Was tun, wenn’s brennt? Um Unternehmen im Fall eines Cyberangriffs schnelle Hilfe zu bieten, soll ab Januar die „Cyberwehr Baden-Württemberg“ in Karlsruhe ihre Arbeit aufnehmen. Dies kündigte Baden-Württembergs Innenminister Thomas Strobl beim gestrigen Cyberwehr-Gipfel in Karlsruhe an. In mehreren Expertenvorträgen wurden die unterschiedlichen Ebenen und Ansatzpunkte wehrhafter IT-Sicherheit beleuchtet.

Der Trojaner-Angriff auf das britische Gesundheitssystem oder die erst kurz vor der Bundestagswahl aufgedeckte Sicherheitslücke der verwendeten Wahlsoftware – diese Schlagzeilen sind vielen noch gut in Erinnerung. Doch nicht nur kritische Infrastrukturen sind gefährdet; ein kleiner Handwerksbetrieb kann genauso Opfer von Cyberkriminalität werden wie ein Großkonzern oder eine Regierung. Wie aber können Staat, Wirtschaft und Gesellschaft angesichts der zunehmenden IT-Abhängigkeit und der vielfältigen Bedrohungen im Cyberspace handlungsfähig bleiben?

Diese Frage wurde beim gestrigen Cyberwehr-Gipfel in Karlsruhe diskutiert. Die Vorträge beleuchteten dabei die IT-Sicherheit aus verschiedenen Perspektiven – der des einzelnen Unternehmens bis zur Europäischen Union.

Von Einzelfällen und politischen Rahmenbedingungen

Florian Buzin, Geschäftsführer der STARFACE GmbH, wurde mit seinem Unternehmen selbst Opfer eines Hackerangriffs. Da dieser Fall nicht in die Zuständigkeit einer einzelnen Behörde passte, war kaum Unterstützung von staatlicher Seite möglich. Bis es angegriffen wurde, habe er sein Unternehmen als sicher eingeschätzt – nun kümmert sich STARFACE regelmäßig und präventiv um die eigene IT-Sicherheit und die entsprechende Schulung der Mitarbeiter.

Präventiv handeln Unternehmen leider noch zu selten; Sicherheit sei eben ein Bedürfnis, das man erst dann wahrnehme, wenn man einen Mangel verspüre, so Dirk Fox, CyberForum-Vorstand und Initiator der Karlsruher IT-Sicherheitsinitiative KA-IT-Si. Er betrachtete das Thema IT-Sicherheit im größeren Kontext. Täglich 380.000 neue Schadprogramme, eine steigende Anzahl von Schwachstellen in Systemen und Programmen – und der Trend hin zu immer professionelleren und vor allem gezielten Angriffen seien eine bedrohliche Entwicklung. Auch kleine und mittlere Unternehmen würden immer häufiger Opfer von Cyberkriminalität – für den Notfall fehle bislang allerdings die nötige Infrastruktur.

Mit welchen Problemstellungen sich die Europäische Kommission beim Thema IT-Sicherheit befasst, schilderte Dr. Carl-Christian Buhr, stellvertretender Kabinettschef unter Kommissarin Mariya Gabriel. Man arbeite intensiv daran, die nötigen Rahmenbedingungen zu schaffen, um innerhalb der EU organisiert agieren und gemeinsam auf Vorfälle und Krisen reagieren zu können.

„Cyberwehr Baden-Württemberg“: Unterstützung für die Wirtschaft

Eine Schwierigkeit für Unternehmen sei im Fall der Fälle laut Fox schlicht die Frage: An wen kann ich mich wenden, wie bekomme ich schnell einen Experten? Und welche Experten sind auch vertrauenswürdig? Es fehle eine Stelle, die Unternehmen als ersten Ansprechpartner zu Rate ziehen können, wenn sie Opfer eines Cyber-Angriffs sind – eine Art IT-Notruf, wie bei der Feuerwehr.

Bereits am 1. Januar 2018 soll das Projekt „Cyberwehr Baden-Württemberg“ starten – in Karlsruhe, kündigte Innenminister Thomas Strobl an. Die Cyberwehr soll für Unternehmen jederzeit telefonisch erreichbar sein und im IT-Notfall erste Hilfe bieten, qualifizierte und geprüfte Experten vermitteln und auch zur Prävention von Vorfällen beitragen.

Die Wahl des Standortes ist dabei kein Zufall. Karlsruhe sei ein Leuchtturm und die Digitalisierungshauptstadt Baden-Württembergs, betonte Strobl. Auf die im Land vorhandene Expertise in Wirtschaft und Wissenschaft solle in Zukunft aufgebaut werden, Baden-Württemberg solle international der Top-Standort für Cybersicherheit werden.

Volles Haus im Karlsruher ZKM

Fast 250 Interessierte lauschten den Vorträgen beim gestrigen Cyberwehr-Gipfel. Veranstalter waren Wirtschaftsrat, Wirtschaftsjunioren Karlsruhe und CyberForum.
Das Event zum Thema „Wehrhafte IT-Sicherheit“ fand im Karlsruher ZKM | Zentrum für Kunst und Medien statt. Die Gäste hatten die Möglichkeit, exklusiv einen ersten Blick auf die Ausstellung „Open Codes – Leben in digitalen Welten“ zu werfen, die ab 20. Oktober besucht werden kann.

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