Mit dem Slogan „Teilen statt Haben“, wirbt die Sharing Economy heute erfolgreich für sich. Der Gedanke einer Ökonomie des Teilens ist allerdings keineswegs neu – schon archaische Gesellschaften nutzten Ressourcen gemeinsam und zogen daraus Vorteile für die Gemeinschaft. Und auch der über 2000 Jahre alte Satz von Aristoteles „überhaupt aber besteht das Reichsein mehr im Gebrauchen, als im Besitzen“, sagt viel über die Philosophie der Ökonomie des Teilens aus: Nicht das Anhäufen von Besitz macht glücklich. Jeder, der schon einmal seinen Keller ausgemistet hat, wird dieses Gefühl kennen.

Der altruistische Gedanke der Sharing Economy, hat gerade im Zuge der Digitalisierung Rückenwind und eine rasante Verbreitung gefunden: Durch das Internet ergeben sich völlig neue Möglichkeiten. Wer früher über Zeitungsanzeigen Kleidertauschpartys organisiert hat, nutzt heute den Online-Flohmarkt Kleiderkreisel. Das Vermieten von privaten Wohnungen läuft schnell und günstig Airbnb. Inzwischen ist aus der Sharing Economy ein profitables Geschäftsmodell entstanden – mit vielen Gewinnern, aber auch zahlreichen Verlierern : Schlagzeilen wie „Airbnb Management Services: Home-Sharing auf Abwegen“ oder „Wie deutsche Städte gegen Airbnb aufrüsten“, klingen nicht gerade positiv. Doch wenn auch die Negativschlagzeilen derzeit überwiegen, ist der altruistische Gedanke der Sharing Economy bei weitem nicht tot! Es gibt durchaus Beispiele, wie man erfolgreiche Plattformen bauen kann, ohne dabei die Grundidee des Teilens aufzugeben.

Gutes nicht schlecht werden lassen

Lebensmittelverschwendung ist in Deutschland ein großes Problem. So landen in Deutschland etwa ein Drittel aller produzierten Lebensmittel nicht auf dem Teller, sondern im Müll. Genau gegen diese Verschwendung kämpft seit 2012 die Initative foodsharing. Innerhalb der Community ist es möglich, Essenskörbe mit noch guten Lebensmitteln an andere User zu verschenken oder untereinander zu tauschen. Über 200.000 Personen und 3.000 Betriebe machen bei foodsharing mit und verschenken ihre übrig gebliebenen Lebensmittel. Diese erfreuen dann andere Nutzer, die eine leckere Mahlzeit daraus kochen können.

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Wieso nicht einfach mal mit Fremden dinieren?

Essen ist mehr als nur Nahrungsaufnahme und macht erst gemeinsam so richtig Spaß. Man kommt ins Gespräch, verbringt zusammen einen schönen Abend und entdeckt im Idealfall sogar noch neue Gerichte für sich. Und wer nicht immer mit den selben Leuten essen möchte, für den ist das Netzwerk cooksocial vielleicht was. Die Plattform bringt hungrige Gastgeber mit Gästen zum gemeinsamen Kochen zusammen. Der Handlungsort ist dabei die private Küche. Die potenziellen Gäste schauen, wo in ihrer Nähe jemand zu Tisch bittet und melden sich über cooksocial beim Gastgeber. Dieser kann angeben, was auf der Speisekarte steht, wie viele Plätze noch frei sind und was das Ganze kosten soll. Eine Win-win-Situation.

Städter mit grünem Daumen gesucht

Wer in einer Stadtwohnung lebt, hat nur selten einen eigenen Garten, denn an eine Parzelle im Schrebergarten zu kommen, ist gar nicht mal so einfach. Und zugegeben, so ein Garten macht auch ganz schön viel Arbeit. Warum also nicht Mitstreiter suchen? Eine Online-Plattform, die Menschen mit grünem Daumen zusammenbringt, ist Gartenpaten. Über Online-Anzeigen findet der potenzielle Gärtner zum richtigen Gemeinschaftsgarten. Hinter dem Projekt Gartenpaten stecken Leonie Culmann und Veronika Wendt. Mit ihrem Startup haben die beiden Gründerinnen den Share BW –Wettbewerb 2015/16 gewonnen.

Wer darüber hinaus noch seine selbst angebaute Ernte mit anderen teilen mag, dem sei mundraub.org ans Herz gelegt. Auf der Plattform lassen sich herrenlose oder eigene Obst- oder Nussbäume in eine Online – Landkarte eintragen und mit anderen teilen.

