Seit knapp vier Jahren nutze ich den Anonymisierungsdienst VPNTUNNEL. Neben einer aus meiner Sicht hervorragenden Geschwindigkeit, bietet der Dienst aus Schweden zudem ‚ausschließlich‘ anonyme IP-Adressen und speichert, aufgrund der besonderen Gesetzeslage in Schweden, keinerlei Logfiles. Und neben einer starken Verschlüsselung darf sich der Nutzer auf eine mögliche Umleitung über Island freuen.

Was ist eigentlich ein VPN?

VPN steht für ‚Virtual Private Network‘ und beschreibt eine verschlüsselte Verbindung zwischen beispielsweise zwei unterschiedlichen Rechnern. Die Verbindung kann dabei über das Internet oder das Intranet, also dem lokalen Netzwerk aufgebaut werden. Der Vorteil solcher Verbindungen: Ein VPN-Netzwerk agiert zwar in der Regel über das öffentliche Internet; doch durch das eigene Kommunikationsprotokoll ist die Verbindung vor fremden Blicken Dritter relativ gut geschützt. Eine VPN-Leitung wird auch gerne als Tunneling bezeichnet. Es werden demnach die eigentlichen Kommunikationsprotokolle in das VPN-Protokoll (Tunnel) verpackt und an den Kommunikationspartner verschlüsselt übertragen. Erst auf dem Zielrechner werden die eigentlichen Kommunikationsprotokolle samt Informationen entschlüsselt.

Für wen eignet sich der Dienst? Grundsätzlich für jeden, der Wert auf seine Privatsphäre setzt – damit ist auch die berufliche Filterblase gemeint. Speziell Selbstständige sollten sich mit der Thematik auseinandersetzen, da meines Erachtens nichts wichtigerer ist, als der Schutz der Kundendaten. Verschlüsselte Festplatten, verschlüsselte Files sind Pflicht; eine sichere Verbindung aber auch.

VPNTUNNEL: der Preis, das Angebot, der Service

Was kostet der Dienst? VPNTUNNEL gehört zweifelsohne zu den günstigsten Anbietern. So kostet ein einzelner Monat zwar 9,99 Euro, drei Monate dagegen nur noch 6,66 Euro und das 12-Monate-Paket verlangt sogar nur 2,99 Euro pro Monat. Das Besondere: Der Nutzer darf dabei bis zu fünf gleichzeitige Verbindungen aufbauen und die Bandbreite wie auch die Geschwindigkeit uneingeschränkt, also ohne Limits, nutzen. Es ist so also auch möglich, mehrere Personen beziehungsweise Rechner zu versorgen. VPNTUNNEL - die Preise sind international gesehen absolut fair und bezahlbar.

  • OpenVPN, PPTP, SSTP, L2TP (über IPsec)
  • Gut bedienbare Software
  • Fünf gleichzeitige Verbindungen
  • Unbeschränkte Bandbreite und Geschwindigkeit
  • 2048-Bit-Verschlüsselung
  • Unterstützung von Torrents und P2P-Netzwerke
  • Keine Logs
  • 80 VPN-Server weltweit in 22 Ländern

In Sachen Service möchte ich speziell auf den Support und den online-Hilfestellungen eingehen. Selbst Neulinge werden mit den technischen Anleitungen auf dem Portal eine verschlüsselte Verbindung hinbekommen, versprochen. Auf den Hilfeseiten des Anbieters finden Suchende gute Anleitungen, kleinere Hilfestellungen und für eine manuelle Verbindung fertig konfigurierte Skripte – egal ob Windows, Linux oder OSX. Für Android und iOS gibt es natürlich eine kostenlose App (siehe Bilder) in den jeweiligen Stores. Wer auch auf dem Smartphone manuelle Verbindungen vorzieht, kein Problem: Auch dafür bietet der Dienst Anleitungen und entsprechende vorkonfigurierte Skripte. Auf dem Smartphone benötigt man für eine manuelle Verbindung geschätzte zwei Minuten und die Performance ist für die Aufgaben E-Mail, Surfen und Abspielen von Videos (auch HD) absolut ausreichend.

VPNTUNNEL auf Android-Endgeräten (im Test)

Der Service von schwedischer Seite hat sich in den letzten Jahren stark verbessert. So musste man anfangs noch 1-2 Tage auf eine Antwort warten; mittlerweile wartet der Fragende nicht länger als 1-2 Stunden. In meinem Testfall bekam ich zwei kurze aber hilfreiche Antworten innerhalb von 30 Minuten. Es gilt: umso konkreter die Problembeschreibung, die Fragestellung, desto präziser kann der Support auch darauf eingehen.

VPNTUNNEL in der Praxis

Jeder VPN-Kanal hat grundsätzlich einen Nachteil: Der Rechner, über den eine verschlüsselte VPN-Verbindung hergestellt werden soll, bildet technisch einen sogenannten Flaschenhals. So benötigt die Verschlüsselung hohe Rechenleistung. Ist der Rechner zu schwach (Prozessor, Netzwerkkarte, WLAN-Modul), ist die Internetverbindung zu gering, kann das bereits für eine geminderte Übertragung sorgen. Für bestimmte Übertragungen nutze ich daher auch kein VPN. Dieses kann man in den Einstellungen des jeweiligen Rechners/Routers konfigurieren. Werden alle Datenpakete verschlüsselt kommen folgende Ergebnisse zum Tragen – sie sind bei jedem Anwender natürlich individuell zu betrachten und von den oben erwähnten Randbedingungen abhängig.

