Am 19.10.2017 startete die vierzehnte Ausgabe der Filmreihe „Traumfabrik“ , diesmal mit dem Titel „BIG BROTHER: Surveillance Cinema – Pluralistische Freiheit oder totale Kontrolle?“ Gezeigt werden 17 Filme, die alle Überwachung und Kontrolle thematisieren. Dabei werden sowohl die verschiedenen Ausprägungen und Zusammenhänge vor Augen geführt, als auch deren Konsequenzen.

Der Bogen spannt sich vom Klassiker aus den 30er Jahren („M – Eine Stadt sucht einen Mörder“ ) über die Jahrzehnte, bis zum aktuellen Abschlussfilm „The Circle“ aus diesem Jahr. Alle ganz im Sinn von George Orwells Motto „Big Brother is watching you“ aus 1984. Die komplette Liste der teilweise oscarnominierten und –prämierten Filme befindet sich auf der Homepage des KIT zu dieser Filmreihe.

Big Brother und Citizenfour

Zum Auftakt wurde der Film „Citizenfour“ gezeigt. Hierbei handelt es sich um einen Dokumentarfilm über den Whistleblower Edward Snowden, der 2013 durch die Filmemacherin Laura Poitras und den Reporter Glenn Greenwald die Öffentlichkeit über eine globale Überwachungs- und Spionageaffäre der Abhörpraktiken der NSA (National Security Agency) informierte. Der Film wurde, wie alle anderen Filme der Reihe auch, im Karlsruher Traditions- und Programmkino Schauburg aufgeführt.

citizenfour
Kinoveranstaltung Citizenfour, Quelle: ZAK/Tanja Meißner

Direkt im Anschluss folgte eine Podiumsdiskussion, moderiert und geleitet von Dirk Fox, Geschäftsführer der Secorvo Security Consulting GmbH und Initiator der KA-IT-Si. Dabei waren die folgenden Experten vertreten (von rechts nach links auf dem Bild):

  • Prof. Dr. Caroline Robertson-von Trotha, Direktorin des ZAK
  • PD Dr. iur. Oliver Raabe, Direktor am Forschungszentrum Informatik (FZI)
  • Dr. Dirk Achenbach, Leiter des Kompetenzzentrums IT-Sicherheit am FZI
  • Jan Linders, Chefdramaturg und stellvertretender Generalintendant am Badischen Staatstheater Karlsruhe
Podiumsdiskussion
Podiumsdiskussion unter Experten, Quelle: ZAK/Tanja Meißner

Die Veranstaltung selbst war eine Kooperation von folgenden Institutionen und Forschungseinrichtungen

  • Karlsruher IT-Sicherheitsinitiative
  • DIZ | Digitales Innovationszentrum
  • Kompetenzzentrum für IT-Sicherheit des Landes Baden-Württemberg am FZI und
  • Kompetenzzentrum KASTEL für Cybersicherheit am KIT

Diese haben sich im vergangenen Herbst zur „IT-Sicherheitsregion Karlsruhe“ zusammengeschlossen. Aus dieser Zusammenarbeit ist die Veranstaltung hervorgegangen, in enger Kooperation mit dem Zentrum für Angewandte Kulturwissenschaft und Studium Generale am KIT (ZAK), innerhalb deren Rahmen Herrn Petrolls „Traumfabrik“ stattfindet.

security w/o borders

Zum Film „Citizenfour“ sollten ganz im Sinne des Abends einige Dinge nicht unerwähnt bleiben: Hier wurde deutlich aufgezeigt, dass Whistleblower sehr intensiv verfolgt werden und ihnen drakonische Strafen drohen. Es gab hierfür reichlich Beispiele in der Vergangenheit, zum Beispiel Chelsea Manning, Reality Leigh Winner… nicht zu vergessen zahlreiche Fälle, die den Weg in die Öffentlichkeit nie in gleichem Maße fanden wie die oben genannten Beispiele. In nicht rechtsstaatlich geführten Regimes verschwinden solche „Dissidenten“ komplett von der Bildfläche.

Umso wichtiger ist es, dass genau für diese Zwecke Tools zur Verschlüsselung, Kommunikation und Verschleierung von Spuren genutzt werden. Selbstverständlich sind diese nicht immer einfach in der Anwendung und selbst auf Profis lauern viele Fallstricke. Oftmals genügt ein kleiner, unbedachter Fehler des Whistleblowers (Watermark, Provider …) der ihn auffliegen lässt. Eine zweite Chance gibt es nicht.

Aus diesem Grund wurde die Organisation „security without borders“ gegründet, ausschließlich um zu helfen. Dabei richtet sich ihr Engagement insbesondere an Aktivisten, Journalisten und Menschenrechtler. Sie unterstützen sowohl im Vorfeld mit Tools, als auch bei Einschätzungen und nach Einbrüchen (z.B. Trojaner). Besonders beeindruckend hieran ist, dass es sich um ein reines Freiwilligennetzwerk handelt, das seine Dienste kostenfrei für betroffene Organisationen und Einzelpersonen zur Verfügung stellt.

Resümee

Im Grunde genommen lässt sich zusammenfassend sagen, dass Whistleblower nur aus einem einzigen Grund existieren: Es gibt in der Regel keinerlei funktionierenden Kontrollinstitutionen, die das Tun und Handeln des Staates überwachen und bewerten (dürfen). Als abschließendes Fazit passt demnach auch hier wieder mal ein Zitat aus einem anderen Film: „Who watches the Watchmen?

watchmen
Von David Masterswho watches the watchmen, CC BY 2.0, Link
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