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Teilen geht auch ganz nebenbei

Viele Leute, die Lebensmittel spenden wollen, wissen nicht genau wie. Dazu kommt, dass Organisationen, wie die Tafeln oder das Rote Kreuz, aus hygienischen Gründen nicht alles annehmen dürfen. Wer als Privatperson nur kleine Mengen spenden möchte, bleibt oft darauf sitzen. Neben foodshare gibt es mit dem Projekt „share“ die Möglichkeit Lebensmittel auch ganz nebenbei beim täglichen Einkauf zu spenden: Wer ein Produkt der Marke „share“ kauft, der unterstützt gleichzeitig ein Hilfsprojekte in einer Krisenregion. Es gibt dabei drei Produktkategorien: Flüssighandseife, Müsliriegel und Mineralwasser. Jeder Käufer dieser Produkte spendet automatisch Geld für Nahrung, Wasser oder Seife. Wer wissen möchte, wo genau die Spende ankommt, kann den auf der Verpackung abgedruckten Track-Code eingeben. Hinter dem Projekt „share“ steckt das Berliner Startup „Share Foods“. Die Produkte sind derzeit bei REWE und dm erhältlich.

Für Dinge, die man selbst besitzt, aber definitiv nicht mehr braucht, gibt es in etlichen Städten übrigens inzwischen Giveboxen und öffentliche Bücherschränke. Bücher oder sonstige Gebrauchsgegenstände können dort einfach herausgenommen werden und wieder zurückgelegt werden.

Mobilität teilen und dabei die Umwelt entlasten

Wer morgens einen längeren Arbeitsweg zurücklegen muss, hat die Qual der Wahl: mit dem eigenen Auto fahren oder doch den ÖPV nutzen? Beides geht langfristig ins Geld. Eine kostengünstigere Variante ist Ridesharing. Beim Ridesharing teilen sich mehrere Personen eine Autofahrt. Einen klassischen Fahrplan gibt es dabei nicht – vielmehr nutzen Fahrer und Fahrgäste selbst definierte Haltepunkte auf der Strecke. Ein Ridesharing-Startup aus Heidelberg ist Match Rider. Die Plattform vermittelt Mitfahrgelegenheiten für Pendler auf Kurzstrecken. Ein neues Angebot in den Städten Stuttgart und Heidelberg ist MatchRiderGO. Dabei werden an festen Haltestellen verbindliche Fahrten zu Fixpreisen angeboten.

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Erfahrungen teilen und Flüchtlingen bei der Jobsuche unterstützen

Der Weg in die Arbeitswelt ist nicht immer einfach – besonders, wenn man vor Sprachbarrieren steht. Eine neue Jobperspektive für Flüchtlinge gibt die Plattform Welcome2Work, die von Studierenden des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) entwickelt wurde. Die Online-Plattform unterstützt Geflüchtete bei der Arbeitsplatzsuche und organisiert gleichzeitig ein online-gestütztes ehrenamtliches Patenprogramm, um die Geflüchteten in den deutschen Arbeitsmarkt zu integrieren: Auf welcome2work.de haben Flüchtlinge die Möglichkeit sich ein Bewerberprofil anzulegen oder sich direkt auf offene Stellen zu bewerben. Partner und Paten bieten Workshops an, bei denen gemeinsam Bewerbungsmappen erstellt, über das deutsche Arbeitsleben diskutiert und die Bewerber gezielt darauf vorbereitet werden. Durch das Patensystem werden Flüchtlinge über den gesamten Bewerbungsprozess bis zur erfolgreichen Jobvermittlung betreut. Wer für seinen Standort Partner werden möchte und Flüchtlingen helfen will, kann sich ganz einfach über die Website registrieren.

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Sharing Economy funktioniert auch auf Unternehmensebene

Das Konzept der Sharing Economy muss sich nicht auf Privatpersonen beschränken, auch Unternehmen können davon profitieren. So hat sich das Unternehmen raumobil mit seinem Projekt Local Zero zum Ziel gesetzt, die Fuhrparkauslastung von Unternehmen zu verbessern. Dazu wurde eine B2B-Online-Plattform entwickelt, die es mehreren Firmen ermöglicht, einen gemeinsamen Fuhrpark zu betreiben. Der Fokus liegt dabei auf Elektroautos.

Aber auch Arbeitsgeräte lassen sich teilen. Das Startup V-Industry möchte Unternehmen dabei unterstützen, ungenutzte Maschinenressourcen entlang der gesamten Wertschöpfungskette zu teilen. Die Hard- und Software-Lösung visualisiert dabei Maschinen- und Auslastungsdaten und stellt sie digital auf einer Web-Plattform dar.
Anbieter können dort ihre nicht genutzten Maschinenressourcen zur Verfügung stellen. Abnehmer können die Maschinennutzung nachfragen, um diese ohne hohe Kosten in die eigene Supply Chain einzubinden.

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Sharing Economy ist ein Konzept, das für alle einen Mehrwert bringt

Seien es Gebrauchsgegenstände, Lebensmittel oder Mobilitätslösungen – unsere kleine Auswahl hat gezeigt, dass die Sharing Economy mehr, als nur ein Trend ist. Auch ist sie nicht auf bestimmte Güter beschränkt. In Deutschland steckt die Sharing Economy im Vergleich zu Ländern, wie China noch in den Kinderschuhen und nimmt momentan gerade erst Fahrt auf. Wir dürfen also gespannt sein, wie sie sich die nächsten Jahre weiterentwickelt.

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