Nutzen statt besitzen! Das ist die Philosophie von thangs. Rasenmäher, Koffer oder Wagenheber – alles kann per Smartphone-App geteilt werden. Wir haben mit den Machern und Gewinnern des vergangenen ShareBW-Wettbewerbs gesprochen.

Lieber David, lieber Sammy, 2015 wart ihr eines der fünf Gewinner-Teams des Share Economy-Wettbewerbs des Landes Baden-Württemberg. Was hat sich seither für euch verändert?

Seit dem Gewinn des Wettbewerbs hat sich viel verändert. Zuerst einmal sind wir von damals drei entschlossenen Studenten und einer Idee zu einem Unternehmen gewachsen. Dabei hat uns die dazugehörige Unterstützung durch das CyberForum Karlsruhe sehr geholfen. Wir haben es geschafft, unsere Vision von einer Share Economy-App für iOS und Android in die Realität umzusetzen. Des Weiteren hat uns der Gewinn des Wettbewerbes auch völlig neue Möglichkeiten gegeben in unsere Idee zu investieren, Marketing zu betreiben und die App mit mehr Ressourcen zu entwickeln.

Für all diejenigen, die bislang noch nichts davon gehört haben: Um was genau geht es bei thangs?

Stell dir vor du möchtest bald verreisen, besitzt aber seit der letzten Reise, die einige Jahre zurückliegt, keinen Koffer mehr. Bevor du dir jetzt einen kaufst, kannst du thangs zu Hilfe nehmen um deine Freunde und Bekannten (nämlich deine Kontakte aus deinem Smartphone-Telefonbuch) nach diesem Koffer zu fragen.

In drei einfachen Schritten kannst du mit unserer App eine große Anzahl von ihnen nach einem passenden Reisekoffer fragen. Deine Kontakte können dann zunächst ohne viel Aufwand mit einem Klick auf einen „Ja“ oder „Nein“-Button antworten. Die eigentliche Kommunikation kann dann mit den Personen, die mit „Ja“ geantwortet haben, über den integrierten Chat geschehen.

Sobald ihr euch dann darüber einig geworden seid, wann und wo ihr den Reisekoffer übergeben möchtet, kannst du mit wenigen Klicks einen Eintrag in der Leihliste erstellen. Damit siehst du direkt, von wem du den Koffer ausgeliehen hast und wann du ihn zurückgeben sollst. Eine automatische Erinnerungsfunktion hilft außerdem dabei, diesen Termin nicht zu verschlafen, denn Wiedersehen macht bekanntlich Freude.

Nehmen wir an, ich leihe von jemandem den Rasenmäher aus, fahre damit über einen Stein und das Messer ist kaputt – wer haftet in diesem Fall?

Da du dir Gegenstände bei thangs (momentan) nur von Freunden und Bekannten, deren Telefonnummer du besitzt, ausleihen kannst, sorgst du selbst dafür, dass du sorgsam mit ausgeliehenen Produkten umgehst. Denn, wer macht schon gerne mutwillig etwas von seinen Freunden kaputt? Dadurch steigt die Gefahr beim nächsten Mal nichts mehr verliehen zu bekommen. Wie dieser Streit geklärt überlassen wir deshalb euch als Freunde, da wir genau genommen ja nur die Vermittler sind.

Gibt es Altersgruppen, in denen euer Angebot besonders gut ankommt? Welche Produkte werden am häufigsten ausgeliehen?

Ja, es zeichnen sich erste Trends ab. Die Leute, welche Interesse zeigen, gehören meist zur Gruppe der Millennials, sind also zwischen 20 und 35 Jahre alt. Gegenstände die verliehen werden sind meist Dinge, die teuer in der Anschaffung sind und auf ein Jahr gesehen wenig genutzt werden. Zum Beispiel: Gartengeräte, Werkzeuge, Transportmittel.

Wie habt ihr den ShareBW-Wettbewerb erlebt und welche Tipps könnt ihr den Teilnehmern in diesem Jahr geben?

