Ist das Konzept „Mieten statt Kaufen“ mit dem Grundprinzipien der Sharing Economy vereinbar? Wir haben mit dem Team von Grover über diesen Ansatz gesprochen.

Liebes Grover-Team, in meinem Kommentar zur Sharing Economy habe ich die These aufgestellt, dass das Konzept „Mieten statt Kaufen“ falsche Anreize setzt und mit dem eigentlichen Sharing-Gedanken wenig zu tun hat. Grover hingegen sieht sich als Erweiterung der klassischen Sharing Economy. Könnt ihr das genauer ausführen?

Die eigentliche Idee der Sharing Economy entsprang aus einem Nachhaltigkeitsgedanken und wurde von Menschen aufgegriffen, die bewusster, ressourcenschonender und sozialer konsumieren wollten. Wer Umweltschutz und Abfallvermeidung im Sinne hat, der nimmt gern an der Sharing Economy Teil, aber der Rest der Gesellschaft zeigt sich davon oft noch unbeeindruckt.

Viele unserer Kunden sind Early Adopter und nimmersatte Tech-Konsumenten , die großen Bedarf an den neuesten Geräten und regelmäßigen Upgrades zu neueren Modellen haben. Dank Grover nehmen sie an der Sharing Economy teil, denn der Nutzen, den sie aus unserem Service ziehen, entspricht ihren Bedürfnissen. Also ja, es geht beim Mieten teilweise auch um die Befriedigung von Konsumbedürfnissen aber Dank Grover können mehrere Menschen diese Bedürfnisse mit ein und demselben Gerät befriedigen anstatt sich alle ein eigenes zu kaufen. Das bedeutet eine effizientere Nutzung von Ressourcen. Die Geräte, die wir vermieten, gehen in die Circular Economy über – weshalb Grover auch von der Ellen MacArthur Stiftung in die CE 100 aufgenommen wurde. Wenn wir die Geräte vom Kunden zurückgeschickt bekommen, werden sie auf ihren einwandfreien Zustand hin überprüft und gereinigt, sowie alle Daten und Einstellungen zurückgesetzt.

Die professionelle Reinigung und Wartung ist nicht nur ein wichtiger Service für den Kunden, sondern verlängert die Lebensdauer und Attraktivität der Produkte erheblich. Wir ermöglichen damit allen die effiziente Nutzung von modernen elektronischen Geräten, auch konsumaffinen Menschen und nicht nur einer kleinen Gruppe umweltbewusster und gemeinschaftlich ausgerichteter Nutzer.

Für die meisten unserer Kunden spielt es keine Rolle, Eigentümer der Produkte zu sein, die sie nutzen, da sich ihre Anforderungen an Technik in verschiedenen Lebenssituationen ändern und der Kauf daher nicht sinnvoll erscheint. Und wenn sie die Geräte doch behalten und kaufen wollen, was auch vorkommt, können sie das. In diesem Fall kann man ihre Zahlungen als Raten hin zum Eigentum sehen mit dem Unterschied, dass sie sich zu keinem Zeitpunkt dazu verpflichten zu kaufen.

Wir erweitern den Gedanken der Sharing Economy auch, indem wir ein transparentes Preis- und Service-Modell anbieten. Die Peer-to-Peer Sharing Economy, die von privaten Anbietern betrieben wird, basiert in vielerlei Hinsicht auf Vertrauen und ist daher schwer skalierbar. Für unsere Kunden spielt die Tatsache, dass unsere Geräte von vielen gebraucht werden, nicht wirklich eine Rolle, weil sie wissen, dass sie sich auf unseren Service und die Qualität unseres Angebotes verlassen können. Laut der neuesten PwC -Studie zur Sharing Economy geht der Trend in diesem Bereich immer mehr zu professionellen Anbietern wie Grover , was uns nicht überrascht.

Ihr sagt, dass Grover mit seinem Angebot jedem Gerät im Schnitt mehr als drei Nutzungszyklen ermöglicht. Aber ist es nicht so, dass iPhones und andere hochwertige Smartphones ohnehin mehrere Nutzungszyklen haben, weil sie regelmäßig weiterverkauft werden? Kaum jemand wirft seine Apple Watch oder sein iPad weg, wenn er sich das „neueste“ Modell zulegt.

