Am Dienstag, den 02.05.2017 hat Microsoft mit Windows 10 S ein komplettes Ökosystem für Schüler und Studenten vorgestellt. Die Kombination aus günstiger Hard- und Software soll die Welt von Microsoft wieder attraktiver machen. Vor allem für jüngere Generationen.

Als ich jung war, gab es keine wirkliche Alternative zu Microsoft. In der Schule lernten wir mit Microsoft Office zu arbeiten. Der heimische Gaming-PC lief unter Windows 95, später dann unter Windows 98 und XP. Den Mac gab es zwar schon, er spielte im Alltag aber kaum eine Rolle.

iOS, Android und Chrome OS – niemand kannte diese Begriffe. Es gab weder Smartphones noch Tablets. Word, Excel und PowerPoint hatte dagegen jeder im CD-Regal liegen. Kostenlose Office-Alternativen in der Cloud? Was bitte war eine Cloud?

Microsoft hat an Attraktivität verloren

Doch Zeiten ändern sich. Apple und Google machen Microsoft die Vorherrschaft streitig. Für Kinder und Jugendliche sind inzwischen iPhones und Android-Smartphones zum ersten Berührungspunkt mit Computern und dem Internet geworden. Sowohl Apple als auch Google liefern passend zu ihrer Hardware die entsprechenden Software-Lösungen gleich mit. Kostenlos.

Nicht anders sieht es in Bildungseinrichtungen aus. Zu meiner Zeit gab es in der Schule einen Computerraum, der mit Windows-Rechnern ausgestattet war. Wir lernten, wie man Dokumente mit Word formatiert und Präsentationen mit PowerPoint erstellt. Heutzutage gibt es geförderte iPad-Klassen und ChromeOS. Auf Letzterem basieren bereits über 50 % aller neuen Geräte bis zur zwölften Klasse in den USA. Die Hardware ist günstig, die Software einfach zu bedienen.

Microsoft hat da mit dem vergleichsweise schwerfälligen und ressourcenhungrigen Windows 10 kaum eine Chance – und das ist ein Problem für den Konzern: Wer sich schon in seiner Kindheit ausschließlich im Ökosystem von Apple oder Google bewegt, wird mit hoher Wahrscheinlichkeit nie bei Microsoft landen.

Windows 10 S soll junge Zielgruppe ansprechen

Das am Dienstagabend vorgestellte Betriebssystem Windows 10 S soll diesen Trend nun umkehren und junge Leute möglichst früh an Microsofts Ökosystem heranführen.

Das Prinzip ist denkbar einfach: Analog zu Chrome OS wird die Windows 10 S-Hardware zu sehr günstigen Preisen angeboten. Los geht es bereits bei 189 US-Dollar. Acer, Asus, Dell, Fujitsu, HP, Samsung und Toshiba – so gut wie alle Partner von Microsoft sind mit an Bord.

Gleichzeitig wurde das Betriebssystem so optimiert, dass die Startzeit kurz und die Bedienung einfach ist. Alles was schwerfällig ist und Windows unnötig komplex macht, wurde über Bord geworfen. Zudem können Anwendungen – analog zum iPad – ausschließlich über den Microsoft-eigenen Store heruntergeladen und installiert werden. Einerseits verhindert das, dass Programme auf den Rechner kommen, die diesen langsam machen. Andererseits kann Microsoft so kontrollieren, welche Software den Nutzern überhaupt zugänglich gemacht wird.

In der Praxis bedeutet dass beispielsweise, dass kein Weg am EDGE-Browser von Microsoft vorbeiführt, da weder Chrome noch Firefox im Windows Store gelistet sind.

Ob es Microsoft mit dieser Taktik gelingt, die Herzen der jüngeren Generation zurück zu erobern, bleibt abzuwarten.