Unser gesamtes Team hat den ShareBW-Wettbewerb als eine sehr positive Erfahrung erlebt. Wir haben durch ihn viele tolle Menschen kennengelernt, wertvolle Kontakte geknüpft und sehr viel Unterstützung erhalten. Letzteres durch den lobenswerten Einsatz und das Engagement des CyberForum Karlsruhe.

Als Tipp können wir den Teilnehmern mitgeben: Setzt euch so früh wie möglich mit eurem Geschäftsmodell auseinander und versucht verschiedene Wege. Die Monetarisierung der Share Economy-Ideen ist oftmals das schwierigste, da sprechen wir aus eigener Erfahrung. Deshalb haltet durch und gebt nicht bei der ersten verschlossenen Tür auf. Mit Durchhaltevermögen ergibt sich dann oftmals ein Weg.

Das Team von Thangs

Welchen Stellenwert hat die Share Economy in eurem Leben? Greift ihr auch in anderen Bereichen auf entsprechende Angebote zurück?

Ja, auch privat greifen wir (David und Sammy) auf Sharing Economy-Lösungen zurück. Wir übernachten zum Beispiel auf Reisen möglichst oft in Airbnb-Wohnungen. Sammy, der gerade in den USA unterwegs ist, nutzt dort gerne einmal Lyft und Uber um von A nach B zu kommen. Für seinen Urlaub im November plant er einen Aufenthalt in einem der Co-Work-Living Häusern von Outsite.co auf Hawaii.

Vor einiger Zeit hat Sammy auch einen spannenden Gastbeitrag auf Techtag zu seiner Share Economy-Erfahrung geschrieben.

Was muss sich ändern, damit sich die Share Economy langfristig etabliert? Wo seht ihr (noch) Probleme?

Wir sehen der zukünftigen Entwicklung der Share Economy optimistisch entgegen. Wir glauben je mehr Menschen die Vorteile des Teilens erfahren, desto mehr profitieren alle davon, auf sozialem und ökologischem Wege. Die Akzeptanz wird durch die Vernetzung zunehmend größer, was sich an den steigenden Zahlen von zum Beispiel Car-Sharing und Mitfahrgelegenheiten sehr gut zeigt. Aber auch wenn es um Musik- oder Videostreaming geht, trägt das Internet bei vielen zum Umdenken bei. Die wenigsten haben noch physische Musik- oder Filmesammlungen. Natürlich wird die Share Economy in vielen Bereichen die traditionellen Wirtschaftszweige nicht komplett ersetzen, sondern viel mehr neben diesen koexistieren. Dadurch bieten diese Modelle echte Alternativen zum Konsumwahnsinn. Ob sich die Share Economy langfristig etabliert oder nur ein Schritt auf der Entwicklungsleiter ist, aus der neue Konzepte entstehen, zeigt die Zukunft. Alles in Allem, freuen wir uns Teil dieser Entwicklung zu sein.

Es gibt immer häufiger Stimmen, die mehr Regulierung im Bereich der Share Economy fordern. Wie seht ihr das?

In gewissen Bereichen ergibt es Sinn mehr Regulierungen zu fordern, in anderen weniger. Zum Beispiel achten wir bei Airbnb mittlerweile darauf, dass die Wohnung die wir anmieten keine Ferienwohnung ist, welche den Rest der Zeit leer steht. Wir möchten den Vermietern nicht ermöglichen Wohnraum durch lukrative Ferienwohnungen in Berlin-Mitte zu verknappen, sondern armen Studenten, die übers Wochenende ausgeflogen sind ermöglichen, ein paar Groschen zu verdienen. Da nicht alle Share Economy-Bereiche gleich sind, möchten wir gerne vermeiden alle über einen Kamm zu scheren. Wie unser Beispiel illustriert, sollte jeder Fall einzeln, vom Konsumenten und den Regierungen, kritisch beurteilt werden. Es ist unser aller Verantwortung wie wir diese Angebote der Share Economy nutzen. Zusammenfassend kann man also sagen, wenn das Ganze lediglich auf Vertrauen und dem sozialen Miteinander basiert und zwischen den Parteien keinerlei Währung fließt, sehen wir keine Notwendigkeit für mehr Regulierungen.

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