Hier kommt wieder unsere Zielgruppe ins Spiel. Sie sagen, kaum jemand wirft seine Apple Watch weg. Das stimmt wahrscheinlich, aber vor dem Wegwerfen kommt das nicht mehr Brauchen und Nutzen. Heutzutage landet viel Elektronik schnell in der Schublade oder wird im schlimmsten Falle (wenn es dann wirklich veraltet ist) unsachgemäß entsorgt.

Das Weiterverkaufen von Geräten bringt einiges an Aufwand mit sich. Spenden möchten viele schon rein aus Prinzip nicht, weil sie ja ursprünglich viel Geld ausgegeben haben. Das Gerät unbenutzt im eigenen Besitz veralten zu lassen, ist heutzutage ein sehr häufiges Szenario. Laut IT-Verband Bitkom liegen schon über 100 Million Geräte in Schränken herum. Einen neuen Besitzer für die noch guten Geräte zu finden, ist vielen zu aufwendig, deshalb übernimmt Grover diesen Service.

In Ihrem Kommentar ziehen Sie eine Analogie zu Kleidung, die meist kostenlos weitergegeben wird und selten im Müll landet. Aber auch Kleidung wird im Zeitalter von Fast Fashion immer häufiger weggeschmissen. Als Alternative gewinnen kostenpflichtige Verkaufsplattformen, auf denen der Drang nach stets „neuen“ Stücken im Schrank dank Second-Hand-Ware befriedigt werden kann, immer mehr an Bedeutung. Auch wenn diese Art des Teilens weniger idealistisch ist, entspricht sie den Bedürfnissen des Mainstream-Konsumenten mehr, als die gute alte Tauschparty. Bei elektronischen Konsumgütern ist es ähnlich. Die meisten Menschen verkaufen ihre Laptops, Smartphones oder Gadgets selten weiter, vieles wird durch etwas Neues ersetzt und einfach nie wieder genutzt. Da bietet Grover eine Alternative.

Das älteste iPhone, das Grover im Programm hat, ist ein iPhone 5, das inzwischen über fünf Jahre alt ist. Mietet das wirklich noch jemand oder sind nicht vielmehr das iPhone 8 und iPhone X für die Konsumenten von Interesse?

Die neueren Modelle sind sicherlich beliebter und dementsprechend führen wir von diesen große Mengen. Aber auch das iPhone 5 wird aktuell vermietet. Während die einen höhere monatliche Kosten in Anspruch nehmen, um die neuesten Geräte zu nutzen, ist es für andere interessanter, ältere Modelle zu viel niedrigeren Preisen zu mieten. Auch das ist ein Aspekt, der immer wichtiger wird.

Gibt es bestimmte Nutzergruppen, bei denen das Konzept von Grover besonders gut ankommt?

Ja, aber die Motive unterscheiden sich. Die Grover-Community setzt auf Flexibilität. Unsere Kunden möchten sich nicht durch Eigentum an bestimmte Geräte binden. Vielmehr schätzen sie den Zugang zu Technik und die Möglichkeiten und Potenziale, die sich daraus ergeben. Diese neue Generation von Konsumenten definiert sich stärker über den Moment und über Erlebnisse, als über Statussymbole und Dinge, die sie ihr Eigen nennt. Wir sprechen Kunden an, die ihre finanzielle Unabhängigkeit schätzen und die erkannt haben, dass sie zu viel Geld für Dinge ausgeben, die sie am Ende nicht genug nutzen und auch nicht effizient weiterverkaufen oder teilen. Grover ist auch attraktiv für Menschen, die oft und schnell Nachfolgemodelle nutzen möchten und die Freiheit schätzen, zwischen Marken und Funktionen hin und her wechseln zu können.

Unter unseren Kunden finden sich immer mehr junge Unternehmen und Startups, die für ihre Arbeit die beste Technik brauchen, aber nicht gleich tausende von Euros ausgeben möchten, ohne genau zu wissen, wohin die Reise geht und was sie dafür brauchen werden. Deshalb haben wir gerade “Startups get Grover” ins Leben gerufen, ein Angebot, dass speziell auf Gründer und Unternehmer ausgerichtet ist.

