der Bauzeit gespart hat, zahlt man später drauf.

Smart Home

Smart Home gibt es nicht zum Nulltarif

Bevor man sich mit den unterschiedlichen Smart Home-Varianten auseinandersetzt, sollte man sich darüber im Klaren sein, dass ein intelligent vernetztes Haus ein paar Euro mehr kostet. Um jetzt gleich mit der Tür ins Haus zu fallen: Wenn eine Standard-Elektroinstallation 15.000 Euro kostet, liegt eine KNX-Installation bei etwa 28.000 Euro – wenn man sich auf die Automation von Licht, Rollläden, Beschattung und Heizung beschränkt.

Das sind 13.000 Euro mehr. Auf den ersten Blick ist das viel Geld – allerdings legt man bei einem Haus schon einmal 17.000 Euro für einen hochwertigen Fußbodenbelag auf den Tisch. Bei Bad und Küche sind die Grenzen nach oben offen. Ich habe Bäder gesehen, in denen allein die Waschbecken mit 6000 Euro zu Buche schlugen – ohne Armaturen. Wer seine Küche im Küchenstudio planen lässt, landet schnell bei weit über 20.000 Euro.

Freilich bekommt man das auch alles günstiger, aber was ich euch mit diesen Beispielen vor Augen führen möchte: Im Vergleich zu anderen Gewerken ist eine Smart Home-Elektroinstallation nicht teuer. Bodenbeläge, Fliesen, Küchen und Bäder – all diese Dinge kann man nach ein paar Jahren bei Bedarf schnell austauschen. Eine vollständige KNX-Installation nachzurüsten, ist hingegen schwierig bis unmöglich.

Spart nicht am falschen Ende!

KNX

Warum ich dem KNX-Standard immer den Vorzug geben würde

Ich werde in kommenden Artikeln noch ausführlich auf die unterschiedlichen Smart Home-Varianten eingehen, möchte euch an dieser Stelle aber bereits den KNX-Standard ans Herz legen.

Wenn ihr die Infoveranstaltungen der großen Hersteller besucht oder euch mit dem Elektroinstallateur vor Ort unterhaltet, werdet ihr oft hören: „KNX ist zu teuer, das brauchen Sie nicht!“.

Bei den Herstellern liegt das daran, dass diese inzwischen verstärkt auf geschlossene Systeme setzen. Der Witz an der Sache: die meisten dieser Systeme basieren auf KNX. Man nimmt also einen offenen Standard, schränkt diesen in seinem Funktionsumfang ein und vermarktet ihn als „günstige KNX-Alternative“. Dass sämtliche Produkte dieser geschlossenen Systeme nur mit denen des jeweiligen Herstellers kompatibel sind, erfährt man meist erst auf Nachfrage. Zwar sind die Anschaffungskosten für solche KNX-Alternativen etwas geringer, allerdings liefert man sich dafür vollständig dem jeweiligen Anbieter aus.

Und warum rät euch euer Elektroinstallateur von KNX ab? Ganz einfach: weil er es nicht kann. Eine KNX-Installation erfordert neben einer detaillierten Planung (etwa durch einen Ingenieur) auch einen fachgerechten Einbau und eine euren Wünschen entsprechende Programmierung. Nur wenige Elektriker verfügen über entsprechende Qualifikationen. Wenn ein „normaler“ Elektriker eine KNX-Installation einbaut, ist das in etwa so, als ob ein Maurer ein Haus ohne Architekt und Statiker errichten würde.

Amazon Echo

Bleibt die Frage, warum ich hier ausgerechnet KNX empfehle. Das liegt ganz einfach daran, dass es sich dabei um einen offenen, etablierten Standard handelt, der schon seit Jahren bei der Gebäudeautomation eingesetzt wird. Es gibt nichts, was man mit einer KNX-Installation nicht intelligent ansteuern könnte. Zudem läuft alles über Kabel. Das ist ein riesiger Vorteil gegenüber all den Funklösungen, die derzeit auf den Markt drängen – zumindest bei einem Neubau. Weiterhin hat so gut wie jeder Elektrotechnikhersteller KNX-Produkte im Sortiment – ihr habt also die freie Wahl und könnt verschiedene Hersteller miteinander kombinieren. Selbst wenn ein Hersteller sich mal aus dem Markt zurückzieht: der KNX-Standard bleibt.

Wie offen KNX ist? Sagen wir mal so: In eine über zehn Jahre alte KNX-Installation – die geplant wurde, lange bevor es intelligente Sprachassistenten gab – lässt sich Amazons Alexa problemlos integrieren. „Alexa, Licht an!“, „Alexa, Raffstore öffnen!“ – alles kein Problem.

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