Der Speedtest zeigt zwar keine Spitzengeschwindigkeit, technisch aber absolut im Rahmen.

Ob eine Verbindung steht erkennt der Nutzer recht einfach: Am Rechner oben rechts erscheint in der Regel das Icon des jeweiligen Programms. Steht eine Verbindung, werden die gerade transferierten Pakete in Kilobits oder Megabits angezeigt. Eine zusätzliche Kontrolle bietet ein Besuch der Seite ‚whatismyipaddress‚ – dort wird die aktuelle IP und das dazugehörige Land samt Server-Standort angezeigt. Die Seite funktioniert natürlich auch ohne VPN.Der IP-Standort des Zielservers kann einfach im Browser überprüft werden.

Wichtig 1: Unter ‚Weitere Optionen‘ – abhängig von der jeweiligen Software, den Haken bei ‚Gesamten Verkehr über VPN-Verbindung senden‘ aktivieren. Ansonsten wird lediglich die Verbindung verschlüsselt.

Wichtig 2: Das Tempo auf der Datenautobahn ist abhängig vom ausgewählten Land, sprich von der Entfernung vom verbindungsaufbauenden Rechner zum Zielserver. Ich surfe in der Regel über die Länder, über die auch keinerlei Daten hängenbleiben (Schweden, Island). Die Entfernungen beider Länder sind aus süddeutscher Sicht allerdings relativ hoch. Diesen Aspekt bitte immer im Hinterkopf behalten.

Die Verbindung selbst stellt der Nutzer entweder direkt über die Netzwerkeinstellungen des jeweiligen Betriebssystems her oder nutzt Alternativsoftware wie beispielsweise Tunnelblick (OSX) oder Open VPN (Windows, OSX, Android, iOS) – beides sind Open-Source-Lösungen.

VPNTUNNEL: die Nachteile

Klar gibt es auch Nachteile. Die gedrosselte Geschwindigkeit reicht zwar für YouTube-Videos und für E-Mail-Anwendungen sowie für das Surfen im Internet. Doch für das Herunterladen großer Dateien ist das VPN nicht konzipiert.

Ein weiterer Nachteil ist der Anbieter selbst. Dieser kann natürlich, auch wenn er es vielleicht nicht vorhat, die verschlüsselten Daten entschlüsseln. Sprich, Server in den USA, Russland oder Türkei sind vor staatlicher Willkür nicht sicher. In diesem Fall hilft natürlich eine Vorabverschlüsselung der zu versendenden Informationen; etwa via PGP.

Was bisher nicht unterstützt wird, ist die dauerhafte VPN-Verbindung. Wird eine Zeitlang nichts an Daten übertragen, trennt sich die Verbindung automatisch – zumindest auf dem mobilen Endgerät. Für Gelegenheitssurfer nervend. Die sogenannte ‚Always-On-VPN‘ wird zwar von den meisten Geräten unterstützt, knüpft allerdings an einigen Voraussetzungen an. So muss der VPN-Server mit einer IP statt nur per Domain-Name auflösen. Zudem muss ein DNS-Server eingetragen sein und als Protokoll wird beispielsweise unter Android ein IPSec-VPN vorausgesetzt – kein PPTP. Bei VPNTUNNEL wird aus Gründen der Anonymisierung keine feste IP erlaubt – es wird bei jeder Verbindung immer eine neue vergeben.

Hinweis: Auf meinem MacBook Air sowie auf dem Pro wird die Verbindung, selbst nachdem der Rechner in den Ruhemodus geht, nicht getrennt. Warum weiß ich allerdings nicht; die Einstellungen sind die gleichen. Wer mehr weiß, bitte via Kommentar melden. Ich werde den entsprechenden Hinweis als Update in den Artikel einbinden.

Warum Island, warum Schweden?

Warum Island, warum Schweden? Auf der Suche nach Datenschutz-konformen Anbietern kommt man heutzutage nicht mehr an Island vorbei. Der kleine Inselstaat zelebriert seit einigen Jahren eine richtige Daten-Demokratie; selbst WikiLeaks-Gründer Assange und Whistleblower Edward Snowden schwören auf die Insel. Bereits 2009 sprach sich Julian dafür aus, in Island einen Datenhafen zu errichten. Warum? Island ist speziell wegen seiner modernen Mediengesetzgebung, an der die Mitarbeiter von WikiLeaks beratend mitwirkten, ein attraktives Land. Zudem ist das Land kein Mitglied der EU. Aber auch Schweden ist datentechnisch noch attraktiv. In Schweden gibt es zwar ebenfalls eine Verpflichtung, innerhalb der EU gespeicherte Daten zu speichern und behördentechnisch auszutauschen, doch schwedische Unternehmen bilden seit Jahren ein Konsortium, welches sich bisher erfolgreich gegen die Herausgabe von Kundendaten wehrt – eines davon ist VPNTUNNEL. Der EU gefällt das wahrlich nicht. Zudem hat der Europäische Gerichtshof die schwedische Regierung 2016 dahingehend in die Schranken gewiesen.