Der begrenzte Bedarf an einem Gerät, für ein Projekt, eine Veranstaltung oder für den Urlaub ist oft ein Motivationsgrund zu mieten, statt zu kaufen. Unsere Produkte reisen mit unseren Kunden um die Welt und bereichern Hochzeitsfeiern, Workshops und Konferenzen. Mit “Creators get Grover” unterstützen wir bereits Kreative und Künstler und stellen ihnen Produkte zu Verfügung, mit denen sie ihre digitalen Projekte verwirklichen können. Unsere Kunden schätzen Technologie und Innovation und ziehen besonders viel Nutzen aus Technik-Produkten in ihrem Leben und in ihrer Arbeit. Sie stehen Veränderungen offen gegenüber und tun sich leicht damit, das Konzept des exklusiven Eigentums durch flexible Miete und den sogenannten Kollaborativen Konsum zu ersetzen.

Wie lange ist die durchschnittliche Mietdauer und welche Geräte sind besonders beliebt?

Die durchschnittliche Mietdauer liegt bei etwas über 3 Monaten. Unsere beliebtesten Kategorien sind Smartphones, Kameras, Spielkonsolen und Virtual Reality, sowie Drohnen und Wearables.

Kommen wir zurück zur Sharing Economy. Denkt ihr, dass das Sharing unser Leben und Konsumverhalten in den kommenden Jahren verändern wird, oder haben wir es mit einem vorübergehenden Phänomen zu tun?

Ja, auf jeden Fall. Wir glauben, dass das Ende des exklusiven Eigentums für viele Güter in Sicht ist. Dass sich Nutzer den Zugang zu Produkten und

Dienstleistungen teilen ist kein Trend – darin liegt die Zukunft des Konsums, davon sind wir überzeugt. Alles andere macht einfach keinen Sinn. Wir können es uns schlichtweg nicht leisten, das Vorhandene nicht effizienter zu nutzen, sowohl auf der Mikroebene der Verbraucher als auch global gesehen, wenn wir an den Planeten und seine Ressourcen denken.

Grover legt den Fokus auf den Zugang. Unseren Kunden ist es egal, wie viele und welche Nutzer das Gerät vor ihnen verwendet haben, solange es in sehr gutem Zustand ist und für sie zugänglich, wenn sie es brauchen. Dass sich so mehrere Menschen ein und dasselbe Produkt teilen können, ist dabei ein automatischer Nebeneffekt.

Deshalb verstehen wir unser Angebot auch als Teil der Access Economy und der Kreislaufwirtschaft.

Was muss eurer Meinung nach passieren, dass die Sharing Economy langfristig Erfolg haben kann?

Es braucht ein kontinuierliches kollektives Umdenken. Die Idee, sich an seinem Eigentum zu definieren und sich über das Einkaufen zu befriedigen, ist noch tief verwurzelt in unserer Gesellschaft und wird natürlich durch den klassischen Handel am Leben erhalten. Was wir spannend finden, ist die Tatsache, dass das aufregende Gefühl etwas Neues zu bekommen immer relativ schnell vergeht. Deshalb kaufen Menschen viel mehr Dinge, als sie brauchen. Diese Art des Konsums ist linear, einseitig und langfristig nicht nachhaltig. Viel Neues wird gekauft und das Alte verstopft unsere Schränke, Wohnungen und Keller und letztendlich den Planeten. Vor allem für jüngere Konsumenten, die sogenannten Millennials, ergibt das immer weniger Sinn und lohnt sich auch nicht. Das World Economic Forum entwirft sogar ein Szenario, in dem uns in 2030 nichts mehr gehört.

Wenn wir den Nutzen und den Spaß, den wir aus Dingen ziehen, von der Idee entkoppeln, diese kaufen und dauerhaft besitzen zu müssen, bewegen wir uns als Konsumenten in einem viel freierem Umfeld. Die Fragen, die wir uns stellen, drehen sich dann tatsächlich darum, was wir machen wollen oder brauchen und nicht darum, was wir uns leisten können oder was eine gute Investition ist.

Wenn man mietet, kann man sich den Reiz des Neuen immer wieder leisten, gleichzeitig kann man die Dinge, die einem weniger Freude oder Nutzen bringen, einfach zurückschicken und in den Gebrauchs-Kreislauf zurückführen. Neue Möglichkeiten und Potenziale eröffnen sich, während finanzielle, gesellschaftliche und psychologische Hürden verschwinden. Bei Grover geben wir unseren Kunden eine Kostprobe von dieser Idee und wir werden nicht ruhen, bis die ganze Welt auf den Geschmack gekommen ist.

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